Polarisierende Wahl

Bürgermeisterwahl in Denzlingen: Diskutieren Sie mit!

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 17. Mai 2017 um 23:19 Uhr

Denzlingen

Die Bürgermeisterwahl in Denzlingen polarisiert, wie die vielen Leserbriefe und Kommentare auf BZ-Online zeigen. Heute können Leser Ihre Meinung nochmal abgeben. BZ-Redakteur Max Schuler diskutiert mit.

Am Sonnatg, 21. Mai, fällt die Entscheidung bei der Bürgermeisterwahl in Denzlingen im zweiten Wahlgang. Drei Kandidaten stehen auf dem Stimmzettel: Amtsinhaber Markus Hollemann, Thomas Pantel und Christoph Kern. Die Wahl bewegt viele Menschen in Denzlingen, wie die Leserbriefe zeigen, die bei der Badischen Zeitung eingegangen sind:

"Wechselstimmung in der Gemeinde"

Der Ausgang der Bürgermeisterwahl in Denzlingen zeigt als bemerkenswertes Ergebnis, dass beide Mitbewerber 56 Prozent der Stimmen gewannen, Herrn Pantel trennen nur knapp zehn Prozent von Herrn Hollemanns Ergebnis. Trotz der überdimensionierten Hollemann-Wahlwerbung und dem üblichen Amtsinhaberbonus scheint dies auf eine Wechselstimmung in der Gemeinde hinzuweisen. Ich habe den Eindruck, dass dem ein Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsproblem zugrunde liegt. In allen Äußerungen des Bürgermeisters ist stets in großen Worten nur von Verdiensten und Erfolgen zu hören. In der Realität jedoch ist immer auch die andere Seite wahr, die der Ehrlichkeit wegen dazugehören sollte. Denn ein gewisses Maß an selbstkritischer Betrachtung verleiht auch den Erfolgen mehr Glaubwürdigkeit. Zudem haben die Menschen in Denzlingen nicht vergessen, dass Herr Hollemann schon während dieser Amtszeit nach München wechseln wollte. Damit wurde viel Vertrauen erschüttert. Auch bei zwei Veranstaltungen im Bürgerhaus war von ihm auf die Frage nach dem Bleibewillen in Denzlingen keine wirklich klare Antwort zu entlocken. Brigitte Weiß

"Prozentrechnung war schon immer schwierig"
Prozentrechnung war immer schon schwierig. Ganz besonders wenn es um Politik und Wahlen geht. Bei der Bürgermeisterwahl in Denzlingen waren 10980 Bürger wahlberechtigt, aber nur 6351 Bürger haben gewählt. Das ergibt 4629 Nichtwähler, das wären 42,2 Prozent. Nun könnte man den Schluss ziehen, 42,2 Prozent der Denzlinger wollen keinen Bürgermeister, oder ihnen ist völlig egal, wer hier Bürgermeister ist. Nein, ich glaube dies nicht. Ich glaube, dass diese 42,2 Prozent der Bürger so durch wichtigere Angelegenheiten verhindert waren, dass sie beim besten Willen nicht zur Bürgermeisterwahl gehen konnten. Darum ist es abwegig, etwas anderes hineinzuinterpretieren. Hans-Georg Kuhrau

"Wer Kern wählt, unterstützt Hollemann"
Wie wohl die meisten Denzlinger war ich etwas überrascht, dass der Newcomer Herr Kern im ersten Wahlgang 23,63 Prozent erreicht hat. Hierfür gebührt ihm durch seine offene Art und sein Engagement allerhöchste Achtung. Schwierigkeiten habe ich mit seiner Argumentation seine Kandidatur aufrechtzuerhalten, um einen nötigen Wechsel zu bewirken. Glaubt er ernsthaft, dass er dem Amtsinhaber Herrn Hollemann und dem Herausforderer Herrn Pantel 19,34 Prozent abnehmen kann, um die einfache Mehrheit zu erlangen? Wenn er einen Wechsel wollte, hätte er zugunsten des stärkeren Kandidaten Herrn Pantel zurückgezogen, der nur 9,6 Prozent benötigt hätte, um Hollemann zu schlagen. Wer Kern wählt, unterstützt Hollemann! Gerhard Gionta

