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24. August 2013

Da könnte auch eine Burg gewesen sein

Rund 100 interessierte Bürger ließen sich von Archäologen und Historikern die Geschichte von St. Severin deuten.

  1. Drei Studenten nehmen Maß an der vermeintlichen Wehrmauer. Foto: Frank Kiefer

  2. Dieter Geuenich (links) erläutert Zusammenhänge, während Beniamin Hamm im Innern (Mitte) auf eine Mauer zeigt. Dieser Student hat eine Keramikscherbe gefunden. Foto: Frank Kiefer

  3. Foto: Frank Kiefer

  4. Foto: Frank Kiefer

DENZLINGEN. Wie war das Fach Geschichte in der Schule? Sicher nicht so interessant wie die Lehrstunde, die die Professoren Sebastian Brather, Dieter Geuenich und der Wissenschaftler Benjamin Hamm am Donnerstagabend über den Dächern von Denzlingen auf dem St.-Severin-Areal abhielten. Mehr als 100 Interessierte erfuhren in drei Gruppen Neues von der laufenden – der dritten – Grabung in und an der Ruine. Eine kleine Sensation ist der Fund einer dicken Mauer unterhalb der einstigen Kapelle.

Zu ganz anderen Ergebnissen als die, die bei einer Georadarmessung vor zwei Jahren zu erwarten waren, kommen die Archäologen Brather und Hamm sowie der Historikprofessor Dieter Geuenich nach der dritten Grabung. Der Denzlinger Historiker war es, der mit als erster vermutet hat, dass unter der Erde Reste einer Wehranlage sein könnten, weil der am 2.8.951 enteignete Reichsgraf Guntram seine Güter in Riegel und Denzlingen verlor. In Riegel ist eine Befestigung auf dem Michaelsberg, einem dem Mauracher Berg sehr ähnlichen Hügel, bezeugt. Doch 500 Jahre lang gibt es keinen Hinweis darauf in Denzlingen, lediglich Güter und eine Pfarrkirche sind belegt.

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Für Geuenich und Brather gilt als sicher, dass die Gebeine belegen, dass es sich um die Glottertäler Mutterkirche handelt, die 1155 erstmals erwähn wird. "Ein Friedhof war für uns eine unerwartete, interessante Entdeckung", so Sebastian Brather. Klar ist auch, dass die Wallfahrtskapelle, deren Reste noch stehen, erst gebaut wurde, als längst vergessen war, dass um die Pfarrkirche dereinst auch ein Friedhof lag.

"Gebeine sind zum Teil unter den heutigen Mauern tief im Boden gefunden worden und im Kirchenraum auch das Skelett eines Kindes", so Benjamin Hamm. Doch sind Gräber in oder nahe der Kirche allenfalls für die Pfarrer und nicht fürs gemeine Volk denkbar gewesen.

Innerhalb der Kirchenruine "irritiert" eine Mauer die Forscher. Sie ist knapp mehr als einen Meter vom südwestlich gelegenen Eingang entfernt und liegt tiefer als der Boden der Severinskirche. Die Mauer ist zudem mit rund 1,30 Metern an der Basis weit mächtiger als die nur 80 Zentimeter breiten Grundmauern der Severinskapelle. Burg oder Reste der alten Pfarrkirche?

Bestattung in Ost-West-Richtung

Sebastian Brather führt die Gruppe auf die Westseite der Kirchenruine. Dort verharrt einer der Studenten halb liegend und putzt mit einem Bürstchen die Gebeine, die auf einer weiteren, tieferen Ebene, herausschauen, während darüber das Skelett eines anderen Toten liegt. "Alle Verstorbenen wurden in leicht verschobener Ost-West-Lage bestattet", so Brather, der damit die These von der Pfarrkirche bestätigt sieht.

Noch ließ ihn und Geuenich nicht ruhen, ob es nicht doch eine Befestigungsanlage gab. Im Vorjahr gab es bei einer Grabung südwestlich noch keinen Anhaltspunkt.Während ein Aufstieg von Ost, Nord oder West fast unmöglich war, hätte man schon früher bequemer von Südwesten – wie heute – auf den Hügel kommen können, zu dessen Füßen dereinst die Elz floss. Doch genau dort vermuteten die Forscher Reste einer Mauer, die nun belegt scheint. "Steine sind von oben in einen Graben gefallen", so erläutert Brather. Es könnten Steine einer zerfallenen Burg oder Kirche sein, vermutet er.

"Wir wollen auch im kommenden Jahr versuchen, wieder eine Lehrgrabung für Studenten anzubieten, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen", erklärt Dieter Geuenich. Das Geld könnte – wie auch in diesem Jahr – von der Deutschen Forschungsgesellschaft bereitgestellt werden.

Vielleicht wird dann das Geheimnis um eine Burg gelüftet?

Autor: Frank Kiefer