Gemälde, die Geborgenheit vermitteln

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Mo, 11. Juni 2018

Denzlingen

Die Künstlerin Johanna Helbing-Felix zeigt in Denzlingen ihre Werke / Arbeiten wirken spielerisch leicht und freundlich.

DENZLINGEN. Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein: Den Traum vom Fliegen träumen viele; Johanna Helbing-Felix hat ihn wahrgemacht. Gemeinsam mit ihrem Mann ist die frühere Segelfliegerin in einem Kleinflugzeug bis nach Lappland gereist und hat dabei ihren Blick längst nicht nur in die Ferne des unendlichen Horizonts schweifen lassen. Ganz im Gegenteil, wie die 38 Arbeiten der Künstlerin, die seit Freitag in der Galerie im Alten Rathaus gezeigt werden, eindrucksvoll verdeutlichen.

War die heute 70-Jährige wieder sicher gelandet, hatte sie meist nicht nur den Kopf voller Inspirationen, die sie beim Blick zur Erde sammelte. "Vieles hat sich in den Jahrzehnten verinnerlicht", erklärt sie. Anderes hat sie aber auch auf einem Skizzenblock festgehalten oder fotografiert. Ein riesiger Fundus an unterschiedlichen Formen, Formationen und Transformationen hat die aus Sasbach am Kaiserstuhl stammende Künstlerin so im Laufe der Jahre und Jahrzehnte aus alldem gebildet. Aus diesem hat sie – teils direkt, teils in umfangreichen Prozessen –, für ihre Kunstwerke geschöpft. "Die Blickrichtung aus dem Luftraum auf die Erde ist meine entscheidende Arbeitsperspektive und Inspirationsquelle", so Helbing-Felix, die im nordbadischen Bühl lebt und arbeitet.

"Aus der Distanz reduzieren sich die Dinge auf Linie, Struktur, Form und Farbe", so die Künstlerin. Spuren, die von der Natur geschaffen wurden oder die der Mensch durch seinen Eingriff hinterlassen hat, sind für die studierte Zeichnerin, für die "Zeichnen eine Art des Schreibens ist", geradezu ideale Vorgaben. Geologische oder vegetative Strukturen, aber auch zivilisatorische Einschreibungen verwandelt sie in Skizzen.

Im Original so groß wie Postkarten, werden daraus dann Leporellos – Helbing-Felix liebt es, in Serien zu arbeiten – oder aber großformatigere, bis hin zu wandfüllende Arbeiten zu schaffen, von welchen sie auch in Denzlingen zwei präsentiert. Mit Ölkreide, wasserlöslicher Kreide, Buntstift und Bleistift entstehen so ihre "Interpretationen" der überflogenen Landschaften.

Die beim Fliegen parallel entstandenen Fotografien hat die Künstlerin anfangs zu ihren Zeichnungen in Beziehung gesetzt. Diptychen oder Triptychen sind so entstanden. Mittlerweile jedoch vermischt sie Zeichnung und Fotografie, collagiert sie die unterschiedlichen Ausdrucksformen. "Ich liebe das Spiel des Reduzierens und der Überlagerung", erklärt sie. Dass dabei mal Zeichnungen die Basis bilden, dann wieder Fotografien oder fragmentarisch auch Wetterkarten der Fliegerei, offenbart einen sehr lebendigen Spieltrieb.

Insgesamt wirken ihre Arbeiten spielerisch leicht und freundlich. So verliert sich in ihnen die Distanz, die im Raum zwischen Flugpunkt und Boden per se gegeben ist, und entsteht das Gefühl von Geborgenheit. Aufrüttelnd sind ihre Arbeiten nicht, auch wenn sie teils von zerstörerischen Eingriffen erzählen.

Die Ausstellung "airscape – landscape, Zeichnungen, Luftbilder und Collagen von Johanna Helbing-Felix" ist in der Galerie im Alten Rathaus noch bis 8. Juli jeweils samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr zu sehen.

Das Gespräch "Kunst oder Käse?" in der Galerie mit Kunsthistorikerin Caroline Yi am Sonntag, 24. Juni, beginnt um 16 Uhr. Das Motto dieser Veranstaltung lautet: "Was Sie schon immer über Kunst wissen wollten, aber nie zu sagen wagten..."