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03. August 2011

Geschichte – bald schaufelweise

Studenten der Uni Freiburg werden während der Sommerferien Spuren von Besiedelung auf dem Mauracher Berg suchen.

  1. Harald von der Osten und sein Geo-Radar. Foto: Frank Kiefer/ARCHIV

  2. Bertram Jenisch erläutert aufgrund des Kreuzgewölbesteins, warum hier früher ein weiterer Raum der Severinskapelle gewesen sein muss. Foto: Frank Kiefer

DENZLINGEN. Vor etwas mehr als einem Jahr suchten Experten des Landesdenkmalamtes den Untergrund der alten Severinsruine ab und fanden dort per Geo-Radar bestehende Mauerreste in der Erde. Historiker Dieter Geuenich hatte bereits vermutet, dass vor dem Kirchlein am gleichen Ort vielleicht eine Burg gestanden war. Kommende Woche soll an einzelnen Punkten gegraben werden, um Aufschluss zu erhalten.

Seit Jahren beschäftigt sich Professor Dieter Geuenich auch als Bürger mit der Geschichte seines Wohnortes. Als es ihm im Vorjahr gelungen war, die Experten Harald von der Osten und Bertram Jenisch vom Denkmalsamt an Ort und Stelle zu holen, schienen die Aussichten auf eine Grabung gering, tritt doch das Amt aus finanziellen Gründen zumeist nur dann in Aktion, wenn bei einem genehmigten Hausbau zufällig Reste aus grauer Vorzeit ans Tageslicht kommen.

Über seine Verbindungen als ausgewiesener Mittelalterexperte ist es Geuenich gelungen, Kontakte mit der Uni in Freiburg aufzunehmen. Wer Archäologie studiert, der soll als Student auch an geschichtlichen Grabungen teilnehmen, doch auch dafür fehlen manchmal die Mittel. So kamen Geuenich und sein Kollege Dieter Ohmberger – beide verfassen derzeit einen weiteren Teil der Denzlinger Ortschronik – auf die Idee, Bürger und Firmen anzusprechen. Mittlerweile gibt es Geld. "Denn in einer beispiellosen Sammelaktion, die vom Heimat- und Geschichtsverein organisiert wurde, haben die Denzlingerinnen und Denzlinger mit fast 5000 Euro zur Finanzierung der Grabung beigetragen", so Dieter Geuenich gestern Morgen gegenüber der BZ.

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Vom kommenden Montag, 8. August, an werden nämlich zehn Archäologiestudentinnen und -studenten der Universität Freiburg unter Anleitung des erfahrenen Grabungsleiters Benjamin Hamm erkunden, was unter dem Boden der Kapellenruine und des Vorplatzes verborgen ist. Der Bauhof der Gemeinde wird am Donnerstag hierfür Vorbereitungen treffen.

"Mit großer Spannung erwarten wir Wissenschaftler, aber auch die interessierte Bevölkerung die ersten Ergebnisse, wenn behutsam mit Schaufel und Spaten Gräben gezogen werden", so Dieter Geuenich.

Nicht nur der Bauhof unterstütze die Aktion, sondern auch Denzlinger Einzelhandelsgeschäfte, die durch Sachspenden dafür sorgen, dass die Studenten bei ihrer Grabungsarbeit entsprechend verpflegt werden. Abends dürfen sie nach getaner Arbeit auf Kosten der Gemeinde im Schwimmbad "blaumachen". Am Dienstag, 16. August, 17 Uhr werden die Archäologen dann an den offenen Gräben erstmals mitteilen und zeigen, was die Ausgrabung bis dahin erbracht hat.

"Sind es sakrale Vorgängerbauten der Severinskapelle oder vielleicht sogar römische Mauern, auf die der Spaten stoßen wird? In vier Wochen, wenn die archäologischen Untersuchungen dann am 2. September) abgeschlossen sind, wird man – hoffentlich – mehr wissen", so Professor Dieter Geuenich.

Autor: Frank Kiefer