"Mit Verhalten der Demokratie geschadet"
Hallo Herr Humpfer, so einer wie Sie erlaubt sich, im Leserbrief (13. Mai) die Haltung von Herrn Kern zu kritisieren. Mit Ihrem Theater im Gemeinderat treiben Sie die Wähler in die Arme von Herrn Kern oder Herrn Hollemann. Gut so. Damit schaden Sie ein weiteres Mal Herrn Pantel, der sicher, wie die anderen Kandidaten, sehr kompetent ist. Es tut einer Demokratie gut, dass es Wettbewerb gibt, hier in diesem Fall drei Wettbewerber. Dass Ihnen das bei der 2. Wahl nicht in ihr Machtkalkül passt, verstehe ich vollauf. Wie die Herren Gerlach und Ganter zeigen Sie ihr Verständnis von Demokratie. In keiner Demokratie zählt man für einen Kandidaten die Negativstimmen. In keiner Demokratie muss ein Wettbewerber für einen vermeintlich besser platzierten den Platz räumen, nur damit die eigenen Machtgelüste befriedigt werden. Ihr Beitrag war leider keine Sternstunde der Demokratie. Sie haben mit ihrem Verhalten der Demokratie geschadet.Michael Hog

"Diskreditierung der Kandidaten"
Sehr geehrter Herr Humpfer, jeder aufmerksame Leser weiß, dass Sie und Ihre Parteigenossen Herrn Pantel als Bürgermeister sehen wollen. Natürlich kann er auf "Anfeindungen und Herabwürdigungen der Kandidaten Hollemann und Kern" verzichten, dass erledigen ja Sie und andere Anhänger für ihn. Die Diskreditierungen der anderen Bewerber könnten endlich aufhören. Cordula Nübling

"Wir werden uns dagegen wehren"
Lieber Herr Humpfer, die gute Nachricht vorweg: Der Politikwechsel im Rathaus hat schon stattgefunden. Vor acht Jahren. Mit der Wahl von Markus Hollemann zum Bürgermeister. Sicher erinnern Sie sich noch an die Zeiten davor. Die Bürgerinitiativen gegen die Politik seines Amtsvorgängers schossen wie Pilze aus dem Boden. Das Ergebnis des Bürgerentscheids zum Schwimmbad wurde einfach ignoriert. Von Bürgernähe keine Spur. Und heute? Bürgerbeteiligung ist Routinesache. Die Zufriedenheit der Bürger erzielt in Umfragen Bestnoten. Und dort wo der Schuh noch drückt (Drogeriemarkt u.a.) sind Projekte auf den Weg gebracht. Die Politik von Markus Hollemann ist so erfolgreich, dass es den Herausforderern schwerfällt, Situationen zu benennen, in denen sie anders gehandelt hätten. Auch Ihr Favorit Thomas Pantel kann sich nach anfänglicher Amnesie daran erinnern, dass er die kommunalen Ausgaben und Kredite mit beschlossen hat. Eigentlich alles bestens. Wenn da nicht ein paar Frustrierte wären, die durch den Amtsantritt von Markus Hollemann an Macht und Einfluss verloren haben. Und die mit zweifelhaften Mitteln versuchen, einen genehmeren Kandidaten auf dem Chefsessel des Rathauses zu installieren. Denken Sie nur an Ihren absurden Auftritt in der Gemeinderatssitzung vom 23. März oder an die einseitige Berichterstattung der "Von Haus zu Haus", die seit Wochen nur Hollemann-kritische Texte druckt. So wie den Leserbrief des ehemaligen Kämmerers und nachtretenden Wahlverlierers von 2009, der uns weismachen will, dass steigende Steuereinnahmen schlecht für den Gemeindehaushalt sind. Lieber Herr Humpfer, ich und Andere wären frustriert, wenn es Ihnen und Ihresgleichen gelänge, einen erfolgreichen Bürgermeister mit solchen Mitteln aus dem Amt zu drängen. Deshalb werden wir uns mit demokratischen Mitteln in der Wahlkabine wehren. Markus Nübling

"Wer soll das glauben?"
Das von Herrn Bernd Einhaus herausgegebene Werbeprospekt ist aufgrund seiner Niveaulosigkeit und der Diffamierung des Mitbewerbers um das Bürgermeisteramt, Herrn Thomas Pantel, als "Kandidaten P", in Denzlingen überwiegend auf Missfallen und Ablehnung gestoßen. So auch bei mir. Wie geht nun Markus Hollemann als der von Bernd Einhaus unterstützte Kandidat mit der Situation um? Hat er sich etwa bei Herrn Pantel entschuldigt? Leider nein! Im Gegenteil: Auf seiner Homepage verbreitet Herr Hollemann die Behauptung, von allem nichts gewusst zu haben. Bei der "Broschüre" von Herrn Einhaus habe es sich um eine "Initiative von Herrn Einhaus" gehandelt, die ohne Abstimmung mit Herrn Hollemann erfolgt sei. Wer soll das glauben? Sowohl die von Herrn Einhaus für seine Broschüre verwendeten Luftbildaufnahmen, als auch die grafische Gestaltung, stimmen zu 100 Prozent mit dem Design des durch Herrn Hollemann verbreiteten Wahl-Werbeprospekts überein. Soll man glauben, dass ein Rechtsanwalt sich dieser Medien ohne Rücksprache bedient? Soll man glauben, dass Herr Einhaus mehrere tausend Euro in eine Broschüre investiert, ohne eine solch massive Werbung vorher mit dem Kandidaten abgestimmt zu haben? Leider lässt Herr Hollemann auch in dieser Situation Rückgrat vermissen und steht nicht zu seiner Verantwortung.Hildegard Pfister-Harler

