Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

08. September 2016

Neuer Schwung für ein altes Spiel

Der Denzlinger Harald Haas stellt "Danzknöpfle" her und will sie den Besuchern am Tag der Heimat ins Gedächtnis rufen.

  1. Immer wieder neu angestoßen wird das Knöpfle durch Peitschenschläge mit der Geisel Foto: Markus Zimmermann

  2. Harald Haas hat sein Tanzknöpfle aus Kindertagen bis heute aufbewahrt Foto: Markus Zimmermann

DENZLINGEN. Aus dem Straßenbild verschwunden sind "Danzknöpfle" schon lange. Kinder von heute kennen die von einer Peitschenschnur in Bewegung gebrachten und immer wieder beschleunigten, wirbelnden Kreisel kaum noch. Die Kunst, das Danzknöpfle rotieren zu lassen, beherrscht fast niemand mehr. Beim Tag der Heimat am Sonntag wird das uralte Spiel eine kleine Renaissance erfahren.

"Opa, was ist das?" Die Neugier des neunjährigen Enkels veranlasste Harald Haas dazu, seinen aus Kindertagen aufgehobenen Holzkreisel wieder einmal tanzen zu lassen. Auf dem Werkzeugwagen des 66-jährigen Werkzeugmachermeisters hatte das farbig lackierte, von stundenlangem Spielen gezeichnete Stück, über Jahre seinen Ruhestand verbracht. Bis eben der kleine Finn wissen wollte, wozu es genutzt wird. Auf dem Kirchplatz vor der St. Josef Kirche, gleich gegenüber, war schnell der passende Untergrund gefunden, um den Kreisel in Rotation zu versetzen und mit geschickten Geiselschlägen zu halten. Verlernt hatte Haas nicht, was er jahrelang in den Sommermonaten seiner Kindheit auf der Straße in Tutschfelden geübt und gespielt hatte. Bald beherrschten auch Finn und ein Schulkamerad die Kunst.

Werbung


"Als größere Herausforderung erwies sich, die am besten geeignete Schnur wieder zu beschaffen", erinnert sich der seit 40 Jahren in Denzlingen lebende Haas. Manche ältere Mitbürger, die er gefragt hatte, wo es den "Zwick" noch zu kaufen gibt, wussten zwar, was er suchte, aber nicht, wo er es finden konnte. "Jüngere dagegen wussten nicht einmal, wovon ich sprach", erzählt er. Die richtige Schnur am Stecken sorgt nicht nur für den Schwung, sondern auch für einen lauten Knall, wenn sie über den Boden schlägt. In St. Peter, im Raiffeisenmarkt, wurde Haas dann letztlich fündig: 30 Meter "Zwick" konnte er dort noch erstehen.

Doch der allein genügt nicht, um den auf der Spitze stehenden Holzkegel am Drehen zu halten. "Parallel zum Boden muss die Schnur geführt werden", weiß Haas. Das sowohl, wenn es gilt, das Danzknöpfle in Bewegung zu versetzen, als auch, wenn ihm durch die peitschende Geisel neuer Schwung verliehen werden soll. Haas selbst hat in seiner Werkstatt mittlerweile auch Kreisel aus anderen Materialien als Holz gefertigt. Eine ganze Sammlung Danzknöpfle zeugt von der Ideenvielfalt und Experimentierfreude des Werkzeugmachers. Als "Zwick" für schwerere Exemplare hat sich Paketschnur bewährt. "Eine Idee meiner Tochter", so Haas.

Er ist Mitglied in der Dienstagsgruppe des Heimat- und Geschichtsvereins. Auch das Danzknöpfle hat eine lange Vergangenheit. Bereits in der Spielesammlung Alfons X. von Kastilien aus dem 13. Jahrhundert wird der Peitschenkreisel erwähnt. Der spanische König, "der Weise" genannt, förderte viele wissenschaftliche Projekte, darunter das "Buch der Spiele". Darin wird neben Schach und anderen Brettspielen auch das Danzknöpfle behandelt. Es wurde vor einigen Jahren neu aufgelegt und ins Deutsche übersetzt. Der Verlag Lit gibt das Buch heraus. Auf seiner Internetseite steht, dass Spiele für Alfons mehr als nur Unterhaltung waren. Sie symbolisierten die Natur des Menschen und seine Umwelt. Auch auf dem Gemälde "Kinderspiele" von Pieter Bruegel aus dem Jahr 1560 ist der Kreisel zu sehen.

Darum ist es ganz klar, dass Haas die Freude über das wiedergefundene Spiel aus Kindertagen in die Diskussion um das Programm für den "Tag der Heimat" einbrachte. "Holzbearbeitung sollte das Thema 2016 sein", erklärt er. Was lag da näher, als das Spiel mit den hölzernen Spitzkegeln zu präsentieren, und dies mit dem Drechseln der Kreisel zu verknüpfen. Schnell war dann auch die Idee geboren, einen kleinen Wettbewerb zu veranstalten. Dabei erhalten die drei Personen, denen es gelingt, ihre Danzknöpfle am längsten in Bewegung zu halten, Preise. Natürlich ist reichlich Zeit zum Üben und gegen eine Spende dürfen die Festbesucher auch ihre eigenen Kreisel mit nach Hause nehmen.

Tag der Heimat

Die Holzbearbeitung steht im Mittelpunkt des "Tag der Heimat" am Sonntag beim Heimethues. Neben dem Drechseln von "Danzknöpfle", das von 13 Uhr an gezeigt wird, gibt es den ganzen Tag über von 11 bis 17 Uhr Vorführungen zum Zimmerhandwerk. Ab 14 Uhr können zudem Holzschiffle gebaut werden. Der "Danzknöpfle"-Wettbewerb beginnt um 15 Uhr, Siegerehrung ist um 16 Uhr. Die Holzschiffle-Regatta in der Glotter startet um 16.30 Uhr, die Sieger werden um 17.30 Uhr gekürt. Den ganzen Tag über können die Museumsscheune, der alte Vorratskeller und das historische Wohnhaus besichtigt werden. Der Storchentrum ist von 14 bis 16 Uhr geöffnet.  

Autor: mzd

Autor: Markus Zimmermann