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03. Dezember 2012

BZ-Serie Digital (Teil I)

Wie das Netz die Medien verändert

Die BZ startet neue digitale Produkte - zum Beispiel eine iPad-App und ein mobiles Portal für Smartphones. In einer Serie stellen wir Ihnen die digitale BZ-Welt diese Woche vor.

  1. Sieht aus wie die BZ, ist die BZ: Die Badische Zeitung gibt es ab sofort auch auf dem iPad. Foto:  BZ

Die Digitalisierung verändert die Medien. Wer verstehen möchte, wie die Digitalisierung dabei den Journalismus verändert, sollte sich ein bisschen mit Nicholas Kristof beschäftigen.

Mit seinen 53 Jahren ist Kristof unverdächtig, technikverliebt auf saisonale Moden reinzufallen. Als Kolumnist der New York Times hat er schon 1991 seinen ersten Pulitzerpreis gewonnen, also zehn Jahre, bevor das Internet zum Massenmedium wurde. Seine mutige Berichterstattung über die Verletzung von Menschenrechten hat Kristof zu einer moralischen Instanz gemacht. Eine ganze Generation amerikanischer Journalisten hat von ihm gelernt: Wenn man die Welt verändern will, muss man Geschichten erzählen.

Kristof erkannte aber schon vor vielen Jahren, dass man Geschichten in einer digitalen Welt anders erzählen muss – das macht ihn zum Pionier. Während des Irak-Kriegs 2003 war er der erste Blogger der New York Times. Heute ist er in Bahrain, Iran oder Syrien unterwegs, und berichtet auf Facebook und Twitter über die Krisenherde. Mehr als 500 000 Nutzer haben seine Statusmeldungen auf Facebook abonniert, auf Twitter sind es sogar 1,3 Millionen. Es ist, als ob ein Journalist eine ganze Stadt mit auf Recherche nehmen würde.

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Im Februar 2011 berichtete Kristof für die New York Times aus Kairo über den arabischen Frühling und die Massenproteste der ägyptischen Bevölkerung. Er war in diesen Tagen live dabei am Tahrir-Platz. Dort twitterte er topaktuelle Nachrichten und las die sorgenvollen Kommentare seiner Abonnenten: "Wie geht es Dir?" Vor einer Recherchetour in den Iran im Frühsommer 2012 bat er seine Freunde auf Facebook um Themenideen. Er erhielt mehr als 400 Vorschläge. Nach der Reise durch Iran veröffentlichte er schließlich einen Dokumentarfilm auf der Videoplattform YouTube.

Rasantes Tempo, Berichte in Echtzeit, der Dialog zwischen Journalisten und Lesern, die Multimedialisierung der Berichterstattung und eine Vielzahl unterschiedlicher Distributionskanäle wie Facebook oder Twitter – dies zeichnet den Journalismus in der digitalen Welt aus.

Die Zeitungsbranche verändert sich also rasant – doch nicht alle überleben den Wandel. In Deutschland meldete Mitte November die renommierte Frankfurter Rundschau Insolvenz an. Eine Woche später wurde publik, dass die Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland eingestellt wird. In Frankreich schreiben laut Economist alle nationalen Tageszeitungen rote Zahlen – trotz staatlicher Milliarden-Subventionen. In den USA wird die Printausgabe der Traditionsmarke Newsweek nach 80 Jahren vom Markt genommen – das Wochenmagazin existiert dann nur noch digital im Netz. Und in Spanien hat die führende Tageszeitung El País 129 Mitarbeiter entlassen – ein Drittel der Belegschaft.

Bei so vielen Krisenmeldungen übersieht man gern, dass viele Zeitungsverlage große Innovationsanstrengungen unternehmen, um sich in der digitalen Welt neu zu erfinden. Vor allem aber: Zählt man gedruckte und digitale Produkte zusammen, erreichen viele Tageszeitungen im Jahr 2012 in Summe mehr Leser als vor fünf oder zehn Jahren.

Dies ist auch bei der Badischen Zeitung der Fall, wobei der digitale Kanal immer wichtiger wird: Die gedruckte BZ erreicht täglich 426 000 Leser. Die Online-Plattform badische-zeitung.de wird von etwa 900 000 Menschen im Monat genutzt und verzeichnet knapp 3,5 Millionen Besuche (Visits) – damit hat sich die Online-Reichweite in fünf Jahren versechsfacht. Aktuell ist badische-zeitung.de die zweitgrößte Nachrichtenwebseite in Baden-Württemberg. Außerdem betreiben die Onlineredaktion und die Lokalredaktionen in Lahr, Bad Säckingen und Titisee-Neustadt Profile auf Facebook und Twitter mit mehr als 15 000 Nutzern.

Dieses Wachstum ging einher mit einem kontinuierlichen Ausbau des digitalen Angebots. In den vergangenen Monaten wurde festgestellt, dass immer mehr Leser die BZ-Inhalte über mobile Geräte wie Tablet-Computer oder Smartphones abrufen. Der Wunsch, sich über mobile Kanäle überall und jederzeit mit den Inhalten der Badischen Zeitung auf dem Laufenden zu halten, gewinnt also offenbar weiter enorm an Bedeutung.
Die Folgen der Serie
Die BZ startet deshalb ein Paket mit neuen digitalen Produkten, die in den kommenden Tagen in der Serie "BZ Digital" vorgestellt werden sollen.
» Am morgigen Dienstag, 4. Dezember, geht es um die inzwischen gestartete neue iPad-Ausgabe der Badischen Zeitung für Apples Tablet-Computer.
»Am Mittwoch, 5. Dezember, wird das mobile Portal vorgestellt, das für moderne Smartphones wie das iPhone oder die Android-Geräte optimiert wurde.
»Am Donnerstag, 6. Dezember, sind die neuen Digital-Abos "BZ Digital Premium" und "BZ Digital" Thema. Mit diesen können die verschiedenen digitalen Produkte komfortabel genutzt werden – auch die Webseite badische-zeitung.de, die künftig teilweise kostenpflichtig sein wird.
»Am Freitag, 7. Dezember, wird erläutert, wie die BZ-Redaktion Neuigkeiten und Hintergründiges crossmedial für die verschiedenen digitalen Kanäle und für die gedruckte Zeitung produziert.
»Und zum Abschluss dieser Serie wird BZ-Herausgeber Christian Hodeige am Samstag, 8. Dezember, in einem Essay darstellen, warum die Badische Zeitung auch in einer digitalen Welt eine wichtige Rolle spielen wird – und zwar gedruckt und elektronisch.

Testen Sie die neuen digitalen Produkte der Badischen Zeitung kostenlos und unverbindlich. Weitere Informationen zum Digitalabo der BZ finden Sie im Internet: badische-zeitung.de/digitalabo.

Autor: Markus Hofmann