"Politisch verantwortlich ist der Bürgermeister"
Herr E. räumt ein, dass er für "seine" Broschüre sich bewusst für das "Corporate design" der Wahlkampfmittel des BM Hollemann entschieden und dafür die Vervielfältigungsrechte vom Urheber erworben habe. Kein Widerspruch. Aber wie heißt dieser Urheber? Ich habe es nicht geschrieben und unterstelle es daher auch nicht, dass E. und H. sich etwa inhaltlich bis hin zu Punkt und Komma abgestimmt haben. Jedoch wer hat den Text verfasst: "Wir wollen Ihnen aber nachstehend auch noch einige sachliche Argumente für Ihre Wahlentscheidung liefern". Es folgen die "Fragen und Gedanken von Bernd Einhaus". Wer sind diese "wir", wer hat entschieden, den Text zum Bestandteil genau dieses Wahlkampfmittels zu machen? Wie man es auch bezeichnen mag, politisch ist dafür der BM H. verantwortlich, denn es handelt sich um ein Wahlkampfmittel mit seinem "Corporate design". Ludger Borgert

"Dies ist nur beleidigend"
Ein Unterstützer wählt wohl nie Farbe und Gangart des Gegners. Ihm kommt es auf einfache und eingehende Wahrnehmung der unterstützten Sache oder Person an. Damit ist genug zum Thema Corporate Design gesagt. BM Hollemann oder den Verfasser des Wahlprospekts der inhaltlichen Abstimmung zu verdächtigen, erweckt die Annahme eigenen Unvermögens. Dies ist nur beleidigend. Der Glaube kann in die Irre führen, die Tatsache ist der Erwerb der Vervielfältigungsrechte vom Urheber. Wo hier ein Missbrauch geschehen sein soll, bleibt das Geheimnis des Dr. Borgert. Bernd Einhaus

