Die unbändige Lust zu spielen

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Mo, 22. Oktober 2018

Denzlingen

Unterhaltsame Kiwanis-Comedy-Night in Denzlingen.

DENZLINGEN. Spätestens als Gunzi Heil zum Abschluss der Kiwanis-Comedy-Night zündelte und Moderator Sebastian befürchten musste, dass die Sprinkleranlage im Kultur- und Bürgerhaus losschoss, war klar: Das Programm, das die sieben Kiwanis-Clubs der Region ihren Mitgliedern und Gästen bei der vierten Auflage des unterhaltsamen Benefizabends boten, war ein regelrechtes Feuerwerk.

So starr wie Sammy Tavalis den Gästen in die Augen blickte, konnte es tatsächlich sein, dass manch einer in der folgenden Nacht von dem Berliner Comedian träumte. Direkter als mit dem Marty-Feldmann-Blick konnte er das Publikum kaum bannen, bevor das Allroundtalent ein buntes Programm abzog, das mit großer Geschwindigkeit zwischen Karneval in Rio und Schaudern bei indischen Guru-Kunststücken hin und her wechselte. "Let’s have a party" – lud er das Publikum ein, mit ihm das zu machen, was ihn auf die Bühne und auf der Bühne treibt. Die unbändige Lust zu spielen – unbefangen, einfach drauf los wie ein Kind, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und immer wieder mit dem größten Quatsch, mit Absurditäten zu überraschen. Hatte er die Hände an der Gitarre, schüttelte er die Kastagnetten, anfangs versteckt im gefiederten Kopfputz, indem er diesen hin und her schüttelte, und die Rassel steckte in der Hose.

Alles hochprofessionell und großartig inszeniert, was deutlich wurde, als das Basteln eines Kontrabasses aus Luftballons wie eine Seifenblasenfantasie zerplatzte. Ein Trick, der meist gelingt, ging zweimal in die Hose, was ihn nicht aus der Ruhe brachte. Er spielte auf der Bühne und mit dem Publikum, in feinster Slapstick-Manier. Das löste Begeisterung aus, weil immer wieder Unerwartetes passierte, das herzhaftes Lachen garantierte.

Kontrastprogramm zum lebhaften Sammy Tavalis bot Junlin. Die Absolventin der Akrobatenschule in Shanghai ist Meisterin der Kontorsion, und wenn der Berliner seine Augen verdrehte, so machte dies die zierliche Frau mit jeder Faser ihres Körpers. Gebannt waren die Blicke des Publikums auf sie gerichtet, als sie Schirme mit ihren Füßen balancierte. Anfangs nur einer, wurden es letztlich immer mehr dieser blau-weißen Spiralen, die sie drehte, in die Luft schleuderte und mit scheinbarer Leichtigkeit wieder sicher mit Sohle und Zehen fing.

Bedächtiger dann ihre zweite Nummer, bei der sie, immer mit einem Lächeln im Gesicht, eine feine Choreografie zeigte, die alle Grenzen des Vorstellbaren sprengte. Wo sich letztlich Hände und Füße wieder begegneten, wie sich die scheinbare Verknotung wieder löste, das konnte nur staunen und alles um sich herum vergessen lassen.

Gunzi Heil hatte genau hingeschaut, vor allem aber genau hingehört beim Programm bis zur Pause. Brillant, wie er die Sätze von Josef Schneider, der die Gäste begrüßt hatte, in ihre Einzelteile zerlegte und daraus eine spritzige Kabarettnummer zauberte. Scheinbar brauchte der Karlsruher nur ein Wort, eine kleine Inspiration, um aus seinem Fundus und mit unbeschreiblicher Gabe, Zusammenhänge herzustellen, wo andere sie nie vermuten würden, Gedankenspiele zu machen, die Lachtränen in die Augen trieben. Altbekanntes, aus völlig neuem Blickwinkel, wenn "Last christmas, I gave you my heart" von Wham und Grönemeyers "Gib mir mein Herz zurück" zu Organspende-Hits werden, gibt es kein Halten mehr.

Halt dagegen soll die "Brücke ins Leben geben", die von den Kiwanis-Clubs gemeinsam gebaut wird und deren Finanzierung der Benefizabend gewidmet ist. Gefördert werden durch das Programm seit sieben Jahren Schüler durch individuelle Hilfe, die staatliche Programme nicht vorsehen, beim Schulabschluss und auf dem Weg zum Beruf. Mit Nachhilfe in Fächern, von der Sandy Heisler und Mohammed Meshy den Besuchern berichteten, aber auch mit "persönlichkeitsstärkendem Lernen", so Lehrer Jörg Weisert. Dass die jungen Schüler hier auf der Bühne standen, sprach Bände und ihr Beispiel machte umso deutlicher, wie wichtig das von den Clubs, neben ihren eigenen Projekten, gemeinsam aufgelegte Förderprogramm ist. Mit viel Lachen und der Hilfe von Sponsoren dürfte es für die kommenden zwei Jahre, bis zur nächsten Kiwanis-Comedy-Night gesichert sein.