Instrumente im Gespräch

Hildegard Karig

Von Hildegard Karig

Mi, 21. März 2018

Denzlingen

Ein außergewöhnliches Trio mit Klavier, Cello und Klarinette zeigt Spielfreude beim 26. Zyklus des Denzlinger Kulturkreises.

DENZLINGEN. Das vierte Konzert im 26. Zyklus des Denzlinger Kulturkreises war im Kultur- und Bürgerhaus einer raren Zusammenstellung vorbehalten: ein Trioabend mit Klavier (Aziz Kortel), Klarinette (Mei Osato) und Violoncello (Antoine Billet). Wie erfreulich für die Musikliteratur, dass sich Komponisten immer wieder durch ausgezeichnete Instrumentalisten, durch deren virtuoses Spiel und die besonderen Klangfarben einzelner Instrumente inspirieren oder beauftragen lassen.

Das gilt insbesondere für das Trio op. 114 von Johannes Brahms, einem Spätwerk, das durch die Begegnung mit dem Klarinettisten Richard Mühlfeld zustande gekommen ist. Brahms, der sich selbst eigentlich ein Ende seines schöpferischen Schaffens gesetzt hatte, wusste, was er kann und auf welche Erfahrungen er zurückgreifen kann. So ist mit diesem späten Trio ein Werk entstanden, welches sich der "Verwendung" dreier Instrumente voller spielerischer Gelassenheit überlässt.

Es teilte in der empathischen Wiedergabe durch Aziz Kortel, Mei Osato und Antoine Billet mit, dass Brahms den Möglichkeiten der gewählten Kombination nachspürte und seine Intuition, gepaart mit seinem kompositorischen Können, einsetzte. Jugendliche Begeisterung und abgeklärtes Wissen halten sich die Waage.

Die spielfreudige Herangehensweise und das intensive kammermusikalische Miteinander des Trios wussten die tiefgründigen Cantilenen im Adagio ebenso nachzuzeichnen wie den Charakter eines intensiven Gesprächs.

Mit der sich steigernden Coda setzten die Künstler einen klanglich opulenten Schlusspunkt. Die erstaunlich weiten Bögen, die das ausdrucksvolle Spiel der jungen Klarinettistin kennzeichneten, trugen viel zu der Abgeklärtheit bei, die dieses Stück ausmacht. Überaus klangschön zeichnete Antoine Billet den Cellopart, im Gegenüber von Klarinette und Klavier eher weich und samten. Aziz Kortel gestaltete den Klavierpart gleichermaßen routiniert wie ausdrucksstark. Dem brahms’schen Spätwerk waren zwei frühe Werke gegenübergestellt: das Adagio aus dem Beethoven-Trio op.11 und das Trio op.3 von Alexander Zemlinsky. Während das Brahms-Trio gerade durch das Verweilen in einer klaren Kompositionssprache besticht, faszinierten bei Zemlinsky die angedeuteten Ausbrüche eines sich auf der Suche Befindenden.

In der Wiedergabe war diesen Ausbrüchen und einer trügerischen Heiterkeit temperamentvoll und gezielt Raum gegeben. Das erhöhte die Spannung, die dieses Werk ausmacht. Nicht Transparenz stand im Vordergrund, sondern eher der orchestrale Gesamtklang der drei Instrumente, wobei passagenweise das Klavier dominant schien. Vielleicht auch bedingt dadurch, dass sich Klarinettistin Osato eher dem Flügel als dem Publikum zuwandte um einer sicheren kammermusikalischen Kommunikation willen.

Osato war für den erkrankten Klarinettisten Julien Laffaire eingesprungen und hatte sich innerhalb einer Woche in das Trio-Programm eingearbeitet. "...der Tag hat mich müd gemacht..." – der Titel für diesen Trioabend war aus einem von Brahms vertonten Heine-Gedicht genommen. Diese eine Zeile mochte vor allem auf das späte Werk von Brahms und den dunklen Momenten bei Beethoven zutreffen. Die weiteren Zeilen, der Gesang der Nachtigall, die Träume, schienen in allen drei Kompositionen neben aller Abgeklärtheit auch immer wieder durch.

Das Trio verabschiedete sich mit einer heiteren Zugabe: dem romantischen "Ständchen" von Brahms für Gesang und Klavier, von Aziz Kortel arrangiert.