"Jetzt bleibt der Boden zu"

Anja Kunz

Von Anja Kunz

Mi, 28. Juni 2017

Denzlingen

Keramiken, Münzen und viele Knochen: Wissenschaftler präsentieren Fundstücke der Grabungen vom Mauracher Berg.

DENZLINGEN. Wissenschaftler der Universität Freiburg haben im vollbesetzten Vortragssaal des Sommerhofs in Denzlingen die Ergebnisse der archäologischen Grabungen auf dem Mauracher Berg präsentiert. Zahlreiche Gräber, Keramikgefäße, eine mittelalterliche Spielfigur sowie einige Münzen zählen zu den Fundstücken.

Die Grabungen
Auf dem Mauracher Berg hatte es im Mittelalter eine Pfarrkirche und später eine Wallfahrtskirche gegeben. Etliche Mauerfunde belegen dies. Bereits im frühen Mittelalter stand ein Grubenhaus, ein halb in der Erde gebauter Gebäudeteil eines landwirtschaftlichen Hofes, auf dem Areal. Die Archäologen Sebastian Brather und Valerie Schoenenberg sowie der Historiker Dieter Geuenich hatten die Lehrgrabungen, bei denen Studierende die Arbeit eines Archäologen live erleben konnten, sechs Jahre lang begleitet. "Die Denzlinger Bevölkerung hat uns immer motiviert, weiterzumachen", erinnert sich Brather. "Jetzt wird der Boden aber nicht mehr geöffnet."

Die Fundstücke
Dass es auf dem Mauracher Berg eine Pfarrkirche gegeben haben muss, erklären die vielen Gräber, die auf dem Areal gefunden wurden. Anthropologen analysierten die Knochen und datierten die ältesten Funde auf das 12. Jahrhundert. Selbst das Geschlecht und das Alter der Toten konnten bestimmt werden. Auch Krankheitssymptome wie Tumore oder Verschleiß- und Mangelerscheinungen lassen sich genauestens benennen. Viele der Grabfunde sind jedoch zerstört, da die jüngere Wallfahrtskirche von 1497 auf das Fundament der älteren Pfarrkirche gebaut wurde. Skelette sind daher nicht mehr vollständig erhalten, da Mauerteile mitten durch die Gräber verlaufen. Zahlreiche Keramikfunde belegen, dass der Mauracher Berg nicht immer Ort von Sakralbauten war. Aus dem Grubenhaus könnten etliche der Tongefäße stammen, die meist im Haushalt genutzt wurden. Die ältesten Scherben, die nun Studierende des archäologischen Instituts rekonstruierten, stammen aus dem frühen 9. Jahrhundert. "Auch Tongefäße unterliegen Modeerscheinungen", sagt die Archäologin Valerie Schoenenberg. "Und natürlich gibt auch die Herstellungsart Hinweis darauf, wie alt ein Gefäß ist." Gleichfalls gefunden wurde eine Spielfigur aus dem 12. Jahrhundert. "Es könnte sich um den Bauern eines Schachspiels handeln", vermutet Brather.

Auch Münzen, auf denen der Basler Bischofsstab zu sehen ist, wurden ausgegraben. Sie lassen sich auf das 15. Jahrhundert datieren. Schwieriger ist die zeitliche Zuordnung bei einer gefundenen Sattelgurtschnalle. "Diese standardisierten Schnallen gab es zwischen dem elften und dem 15. Jahrhundert", sagt Brather.

Der Ausblick
Die Gemeinde berät sich mit dem Landesdenkmalamt und den an der Grabung beteiligten Wissenschaftlern, wie die archäologischen Funde für Besucher sichtbar gemacht werden. "Eine Glasplatte über den alten Mauern scheidet aus", sagt Brather. Aus konservatorischen Gründen sei es sicherer, die Mauerfunde mit Erde bedeckt zu lassen. "Der Mauerverlauf der älteren Kirche könnte durch ein Band aus Pflastersteinen am Boden markiert werden", sagt der Denzlinger Bauamtsleiter Carsten Müller. Der Chorabschluss der Kirche könne oberirdisch durch Gabionen, die als Sitzgelegenheit nutzbar wären, sichtbar gemacht werden.