Mit den Großen im Fünfvierteltakt

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Mi, 04. Oktober 2017

Denzlingen

Denzlinger Grundschüler besuchen eine Probe des Freiburger Symphonieorchesters Crescendo.

DENZLINGEN. Musik ist keine Frage des Alters, auch klassische Musik kann ein ganz junges Publikum ansprechen. So geschehen am Freitag im Rahmen einer Generalprobe des Freiburger Symphonieorchesters Crescendo im Denzlinger Kultur- und Bürgerhaus.

Bevor am Abend das "normale" Konzertpublikum an der Aufführung von Peter Tschaikowskys Sinfonie Nr. 6 seine Freude hat, faszinieren die Studierenden der Musikhochschule mehr als 100 Grundschüler mit den Klangbildern des russischen Komponisten.

"Stellt euch vor, als Tschaikowsky vier Jahre alt war, also jünger als ihr, bekam er schon Klavierunterricht", weckt Miriam das Interesse des jungen Publikums. Gemeinsam mit ihrer Orchesterkollegin Felicitas steht sie allein auf der noch menschenleeren Bühne und erzählt von dem Komponisten, davon, dass er manch bekanntes Werk und als sein letztes das Stück geschrieben hat, das gespielt werden soll. Doch wie, wenn keine Musiker da sind?

Gemeinsam mit dem Duo auf der Bühne wird das Ensemble zusammengestellt. Beginnend bei dem, der gar kein Instrument spielt, sondern nur einen Stock in der Hand hält. "Ich führe, zeige mit dem Stock, wer wann wie und wie laut spielen soll", erklärt Dirigent Felix seine Aufgabe. Und auf einem kleinen Podest stehe er, damit auch die Musiker weiter hinten ihn und er sie noch sehen kann.

Wer aber gehört noch zu einem Orchester? Munter nennen die Gäste die Geigen, das Schlagzeug, Celli und Hörner, aber auch mal Gitarren und andere Instrumente, die nicht dabei sind. Stück für Stück bauen sie so mit der Moderatorin das Orchester auf und jedes Mal, wenn ein neues Instrument Platz genommen hat, stellt es sich mit ein paar Takten vor. Bis dann, ganz zum Schluss auch noch das Fagott auf die Bühne gerufen wird.

Eigentlich wäre jetzt alles komplett, doch so schnell werden die jungen Konzertbesucher nicht entlassen. Nein, vielmehr leitet Miriam sie an, einen Rhythmus zu klatschen. Schenkel, Bauch, Bauch, Brust und Brust – mit wachsender Begeisterung machen es ihr die Schüler nach und selbst Temposteigerungen meistern sie problemlos. "Solch einen Fünfertakt hat Tschaikowsky immer wieder und gerne genutzt", erklärt sie. Zur Bestätigung wird, als der Rhythmus sitzt, gemeinsam konzertiert. Das Orchester spielt und die Schüler klopfen mit, immer schön der Führung des Dirigenten gehorchend. So was macht Spaß.

Der zehnjährige Simon ist so fasziniert, dass er dem Dirigenten in jeder Bewegung folgt, voller Begeisterung seine Hände schwingt. Auch Jara, neun Jahre alt, ist ganz begeistert. Unverkennbar: Manchen steckt die Musik im Blut und auch wenn das Klatschen auf Dauer anstrengend ist, wie die achtjährige Nelly erklärt, ist an Aufhören nicht zu denken.

Doch nicht nur den Kindern macht es viel Spaß. Das Symphonieorchester Crescendo lädt immer wieder Schüler zu Generalproben ein, teils auch ältere Jahrgänge, "um die junge Generation an klassische Musik heranzuführen und zu zeigen, dass diese eben nicht nur etwas für die ältere Generation ist, sondern auch für Jugendliche spannend und lebendig sein kann", so Projektorganisator Christoph Heinicke.

Dass das keine Einbahnstraße sein muss, verdeutlicht Viola Grömminger. "Für uns ist es eine lebendige Abwechslung und manchmal bringt es auch Input", so die Violinistin. Wie die jungen Zuhörer auf die Musik reagieren, an ihr teilhaben, ist für sie, weil sehr direkt, etwas Besonderes.

So bekommen die Musiker auch etwas gespiegelt und können mit den Kindern Erfahrungen sammeln.