Krieg ist weltweit die Hauptursache für Flucht

roth

Von roth

Di, 04. August 2015

Denzlingen

CDU-Veranstaltung mit Oliver Müller von Caritas International .

DENZLINGEN (roth). Zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung über Flucht und Flüchtlinge, bei der auch Fragen jenseits der Tagespolitik behandelt wurden, hatte die CDU-Ortsverband Denzlingen eingeladen. Oliver Müller, Leiter von Caritas International in Freiburg, referierte über Ursachen und Auswirkungen von Flucht und Vertreibung im weltweiten Kontext. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Weiß beleuchtete das Thema aus Sicht deutscher und europäischer Politik. Landrat Hanno Hurth berichtete über die Unterbringung von Flüchtlingen im Kreis Emmendingen.

Seit dem Zweiten Weltkrieg, erläuterte Müller, seien noch nie so viele Menschen auf der Flucht wie heute. 60 Millionen haben ihre Heimat verlassen. Wichtigster Grund für die erzwungene Migration seien Kriege und Bürgerkriege. Im vergangenen Jahr gab es weltweit 424 kriegerische Konflikte, von denen 46 als "hochgewaltsam" eingeschätzt werden könnten. Rund die Hälfte der 16,7 Millionen Menschen, die im Jahre 2014 flüchteten, kommen aus den fünf Staaten Syrien, Afghanistan, Somalia, Sudan und Kongo. Fast die Hälfte davon ist jünger als 18.

Die Hauptlast der Aufnahme tragen, wie Müller ausführte, die armen Staaten. Sie nehmen 80 Prozent der Flüchtlinge auf. Ein extremes Beispiel sei der Libanon, der bei einer Bevölkerungszahl von 4,5 Millionen mehr als 1,1 Millionen Menschen aus Syrien und dem Irak beherberge. Zum Vergleich: Schweden, das Industrieland mit der höchsten Aufnahmequote, bietet auf 1000 Einwohner berechnet zwölf Flüchtlingen Schutz.

Die meisten Flüchtlinge − weltweit 33 Millionen − sind laut Müller jedoch sogenannte Binnenvertriebene. Sie sind innerhalb der Grenzen ihres Heimatstaates auf der Flucht und können sich nicht auf die Genfer Konvention berufen. Viele von ihnen werden von der eigenen Regierung verfolgt und vertrieben. In Syrien gebe es 6,5 Millionen Binnenvertriebene, in Kolumbien, wo seit 50 Jahren Bürgerkrieg herrscht, seien es fünf Millionen.

Gründe für wirtschaftliche Not seien neben internen Faktoren wie einer hohen Geburtenrate Einflüsse von außen. Agrarexporte aus der EU überfluteten Afrika und zerstörten einheimische Märkte. Ein weltweites Phänomen sei das "Landgrabbing". Internationale Konzerne kauften oder pachteten riesige landwirtschaftliche Anbaugebiete, deren Erträge für den Export bestimmt sind. Menschen im eigenen Land seien in der Folge von Hunger und Mangelernährung bedroht. "Wirtschaftsflüchtlinge" seien dennoch oft nicht die Ärmsten der Armen, sondern die gut Ausgebildeten. Viele von ihnen wollen laut Studien nicht dauerhaft im Ausland bleiben. Ihre Überweisungen von Geld in das Heimatland stützten ganze Volkswirtschaften und könnten als Motor für Entwicklung wirken.

Weiß erläuterte, dass die Koalition in den vergangenen Monaten für schutzbedürftige Flüchtlinge viele Erleichterungen geschaffen habe. Finanziell gefördert werde eine schnelle Integration, die Wartezeit für die Arbeitsaufnahme sei auf drei Monate verkürzt und beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge seien 1400 zusätzliche Stellen geschaffen worden. Gleichzeitig müsse Asylmissbrauch stärker bekämpft und konsequent abgeschoben werden. Die Balkanstaaten Albanien, Kosovo und Montenegro sollten als sichere Herkunftsländer eingestuft werden. Insbesondere die rot-grün regierten Bundesländer müssten mehr zurückführen. Das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer erfordere europäische Lösungen. Besonders Großbritannien und die östlichen EU-Länder müssten mehr Solidarität zeigen. Armut könne am besten in den Herkunftsländern bekämpft werden. Deutschland habe ein Interesse an qualifizierter Einwanderung, dafür gebe es klare Regelungen.

Im Landkreis, berichtete Landrat Hurth, sind 616 Flüchtlinge untergebracht. Die meisten lebten in Emmendingen. Die Hälfte komme aus dem ehemaligen Jugoslawien, 80 aus Syrien. Besser als Abschiebung nicht anerkannter Fälle sei die freiwillige Rückkehr. Deshalb habe der Kreistag eine Rückkehrerberatungsstelle beschlossen.