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16. September 2014

Brezeln als Renner am Heimattag

Denzlingens Heimat- und Geschichtsverein hatte viel Wissenswertes im Heimethues im Unterdorf zu bieten – auch für Kinder.

  1. Ganz genau will der Knirps wissen, wohin die Körner fallen (links unten), aus denen später Mehl für den Teig wird, den Barbara Nübling und weitere Helfer zu Brot verarbeiten (rechts unten). Für Sparsame gab es per Dosenmaschine als Andenken eigene Sparbüchsen. Foto: Helena Kiefer

  2. Der Teig will geknetet sein Foto: Helena Kiefer

  3. Sparkässle werden am Heimethues produziert Foto: Helena Kiefer

DENZLINGEN. "Vom Korn zum Brot" war das Motto, unter dem der diesjährige "Hock am Heimethues" vom Heimat- und Geschichtsverein (HuGV) in Denzlingen stand. Die Dorfmusikanten sorgten für Feststimmung, und für Neugierige und Heimatinteressierte hatte die Museumsscheune geöffnet, in der alte Handwerks- und Landwirtschaftsgegenstände ausgestellt sind.

Auch für Kinder gab es viele Möglichkeiten zum Staunen und Mitmachen: Vor der Scheune wurden Brot und Brezeln gebacken, Spardosen wurden gemacht und die "Holzschiffle" gebaut – für die anschließende Regatta auf der Glotter.

Im Mittelpunkt stand die kombinierte Schrot- und Mehlmaschine, deren Lederriemen Hermann Buggle per Knopfdruck in Bewegung setzte. Buggle kümmert sich zusammen mit Harald Haas und weiteren Mitgliedern der Dienstagsgruppe um das e Instandsetzen und Restaurieren von alten Maschinen. Haas kippte den Eimer mit Korn oben in den Trichter, aus dem es langsam in die Schrotmühle herausrieselte, von dort aus ging’s weiter in die Siebtrommel. Heraus kam grobkörnigeres Mehl, als man es heutzutage im Handel kauft. Mit Hilfe eines Schalters kann auch das Vorprodukt ausgelassen werden: Schrot. "In der heutigen Zeit ist so eine Maschine nicht mehr wirtschaftlich", erklärte Buggle. Innerhalb einer Stunde produziert die Maschine etwa 50 Kilogramm Mehl. Bis in die 50er Jahre des 19. Jahrhunderts war eine solche Maschine aber noch auf den selbstversorgenden Bauernhöfen in Betrieb. Die Vorführungen der Maschine knüpften an die der Vorjahre an. So wurde vergangenes Jahr eindrücklich demonstriert, wie die Bauern früher das Korn droschen: mit Dreschflegel und viel Körpereinsatz. Mit der Maschine, die am Sonntag zum Einsatz kam, ist die Brücke geschlagen zum Brotbacken. Im Holzofen buk Barbara Nübling mit ihren Kollegen vom Heimat-und Geschichtsverein feines Holzofenbrot und Brezeln.

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"Die Brezeln sind gleich weg, wenn sie aus dem Ofen kommen", sagte sie. So begehrt war die ofenfrische Ware, die gegen eine kleine Spende erworben werden konnten. 250 Grad brauche der Ofen, in dem das Brot gebacken wird. Zunächst wird ein Feuer entfacht und ordentlich angeheizt, bis es die gewünschte Temperatur hat. Danach wird die Glut ausgeräumt und die ungebackenen Brote kommen hinein. Die Temperatur fällt langsam ab, innerhalb der Stunde, die das Brot zum Backen braucht. Etwa 20 Brote und 100 Brezeln haben die fleißigen Bäcker bis zum frühen Nachmittag schon gebacken.

In der Museumsscheune nebenan wird neben den Ausstellungsstücken auch ein Film gezeigt. Hans-Peter Rieder hat sein Filmmaterial der letzten Hocks und Veranstaltungen zu einem kleinen Film zusammengeschnitten, der Jung und Alt interessierte. "Das ist eine neue Form, in der wir in der Museumsscheune präsentieren", meinte Rainer Lege vom HuGV. "Bilder sagen manchmal mehr als Worte", so Lege weiter. Auch für Kinder sei es spannend, da sie doch manchmal schon im vorigen Jahr dabei waren, aus dem das Videomaterial stammte, oder gar sich selbst oder Freunde auf den Videos wiedererkannten. Mit einer Dosenschließmaschine konnten Kinder an einem Rad drehen, das die Konservenbüchsen (ausnahmsweise mit Schlitz) verschloss. So entstanden kleine "Sparkässle", die die Kinder mit nach Hause nehmen konnten.

Eine Schiffle-Regatta für die Kinder

Hinter dem Haus betreute Sigi Böcherer die "Schifflewerft". Judith und Sarah Bender bauten dort mit ihrer Freundin Hannah die Schiffle für die Regatta. Hannah nimmt sich beherzt den Fuchsschwanz und sägt den Mast zurecht. Sarah hält ihr das andere Ende. Danach nagelt Sarah halbierte Korken auf die Unterseite, damit das Gefährt auch gut schwimmt. Für die Mädchen war der Besuch auf dem Hock interessant. Vor dem Bauen waren sie schon in der Museumsscheune. "Ich habe dort einen alten Sattel entdeckt", so Judith. Aber der sehe ganz anders aus als die heutigen, weiß die Neunjährige, denn sie reitet manchmal selber. "Allerdings auf einem ganz glatten Sattel, der hat keine solche länglichen Stoffpolster mit Rillen wie der hier."

Hannah hat eine Honigschleuder entdeckt: "So eine hat mein Opa auch." Der macht auch heute noch Honig, aber ob er die Schleuder noch benutzt, weiß Hannah nicht.

Mehr Bulldog-Fotos gibt es unter http://www.badische-zeitung.de/denzlingen

Autor: Helena Kiefer