"Handelt so ein ,Bürger-Bürgermeister’?"
Es geht in Denzlingen um ein Wahlamt auf Zeit. Auch der Bürgermeister, selbst kein Verwaltungsfachmann, war einst ein "unbeschriebenes Blatt". Die ÖDP hält trotz gelegentlicher Abweichungen zu ihm. Der Vorstand der CDU und die Grünen unterstützen einen Gegenkandidaten. SPD, Freie Wähler und FDP/Bürgerliste haben sich nicht erklärt. Dabei ist die FDP/Bürgerliste wiederholt von Vorschlägen der Verwaltung oder der Ratsmehrheit abgewichen. Der dritte Kandidat gewann seine Stimmen ohne entsprechende Ausbildung, Erfahrungen im Kommunalwesen und ohne ein Programm. Weiter so oder ein Neuanfang? Der Bürgermeister lässt den Rat oft nicht-öffentlich beraten, präsentiert dennoch das Ergebnis als "großen Wurf" vor der Presse, ohne vorher den Fraktionen den gesetzlich verordneten "Maulkorb" abzunehmen. So behindert er die demokratische Willensbildung vor Ratsentscheidungen. Die Gemeindeordnung will die Öffentlichkeit der Beratungen. Ausnahmen davon sind eng begrenzt. Handelt so ein "Bürger-Bürgermeister"?Die Gemeinderäte haben das jahrelang mitgemacht, obwohl ein Antrag jeweils genügt hätte, um eine Abstimmung über die Öffentlichkeit herbeizuführen. Viele Gutachten und Planungsaufträge erwecken Zweifel an der Planungskompetenz. Einige Gutachten hätten erst eine substantielle Vorplanung des Gemeinderats unterstützen sollen. Fragen zu Klima, Verkehr, Generationenproblem und Ortsentwicklung sollte der Gemeinderat erst selbst überdenken und dann Aufträge an die Architekten geben. Der Bürgermeister beklagt den Lärm auf der Schnellstraße, plant aber ein kleines Gewerbegebiet zwischen der Schnellstraße und dem künftigen Wohngebiet. Die Zukunft neuer Betriebe oder Betriebserweiterungen erscheint angesichts neuer "eingeschränkter Gewerbegebiete" ungewiss. Auch ein Unterzentrum hat nur begrenzte Gewerbeflächen. Kommt noch eine Vergrößerung beim früheren Edeka-Markt? Der Lidl-Markt wurde nur wenig vergrößert, nicht weit davon am Produktionsstandort auch ein Einzelhandel mit Fleisch- und Wurstwaren neu genehmigt.Zur Entlastung des Lkw-Verkehrs zwischen Emmendingen und Waldkirch will der Bürgermeister eine zusätzliche Verbindung zur Schnellstraße auf Denzlinger Gemarkung, obwohl kein dringendes Bedürfnis besteht. Schwierigkeiten beim Lkw-Zugang zu den Supermärkten beim Kohlerhof aufgrund verfehlter Verkehrsplanung bleiben bestehen. Warum hindert die 30-km-Regelung die Nutzung bestehender Radwege? Wo bleibt ein zukunftweisendes Verkehrskonzept? Umfangreicher Flächenabzug bei Baugebieten soll mit Hilfe städtebaulicher Verträge verschleiert werden. Grundsatzbeschlüsse binden den Umlegungsausschuss aber nicht. Für eine effektive Bürgerbeteiligung zur Hauptstraße fehlten wichtige Informationen über Vorgaben und Zuständigkeiten. Der "Rahmenplan Hauptstraße" hat ohne Bebauungspläne keine Bedeutung. Es gibt angefangene Vorhaben. Werden die Mitbewerber anders handeln? Einer von ihnen hat eine für das Amt gut qualifizierende Ausbildung. Beim Umgang mit komplizierten Vorschriften und bei Verhandlungen mit Behörden und Bürgern hilft das. Im kirchlichen Bereich erfüllt er Leitungsaufgaben im sozialen Bereich. Vielleicht gelingt es ihm, mit einem neu motivierten Rat die Gemeinde anders zu lenken. Gleicht die Bankausbildung des anderen Bewerbers fehlende kommunalrechtliche Kenntnisse aus? Einübung erst nach der Wahl? Das dauert wohl zu lange. Martin Rudolph

"Hollemann hat zweite Amtszeit verdient"
Nach dem Leserbrief v.H.Humpfer gibt die CDU keine Ruhe. Was hier abgeht, spottet aller Beschreibung. Von Anfang an war die CDU-Fraktion gegen H.Hollemann.Ich habe einige Gemeinderatsitzungen gerade in der Anfangszeit v. H.Hollemann besucht und wie mit dem neuen Mann umgegangen wurde, spottete jeder Beschreibung.Er wurde von den Bürgern gewählt, das konnte die CDU einfach nicht respektieren, sondern nutzte die ganzen 8 Jahre um H.Hollemann zu schaden. Viele der CDU und Grünen sehen in H.Pantel schon den neuen Bürgermeister, haben sie die Hoffnung, endlich eine "Marionette" zu haben? Eines muss aber jedem klar sein, der Bürgermeister kann alleine nichts entscheiden ohne Gemeinderat, wenn tatsächlich einiges nicht so lief, wie es sollte, dann ist der gesamte Gemeinderat schuld und nicht nur der Bürgermeister, so wie es die CDU versucht hinzustellen. Dann durfte ein Leserbrief unseres ehemaligen Kämmerers (H.Bührer) nicht fehlen, nur es gibt halt immer einen Sieger und einen Verlierer. H.Pantel will 500-1000 Wohnungen, wer soll die bauen und bezahlen, die Gemeinde? Dann kann man davon ausgehen, dass die Gemeinde danach wirklich verschuldet ist. Sollte H.Kern das Glück haben, gewählt zu werden, dann ist sicher, dass es ihm in Bezug auf den Gemeinderat nicht anders ergehen wird, wie H. Hollemann, sie sind jetzt schon gegen ihn und man wird ihm alle Steine in den Weg legen und jedes Wort auf die Goldwaage. H.Hollemann bewundere ich um seine guten Nerven, denn sonst hätte er die 8 Jahre nicht überstanden und, ist er nicht ein guter Bürgermeister? Er hat für alle ein offenes Ohr, hilft wo er kann etc. etc. und er hat seine Arbeit, trotz vieler ausgestreuter Hindernisse, gut gemacht, er liebt seine Arbeit, die Bürger und Denzlingen insgesamt. Hat er daher nicht eine Chance auf eine zweite Amtszeit verdient – trotz aller Anfeindungen und Verleumdungen – ich wünsche es ihm. Christa Meier

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