Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

24. Februar 2016 08:51 Uhr

US-Wahl

Wie Social-Media-Kanäle den US-Wahlkampf beeinflussen

Barack Obama hat es vorgemacht, der Erfolg hat ihm recht gegeben: Social Media im US-Wahlkampf einzusetzen, lohnt sich. Darüber sprach Jason Johnson jetzt in der Universität Freiburg.

  1. Referent Jason Johnson in der Uni Freiburg Foto: Carl-Schurz-Haus

  2. Foto: Carl-Schurz-Haus

Barack Obama hat es vorgemacht, der Erfolg hat ihm recht gegeben: Social Media im US-Wahlkampf einzusetzen, lohnt sich. Noch befinden sich die Kandidaten um Hillary Clinton und Donald Trump in der Phase der Vorwahlen, aber sie setzen schon auf Facebook, Twitter & Co.

Über die Bedeutung der sozialen Netzwerke für die Präsidentschaftswahlen in den USA hat Jason Johnson jetzt in der Universität Freiburg auf Einladung des Carl-Schurz-Hauses gesprochen. Der amerikanische Politikwissenschaftler und Publizist hat schon mehrere Wahlen beobachtet und in Wahlkampfteams für die Demokraten und Republikaner gearbeitet.

"Feel free to tweet", lädt er die etwa 70 Zuhörer ein, bevor er mit seinem Vortrag auf Englisch beginnt – sie können seine Präsentation interaktiv begleiten und sich auf dem Forschungsgebiet austauschen, um das es geht. Früh ist klar: Politikwissenschaft muss nicht trocken sein.

Ehe Twitter und die anderen Kanäle eine Rolle spielen, erläutert Johnson, welche Eigenschaften gute Kandidaten aus Sicht der Wähler mitbringen müssen. Sie sollen integer sein, ehrgeizig und kompetent wirken, Führungsqualitäten mitbringen und – ganz wichtig – Empathie. "Die Wähler wollen einen Präsidenten, der zeigt, dass er sich kümmert", erklärt Johnson. In den USA zähle die emotionale Bindung, die Wähler würden sich fragen, welchen Kandidaten sie sich als Babysitter für ihre Kinder vorstellen könnten.

Werbung


Je nach Bekanntheitsgrad setzen die Bewerber ums Weiße Haus ihre Social-Media-Kampagnen unterschiedlich ein. "Hillary Clinton ist eine Marke in den USA, alle kennen sie", so Johnson. Die Frage sei nur, was die Leute mit ihr verbinden würden. Dafür nutzt ihr Team Facebook & Co. Donald Trump ist auch eine Marke und weiß, dass er polarisiert; seine Schamgrenze liegt laut Johnson sehr weit oben. Ihm könnte es aber zum Verhängnis werden, dass viele Republikaner ihn peinlich fänden, riskiert der Politikwissenschaftler einen Blick in die Zukunft.

Viel spekuliert Johnson nicht. Dafür seien die Zeiten zu turbulent, die Entwicklungen zu schnell. Er erinnert an den republikanischen Kandidaten John McCain, der 2008 noch ein Profil bei Myspace hatte, ein soziales Netzwerk, das von Facebook abgelöst wurde und heute keine Rolle mehr spielt. Es gelte zu erkennen, welche Medien mit der Zeit überholt seien und welche nur weniger wichtig würden. "Ein Fernsehausschnitt, der den Kandidaten präsentiert, bringt heutzutage erst etwas, wenn er auf Youtube landet und dann auf Twitter oder Facebook kursiert", sagt Johnson. Dort könne er geteilt und in Sekundenschnelle verbreitet werden. Die Themen, die online im Trend liegen, greifen wiederum Nachrichten und Late-Night-Shows auf.

Altes und Neues verbinden die Kampagnen generell. Johnson ist überzeugt, dass eher das soziale Verhalten einer erfolgreichen Strategie zugrunde liegt als aktuelle Technologien. Auch im modernen Zeitalter herrschen die alten Regeln guter Wahlkämpfe. Es gehe darum, die Wähler aufzuspüren und abzuholen. "Deswegen ist Live-Portal Snapchat wichtig", so Johnson, "weil Eltern oft in denselben Netzwerken unterwegs sind wie ihre Kinder, um sie unter Kontrolle zu haben." Auch die Jüngsten zählt er zur Zielgruppe, da sie für ihn die Wähler von morgen sind.

Eine große Rolle spielen auch intime Einblicke in das Leben der Kandidaten. Er zeigt eine Weihnachtskarte: "Diese Karte könnte jede Familie verschicken, die Kandidatin scheint aus dem engeren Freundeskreis zu kommen. Das ist der Trick, das baut eine emotionale Nähe auf." Der Publizist geht auch auf Fallstricke ein, die in den sozialen Netzwerken lauern. So können Kandidaten über unbedachte Äußerungen stolpern, die ohne das Internet kaum jemand beachtet hätte, die sich aber etwa bei Twitter rasant verbreiten und über die sich die Nutzer lustig machen.

Sein Fazit: Wer den Wahlkampf in den USA verstehen will, sollte nicht CNN gucken oder sich die Internetseiten der Kandidaten anschauen – sondern auf die Trendthemen in den sozialen Netzwerken achten oder Weitere Infos: @DrJasonJohnson bei Twitter folgen.

Autor: Dorothee Soboll