Großer Rückblick auf alle Grabungen

roth, max, bz

Von Helmut Rothermel, Max Schuler & BZ-Redaktion

Mi, 14. Juni 2017

Denzlingen

Vortrag in Denzlingen fasst Ergebnisse der Archäologen am Mauracher Berg zusammen / Mauerreste und Gruften sollen markiert werden.

DENZLINGEN (roth/max/BZ). Die Ausgrabungen am Mauracher Berg stehen noch einmal im Fokus der Forschung. Bei einem Vortrag in Denzlingen am 26. Juni sollen alle Ergebnisse der vergangenen sechs Jahre vorgestellt werden. Erstmals sollen auch einige Keramik-Funde gezeigt werden.

Sechs Jahre haben die Archäologen der Universität Freiburg jeweils im Sommer innerhalb und außerhalb der Kirchenruine auf dem Mauracher Berg gegraben und dabei mehrere Vorgängerbauten entdeckt. "Zahlreiche Gräber des 12. bis 15. Jahrhunderts lassen auf einen Friedhof mit Hunderten von Bestattungen schließen", teilt Dieter Geuenich mit. Damit sei gesichert, dass es schon vor 1497 (so die Jahreszahl über dem Portal der Kirchenruine) eine Pfarrkirche auf dem Berg gegeben habe, die als Mutterkirche des Glottertals ("mater ad Glotter") auch urkundlich bezeugt sei.

Die Grabungsstätte ist mittlerweile wieder zugeschüttet. Doch Geuenich befindet sich derzeit in Gesprächen mit dem Landesdenkmalamt und der Gemeinde, um abzuklären, wie die gefundenen Mauern und Gruften dennoch für die Besucher auch oberirdisch sichtbar gemacht werden können. Wie der Boden markiert werden soll, ist noch nicht abschließend geklärt. Geuenich betont aber, dass dadurch keine Veranstaltungen in der Ruine gestört werden, zum Beispiel der traditionelle Pfingstgottesdienst. Er hofft darauf, dass die Markierungsarbeiten noch dieses Jahr erfolgen können.

Noch vor sechs Jahren, berichtete Dieter Geuenich, habe man archäologisch gar nichts über die Ruine gewusst. Jetzt sei es möglich, schriftliche Quellen und Grabungsfunde zusammenzuführen und die Erkenntnisse der Geschichtswissenschaft und der Archäologie zu einem genaueren Bild zu ergänzen. Die Grabungsfunde lassen sich wie folgt zusammenfassen: Bereits im frühen Mittelalter wurde das Areal von Menschen genutzt, allerdings nicht zu kirchlichen, sondern zu profanen Zwecken. Unter der Ostwand des späteren Kirchenschiffs wurden Reste eines Grubenhauses gefunden, also eines halb über und halb unter der Erde befindlichen Gebäudes, das als Lager oder handwerkliche Arbeitsstätte genutzt wurde. In der Regel ist ein Grubenhaus Teil einer größeren Bebauung.

Möglicherweise stand hier einst ein Hof in Holzbauweise

Mit anderen Worten: Hier stand möglicherweise ein in Holzbauweise errichteter Hof. Hinweise auf Steinbauten aus dieser Zeit konnten bisher nicht gesichert werden, Keramikfunde erlauben eine Datierung zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert.

Die sakrale Nutzung des Geländes begann spätestens im 12. Jahrhundert, wie Kirchenfundamente, Gräber und schriftliche Quellen belegen. Zu unterscheiden ist eine ältere Kirche vor 1497 und eine jüngere seit diesem Datum. Der östliche Teil der älteren Kirche befand sich an einem Abhang, der – vielleicht infolge von Überschwemmungen – wegrutschte. Denn die neuere Kirche wurde etwas weiter nach Westen auf sicheren Grund versetzt; im Osten wurde eine Stützmauer errichtet.

Die Kirche war bis 1466 Pfarrkirche "zu Maurach" beziehungsweise "zu Glotter" und wurde dann vom Konstanzer Domkapitel an das St. Margarethenstift Waldkirch verkauft. Später wurde sie ein bedeutendes Wallfahrtsziel, waren die Gläubigen doch überzeugt, dass hier die Gebeine des Heiligen Severin liegen. In der Kirche befand sich eine um 1410 entstandene Reliefplatte des Heiligen, die heute in der katholischen Kirche St. Jakobus in Denzlingen steht. Die Reformation bedeutete das Ende der Wallfahrtskirche. 1575 wurden Messen und Wallfahrten abgeschafft, die Kirche und der Mauracher Hof gelangten in private Hände. In der Folgezeit verfiel sie. Doch wurde die Ruine weiter als "geweihter Grund" begriffen, wie ein Grab des 17./18. Jahrhunderts und eine Einritzung von 1771 auf der Reliefplatte belegen.

Info: Professor Sebastian Brather und Valerie Schoenenberg werden am Montag, 26. Juni, 20 Uhr, im Vortragssaal des Sommerhofs (Denzlingen, Schwarzwaldstraße 1) über die Ergebnisse der sechs Grabungskampagnen berichten und auch erstmals einige Keramik-Funde zeigen. Dieter Geuenich wird in die Vorträge einführen. Die Bevölkerung ist zu dieser Veranstaltung eingeladen.