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14. Juni 2012

Ringe für ein Storchenleben

In Denzlingen wurden die zwei verbliebenen Störchlein von Martin Kury und Rudi Ganter beringt.

  1. Wie tot liegen die beiden Jungstörche im Horst und lassen alles über sich ergehen. Derweil zücken Martin Kury (links) und Rudi Ganter die Ringe, die am das Storchenbein befestigt werden. Foto: Helena Kiefer

DENZLINGEN. Gestern Morgen wurden die beiden Jungstörche Sarah und Simon auf dem Dach der Georgskirche in Denzlingen beringt. Pünktlich zum Zehn-Uhr-Läuten glitt die Teleskopfeuerwehrleiter – mit Gerätewart Rudi Ganter und Storchenbetreuer Martin Kury im Korb – zum Horst hoch. Einer der Altvögel blieb jedoch die ganze Zeit auf dem Dach des nahen Alten Rathauses und beobachtete von dort die Geschehnisse in seinem Nest.

Während die zwischen 40 und 50 Tage alten Jungstörche, die teilweise noch schwarzes Gefieder haben, regungslos im Nest lagen, nahm Kury, der sich um die Storchenstation in Reute kümmert, sich das erste kleine Storchenbein vor, um den Ring anzubringen, der es später ermöglichen wird, die jetzt noch jungen Störche wiederzuerkennen.

Kurz vor dem Abflug der beiden Altvögel jedoch hatte der Storchenkenner aus Reutebeobachtet, dass auf der Georgskirche zumindest ein Storch den Horst bewohnt, der im vergangenen Jahr noch nicht da war. Denn im Vorjahr Jahr trug einer der beiden Störche einen Ring. "Die Altvögel sind nicht immer beringt. Die bekommt man auch nicht zu fassen", so Kury. Er kümmert sich seit einigen Jahren im Kreis Emmendingen um verletzte Vögel und auch um etwa 70 Nester, die SOS-Weißstorch als Verein betreut. Im Pfarramt hatte man beobachtet, dass den ganzen Winter über ein Storchenpaar den Horst auf der Georgskirche immer wieder aufsuchte.

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Anfang Januar säuberte Manfred Wössner den Horst. Der Denzlinger "Storchenvater" weiß, dass in der letzten Aprilwoche vier der fünf Storchenküken schlüpften. Das kleinste der Jungen wurde schon recht bald aus dem Nest geworfen, es war zu schwach um zu überleben. In der vergangenen Woche, die sehr regenreich war, beobachtete Wössner dank der im Mai angebrachten Storchenkamera, dass der dritte Jungstorch nur teilweise Schutz vor dem Regen unter den ausgebreiteten Flügeln der Storcheneltern gefunden hatte. Kurz lag das Tier in der Tiefe. Trotzdem zeigte sich Wössner erfreut, dass wenigstens zwei der Störche überlebten.
Auf dem Denzlinger Storchenturm hingegen ging ein Kampf um den Horst zwischen zwei Storchenpaaren traurig aus. "Vermutlich haben die heimischen Störche die Eier bei der Verteidigung zertrampelt", bedauerte Wössner. "Störche sind sehr streitbare Vögel", erklärte Kury. Auch in Denzlingen wurden schon einige Vorkehrungen getroffen, um die Störche zu unterstützen. So werden zum Beispiel die Horste sehr flach gebaut, damit die Vögel bei einer eventuellen Verteidigung ihres Horstes und ihrer Jungen Ausweichfläche haben und so die Eier nicht so leicht zu Bruch gehen. Auch liegen dann die Jungstörche bei schlechtem Wetter nicht in einer Mulde, in der sich Wasser ansammeln kann.

Feuerwehrmann Ganter ist schon seit vielen Jahren dabei und begleitet die "Beringer" zu den jeweiligen Horsten. Dieses Jahr durfte er selbst zum ersten Mal einem der Jungstörche einen Ring anlegen. Für alle kleinen und großen Storchenfreunde gibt es die Möglichkeit, das "Storchenfernsehn" zu schauen. Am Karl-Höfflin-Gemeindehaus hängt bereits seit Mai ein Monitor. Die Technik wurde von der Firma Elekro Fehrenbach gesponsert. Nach den Kindern des Firmenchefs sind nun auch die zwei jungen Störche benannt.

Autor: Helena Kiefer