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05. September 2013

Die Mauer hütet ihr Geheimnis

Die jüngsten Grabungen auf dem Mauracher Berg belegen, dass es vor dem 10.Jahrhundert eine Wehranlage gab / War es eine Burg?.

  1. Professor Brather (stehend hinten links) und vier seiner Studenten Foto: Frank Kiefer

  2. Unter dem Steinboden der Severinskapelle haben Archäologiestudenten nun die Grundmauern der alten Pfarrkirche gefunden. Foto: Frank Kiefer

DENZLINGEN. Der Mauracher Berg gibt nicht alle seine Geheimnisse preis – noch nicht. Zum dritten Fall war eine Lehrgrabung auf der Erhebung oberhalb des Bads "Mach blau" angesagt, die von dem Archäologen Professor Sebastian Brather und seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Benjamin Hamm geleitet wurde. An den letzten drei Grabungstagen wurde die Apsis der vermuteten Mutterkirche gefunden, die als Pfarrkirche bereits 951 urkundlich belegt ist (siehe auch BZ vom 24.August).

"Wir haben diese Apsis gesucht, weil sie uns Hinweise auf die Symmetrie der alten Pfarrkirche geben kann. Bislang haben wir aber keine südlich und nördlich gelegenen Fundamente der Kirche gefunden", weiß Brather einen Tag vor dem Ende der Grabung zu berichten.

Bereits bei der zweiten Grabung im Vorjahr war man auf Skelette innerhalb der noch vorhandenen Kapellenmauern gestoßen und hatte angenommen, dass hier ein Pfarrer beerdigt sein könnte. Da aber nun auch die sterblichen Überreste eines Kindes gleich daneben gefunden wurden, war klar, dass es sich eher um den Friedhof einer Pfarrkirche handeln würde.

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Nach der Ersterwähnung der Kirche "ze Muron" (bei den Mauern) tauchten die Reste dieser Kirche ins historische Vergessen. Konkret: als in Glottertal und Denzlingen eigene Pfarrkirchen gebaut werden. Erst als die Wallfahrten "Mode" wurden, besann man sich und baute auf dem Mauracher Berg eine Kapelle. So kommt es, dass auf den Friedhof ein neues Gotteshaus gebaut wurde, das mit der Reformation aber schnell an Bedeutung verlor und als "Steinbruch" für andere Bauten missbraucht wurde.

"Im kommenden Jahr werden wir neben der südlichen Mauer graben, um dort hoffentlich Mauerreste der alten Kirche zu finden", so glaubt der Archäologe. Tatsache ist, dass die alten Mauern rund 1, 30 Meter breit sind, während die Kapellenmauern nur 80 Zentimeter messen.

Mit der gefundenen Apsis und damit der Mittelachse und einer südlich gelegenen Mauer ließen sich dann exakte Rückschlüsse ermöglichen, wo dereinst die nördliche Kirchenmauer lag.

Und um Mauern ging es schließlich in diesem Jahr auch etwas von der Ruine entfernt. Die Archäologen sind sich einig, dass die gefundenen Mauerreste auf der Nordostseite zu einem Wehrwall gehören: "Vielleicht auch zu einer Burg", wie sie der 952 enteignete Graf Guntram im Elsass in Riegel und vielleicht in Denzlingen gehabt haben könnte. "Wir haben eine Mauer gefunden, die aufgerichtet und dann nach unten durch einen künstlichen Graben noch steiler gemacht wurde, um es Feinden schwer zu machen, die Anlage zu stürmen", so der Archäologe.

Alle Funde werden dokumentiert

Derweil sind die Studenten Karin Schröder, die schon vor zwei Jahren mitgegraben hatte, und Philip Thomas damit beschäftigt, die Apsis zu vermessen und auf einem großen Reißbrett zu dokumentieren. Daneben kratzt David Hess immer wieder Erde am Übergang von der östlichen Severinsmauer weg. Er hat einen Schädel gefunden, "der uns noch Rätsel aufgibt", so Brather. In der Tat könnte dies ein hoher Pfarrer oder der Grundherr gewesen sein, denn diese genössen das Vorrecht, in einer Kirche bestattet zu werden. Gefunden wurde zudem Keramik, die aus dem zehnten Jahrhundert stammt. Damit ist dies der älteste Beleg für eine Nutzung.

Neben dem Studenten Jan Rothgaenger kniet ein Junge auf dem Boden. "Ich heiße Niklas und bin 14 Jahre alt", sagt der Hobbyarchäologe, der kess zu Beginn der Grabung Brather gebeten hatte, mitmachen zu dürfen. "Seit ich acht bin, habe ich Interesse an der Archäologie. Ich hab das vielleicht von meinem Vater", sagt er, der sich schon immer für alles Geschichtliche interessiert hat. "Ich habe auch die Geschichtsschreiber wie Plinius gelesen", sagt der junge Forscher. Vielleicht ist er auch im kommenden Jahr wieder dabei. Ab Montag drückt er im Berthold-Gymnasium aber wieder die Schulbank.

Autor: Frank Kiefer