Luftballons für Indienhilfe

Helena Kiefer

Von Helena Kiefer

Do, 22. Dezember 2011

Denzlingen

Denzlinger und Gundelfinger Schüler helfen als Paten der Aktion "Wasser ist Leben".

DENZLINGEN/GUNDELFINGEN. Wie auch schon im vergangenen Schuljahr initiierte die Schülermitverwaltung (SMV) des Erasmus-Gymnasiums eine gemeinsame Aktion, um Spenden für die Gundelfinger Indienhilfe "Wasser ist Leben" zu sammeln. Am Dienstag waren fast alle der 649 Schüler des Gymnasiums auf dem Pausenhof versammelt und warteten gespannt auf ein Startsignal. "3-2-1-0", zählte Bernd Moll, einer der beiden Vertrauenslehrer rückwärts – und schon stiegen rund 250 bunte Luftballons mit Weihnachtsgrüßen in den Himmel.

Nachdem im Vorjahr bei der "Patenkindaktion" bunte Vierecke bemalt und ausgestellt worden waren, suchte die SMV nun wieder eine massentaugliche Aktion. Dank der Sponsoren – die Denzlinger Banken unterstützten die Benefizaktion, indem sie jeweils Luftballons zur Verfügung stellten – ging jeder Cent, der erwirtschaftet wurde, an die beiden Patenkinder im indischen Heim, die vom Erasmus-Gymnasium unterstützt werden. Die Patenschaft beinhaltet vordergründig die Kosten für die Bildung, die ärztliche Versorgung und die Ernährung. Der in Gundelfingen beheimatete Verein "Wasser ist Leben" kümmert sich in Indien um verwaiste Kinder und um solche, die von ihren Eltern aufgrund von Krankheiten nicht mehr versorgt werden können. Eine katholische Schwesterngemeinschaft, die "Helpers of Mary", erzieht die Kinder und bietet eine schulische Ausbildung.

Gerda Geretschläger als Vertreterin des Vereins "Wasser spendet Leben" zeigte sich denn diese Woche hocherfreut über die Unterstützung der Denzlinger Schüler und deren Lehrer. Geschmunzelt wurde über die vielen Regelungen, die es in Deutschland gibt, denn die Luftballonaktion musste zuvor beim Deutschen Flugsicherungsamt angemeldet werden.

Durch die Initiative der SMV dürfen sich die Kinder in Indien in der Vorweihnachtszeit über eine beachtliche Summe freuen und die Finder der Luftballons über weihnachtliche Grüße.

Kleine Porträts der vier Patenkinder

Gerda Geretschläger hatte im Vorfeld den Betreuerinnen in Indien von der Aktion geschrieben. Zumindest die vier Patenkinder, um die sich die Schüler des Denzlinger Gymnasiums und der Gundelfinger Grundschule kümmern, sind von der Ballonidee angetan, wie die aus St. Peter stammende Lehrerin Petra Seufert berichtet: Joti (15 Jahre) und Sonam (14 Jahre) sind die Patenkinder der Denzlinger. Die Mädchen sind Schwestern und leben zusammen mit einer weiteren jüngeren Schwester in einem Kinderhaus. "Sie haben engen Kontakt zueinander und unterstützen sich gegenseitig. Seit acht Jahren sind sie im Kinderdorf, da die Eltern sich nicht weiter um sie kümmern konnten, weil die Mutter an Lepra erkrankte und der Vater als Lastenträger sehr wenig verdient", weiß die Betreuerin. Die beiden Brüder wohnen aber noch zu Hause bei den Eltern. Zumindest in den Schulferien besuchen die Mädchen ihre Familie regelmäßig und haben auch eine gute Beziehung zu ihrer leprakranken Mutter aufgebaut, von der sie sich in den ersten Jahren im Kinderdorf aus Scham eher distanziert hatten. "Beide besuchen die 8. Klasse der Highschool und sind ruhige,fleißige Schülerinnen", so die Helferin aus Indien.

Jotis Lieblingsfach in der Schule ist Englisch, das sie intensiv studiert, da sie nach der Schule gerne Krankenschwester werden will, um ihrer Mutter und den Menschen in ihrer Umgebung medizinisch zur Seite stehen zu können. Sie liebt chinesisches Essen, zumeist Reisnudeln mit Gemüse, und sie liebt die Farbe Pink. "In ihrer Freizeit hilft sie anderen gerne beim Lernen und hatte auch schon mit dem Gedanken gespielt, Lehrerin zu werden", wird berichtet. Ballspiele und das Singen im Chor liebt sie zudem. Für die Weihnachtsfeier üben die Mädchen derzeit einen Tanz mit den Schulkameradinnen der Klassen acht und neun.

Sonams Lieblingsfach in der Schule ist ebenfalls Englisch, da sie die Sprachmelodie mag und erkannt hat, dass für ein selbständiges Leben und einen besser bezahlten Job in Indien das Beherrschen der Weltsprache wichtig ist. Sie möchte – wie ihre Schwester – nach der Schule eine Krankenschwesterausbildung absolvieren. Sie liebt italienisches Essen und die Farbe Blau. In ihrer Freizeit singt sie gerne und viel und hat sich zu einer guten Sängerin entwickelt, die bei Messen auch als Solistin Kirchlieder in Mahrati oder Hindi vorsingt.

"Beide Mädchen finden die Geste des Luftballons-Steigenlassens sehr schön und sagten, dass im übertragenen Sinne die Luftballons auch bei ihnen ankommen würden. Sie bedanken sich bei allen Schülern von Denzlingen für ihre guten Wünsche und die Unterstützung und hoffen, dass der Kontakt weiterhin bestehen bleibt, da nur dadurch ein gegenseitiges Verständnis über Sprachen und Kulturen hinweg möglich ist und sie durch die deutsche Hilfe eine Ausbildung erfahren können, die ihnen erlaubt ein eigenständiges Leben zu führen", weiß Petra Seufert zu berichten.

Eines der Gundelfinger Patenkinder ist
die elfjährige Gauri, die mit ihrer älteren 13-jährigen Schwester seit fünf Jahren im Kinderdorf lebt. Ihr Vater ist an Lepra erkrankt, die Mutter arbeitet als Hausmädchen und verdient wenig, das meiste fließt in Medikamente gegen die Krankheit. So kamen die Mädchen ins Kinderhaus der "Marys", halten aber noch engen Kontakt mit den Eltern. "Ihre Augen leuchteten vor Freude beim Erzählen über ihre Familie", weiß Petra Seufert in ihrem Brief an Gerda Geretschläger zu berichten. Gauri ist in der 5. Klasse, ihr Lieblingsfach in der Schule ist Mahrati. Sie liebt Hähnchencurry. In ihrer Freizeit tanzt sie gerne und macht draußen gerne Fangspiele.

Arti ist ebenfalls elf Jahre alt, Vollwaise und lebt mit ihren beiden älteren Schwestern seit vier Jahren hier im Kinderdorf. So leben die drei Schwestern das ganze Jahr bei den "Helpers of Mary" im Kinderdorf. Sie ist in der 5. Klasse, sei sehr gut und wissbegierig und habe großes Interesse an Naturwissenschaften. Sie rennt gerne und liebt es mit Stirnband zu tanzen, will auch Tänzerin werden.

Beide jungen Mädchen senden herzliche Grüße speziell an alle Kinder der Gundelfinger Johann-Peter-Hebel-Schule und sie freuen sich, dass Kinder aus einem anderen Land an sie denken und sie unterstützen.