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24. Januar 2013

Die "Ariane-Rakete" hatte ihre Wurzeln in Denzlingen

Kaum jemand in Denzlingen wusste, dass deutsche Wissenschaftler nach dem Krieg im Breisgau für die Franzosen forschten.

  1. Während Helmut Kunkler (liinks) das Alltagsgeschehen im Blick hat, ist Ortshistoriker Dieter Ohmberger auf der Suche nach dem Besonderen für den jährlichen Jahresrückblick, der für 2012 jetzt erschienen ist Foto: Markus Zimmermann, Markus Zimmermann

DENZLINGEN. Eine ganze Menge "Aha-Momente" dürfen die Leser des neuen, aktuellen Denzlinger Jahresrückblicks erwarten. Erinnert doch der 54 Seiten starke Chronikteil an so manche Begebenheiten 2012, die längst wieder in Vergessenheit geraten ist. Das Überraschendste in der 16. Auflage des vom Heimat- und Geschichtsverein herausgegebenen Heftes findet sich jedoch auf den Seiten 72 bis 76. In Denzlingen wurden Grundlagen für den späteren Bau der "Europa", später Ariane-Rakete genannt, erarbeitet.

Die Geschichte der Denzlinger Weltraumpioniere hat selbst Dieter Ohmberger, den bestens bewanderten Ortshistoriker überrascht. Bei seiner Spurensuche habe sich dann gezeigt, dass eigentlich niemand im Dorf wusste, woran die von der französischen Militärverwaltung in Denzlingen von 1946 bis 1950 untergebrachten Wissenschaftler arbeiteten. "Vermutet wurde irgendetwas mit Atom", hat Ohmberger in Gesprächen mit Zeitzeugen erfahren. Doch die Wissenschaftler befassten sich, rein theoretisch, mit der Steuerung von Raketen. "Sie gehörten zu den Mitarbeitern der Raketenversuchsanlage in Peenemünde auf Usedom", erklärt Ohmberger. Die Siegermächte wollten sich deren Wissensvorsprung in der Raketentechnologie sichern und so kam nicht nur Wernher von Braun, der Vater der Mondrakete nach Amerika, sondern eben andere Mitarbeiter in englische, russische und auch französische Obhut.

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Denzlingen wie Emmendingen, wo Aerodynamiker forschten, und Riegel, wo Triebwerkstechniker tüftelten, war nur Übergangsstation. "Ende der 1940er Jahre siedelten die Wissenschaftler, gefolgt von ihren Familien, in das nordwestlich von Paris gelegene Vernon um", hat Ohmberger herausgefunden und ist sich sicher, bislang nur ein wenig den Schleier zu diesem Kapitel Denzlinger Geschichte gelüftet zu haben. Nichtsdestotrotz kommt er zum Resümee, dass "immer, wenn von einem erfolgreichen Start einer Ariane-Rakete zu hören ist, die Denzlinger sich daran erinnern dürfen, dass der Grundstein für diesen Erfolg von Wissenschaftlern gelegt wurde, die einige Zeit unter uns gelebt haben".

Neben solch außergewöhnlichen Momenten der Ortsgeschichte soll die Chronik vor allem aber vom "normalen" Leben der Bürger berichten. Dabei die richtige Auswahl aus dem vorwiegend zugrunde gelegten Material der Printmedien zu treffen, sei keineswegs einfach, erklärt Helmut Kunkler. Gemeinsam mit Dieter Ohmberger und Wilma Hollemann werde letztlich gewichtet, wobei auch berücksichtigt wird, dass manche Vereine allein schon aufgrund ihres Tätigkeitsfeldes mehr und andere weniger in der Öffentlichkeit stehen. Letztlich bleibe die Auswahl, auch durch den Umfang des Drucks begrenzt ist, subjektiv, was auch für die Gemeinderatsbeschlüsse und das Weltgeschehen gelte. "Mit 84 Seiten sind wir am Limit, mehr geht mit dieser Heftung nicht", so Ohmberger bei der Vorstellung des "voluminösesten Rückblicks aller Zeiten", der durch ein Firmenporträt, alemannische Verse und Statistiken ergänzt wird. Erstmals verglichen werden Stromverbrauch und Erzeugung aus regenerativen Quellen in Denzlingen.

Ohmberger dankte den Mitarbeitern und Autoren der Gemeinde und den Sponsoren, ohne die das jährlich in einer Auflage von 800 Exemplaren erscheinende Werk nicht denkbar sei. 400 behält die Gemeinde, um sie Neubürgern zu überreichen. Die anderen können bei der Bäckerei Dick, Schreibwaren Markstahler, Getränke Bechthold, am Bahnhofskiosk, an der Infotheke des Rathauses und in der Buchhandlung Losch zu einem seit Jahren unveränderten Preis erworben werden.

Autor: Markus Zimmermann