Engelsgesang in der Georgskirche

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Di, 10. Januar 2017

Denzlingen

Das Ensemble Vocalisa Variabile gastiert in Denzlingen.

DENZLINGEN. In der 25. Konzertreihe im Jahr des 50-jährigen Bestehens präsentierte der Denzlinger Kulturkreis ein von sakraler Musik bestimmtes Programm unter dem Titel "De Angelis", abgeleitet von der gleichnamigen Motette des tschechischen Komponisten Petr Eben.

Das sechsköpfige Frauenensemble Vocalisa Variabile unter der Leitung von Gabriele Kniesel besteht aus Anja Bittner, Regina Kabis, Claudia Kienzler (Sopran), Candida Schlabach-Uhl (Mezzosopran), Barbara Ostertag und Gabriele Kniesel (Alt) und bemüht sich schwerpunktmäßig, seltene, speziell für Frauenstimmen komponierte Literatur aufzuführen. Das Anfangsstück "Hymne" von Josef Gabriel Rheinberger wurde seinem Namen gerecht, denn Rheinbergers optimistische Vertonung des Psalmentextes Nr. 83 "Wie lieblich sind deine Wohnungen" erfüllte durch die vollen Frauenstimmen jeden Winkel der St. Georgskirche. Bei diesem Stück wurden die Sängerinnen von Vocalisa Variabile von Livia Kirner (Sopran) und Lena Geiger (Mezzosopran) unterstützt. Ein Übriges für diesen bewegenden Auftakt leisteten Jonathan Thomm an der Harfe und der Organist Stefan Pöll.

Für die den Engeln gewidmete Titelmotette "De Angelis" zogen sich die Sängerinnen in eine Apsis im Chorraum zurück und schickten ihren glockenklaren A-Cappella-Gesang unsichtbar in den Raum, so dass unschwer die Anmutung von Engelsstimmen entstehen konnte.

Stefan Pöll blieb es vorbehalten, das durch seine lang ausgedehnten und langsamen Harmoniewechsel schwer und getragen wirkende Orgelstück "Le Banquet céleste" von Oliver Messiaen vorzustellen. Musikalisch wird darin der Bezug zum für Christen "himmlischen Mahl" in der Kommunion durch eingestreute Blutstropfen-Töne, die über die Pedale erzeugt werden, hergestellt.

Mit dem "Chor der Engel" für Frauenchor, Harfe und Orgel von Franz Liszt nach dem Text aus Goethes Faust II bewegte man sich wieder in sphärischen Gefilden. Liszt hatte das Werk zum 100. Geburtstag des Dichters geschrieben und lässt die Frauenstimmen mit gewaltigem Volumen die Rettung der Seele Faustens verkünden.

Das Finale bestritten die sechs Ensemblemitglieder mit der kompletten "Messe in d" von Peter Cornelius zur Orgelbegleitung allein. Diese erst spät veröffentlichte Komposition wird selten aufgeführt und ist eine der wenigen Messen für Frauenchor. Hier konnten die einzelnen Sängerinnen auch mit Soli glänzen.

Insgesamt erwies sich die Programmauswahl von eher unbekannteren Stücken als äußerst verdienstvoll – und die vorzügliche Qualität des Konzerts hätte etwas mehr Besucher verdient gehabt.