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21. März 2012

Ausgrabung mit langer Perspektive

BZ-INTERVIEW mit Professor Brather zu St.Severin-Grabung.

  1. Sebastian Brather Foto: privat

DENZLINGEN. Was sich unter der Kirchenruine auf dem Mauracher Berg verbirgt, hat die Archäologen neugierig gemacht. Heute Abend wird dazu unter anderem Professor Sebastian Brather bei einem Vortrag im Kultur- und Bürgerhaus Näheres erläutern. Im Vorfeld sprach unser Mitarbeiter Markus Zimmermann mit dem Professor vom Institut für Archäologische Wissenschaften der Albert-Ludwigs-Universität.

BZ: Bereits 2011 wurde bei der Kapellenruine auf dem Mauracher Berg gegraben. Was macht diesen Platz für die Archäologen so interessant?

Brather: Auf dem Mauracher Berg hat sich seit der Aufgabe der Wallfahrtskapelle im 16. Jahrhundert nichts gravierend verändert. Es liegen außer durch einen kleinen modernen Friedhof keine Störungen der archäologischen Überreste im Erdboden vor. Zugleich wecken unsere besondere Neugier frühe Texte zum Mauracher Hof, die bereits im 10. Jahrhundert einsetzen.

BZ: Wurde der Wissensdurst mit den Ergebnissen der ersten Ausgrabung nicht gestillt?

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Brather: Längst nicht, vielmehr wurde die Neugier deutlich angespornt. Wir haben einen spätmittelalterlichen Friedhof gefunden und einen Mauerzug, der vermutlich zu einer gleichalten Kirche gehört, der Vorgängerin der Wallfahrtskirche. Wenn es schon damals einen Friedhof gab, lässt sich im Kontext der schriftlichen Quellen vermuten, dass sich Reste hochmittelalterlicher Kirchenbauten finden lassen könnten.

BZ: Es wird also weitere Ausgrabungen geben?

Brather: Ja, wir sehen die Ausgrabungen auf dem Mauracher Berg als ein Projekt mit längerer Perspektive. Deswegen werden die Ausgrabungen im August vier Wochen lang fortgeführt und damit wird es noch kein Ende haben. Ausgegraben wird im Umfeld der Kirchenruine. Wir werden neue Schnitte in der Nachbarschaft der ersten vornehmen. Dort sind wir in geringer Tiefe schon auf Befunde und den natürlichen Boden gestoßen, das kann aber an anderen Stellen ganz anders sein.

BZ: Welche Idee treibt sie bei den weiteren Forschungen?

Brather: Uns interessieren Bebauung und Nutzung des Mauracher Bergs vom 10. Bis 15. Jahrhundert. Vorerst sind es Vermutungen, aber wir erwarten etwa ältere Kirchenbauten. Vielleicht stoßen wir auch auf Spuren von Gebäuden, die eine ganz andere profane Funktion hatten. Wenn es hier im 10. Jahrhundert Besitzungen des Breisgaugrafen gab, die an das Konstanzer Bistum übergingen, könnte es auch einen befestigten Hof oder eine Burg gegeben haben.

Info: "Was verbirgt sich unter der Kirchenruine auf dem Mauracher Berg?" – Professor Sebastian Brather und Benjamin Hamm berichten von Grabungsergebnissen und Planungen, Florian Tränkle ergänzt dazu Ergebnisse von Georadarmessungen im Bereich Mauracher Hof. Heute, 21. März, 19.30 Uhr im Kultur- und Bürgerhaus.

Autor: mzd