Ultraschallzahnreinigung bei Tieren

So putzt man Hunden richtig die Zähne

Jonas Hirt

Von Jonas Hirt

Do, 14. Juli 2016 um 15:35 Uhr

Denzlingen

Ja, auch Hunde können Zahnstein und Karies bekommen. Um das zu vermeiden, gibt es spezielle Ultraschallzahnbürsten für Tiere. Wie sie funktionieren, wurde in Denzlingen vorgeführt.

Viele Menschen haben Probleme mit ihren Zähnen. Mittels Ultraschall soll das Zähneputzen wesentlich effektiver sein – für Menschen und für Tiere. Für einen entsprechenden Vortrag im evangelischen Gemeindezentrum in Denzlingen interessieren sich vor allem Hundebesitzer.

Nach dem theoretischen Teil heißt es für mehrere Hunde: Zähne zeigen. Claudia Siegmund, die gemeinsam mit Ronny Ahlsleben die Ultraschallzahnbürsten vermarktet, veranschaulicht, wie die Zahnbürste angewendet werden kann. Später machen es die Besitzer dann selbstständig. Tatsächlich bleiben die meisten Hunde gelassen. Einige schlabbern sogar genüsslich an der Zahnbürste. Nervosität entsteht nicht wegen der Zahnbürste, sondern wegen der Artgenossen.

"Wir haben Kunden, die uns sagen, dass ihr Hund bei der Behandlung einschläft." Claudia Siegmund
Die Besitzer sind ebenso überzeugt: "Wir werden es kaufen. Für den Hund und für den Menschen", erzählt Sonja Heffter. Der Mops Amor hat von Beginn an Spaß mit der Zahnbürste. Er kann gar nicht aufhören, den Aufsatz mit seiner Zunge zu bearbeiten. Für seine Besitzerin Karin Kunkler ist die Ultraschallzahnbürste auf jeden Fall eine Alternative. Der Mops hat ohnehin Probleme mit seinen Zähnen, berichtet die Besitzerin.

Ein gutes Gebiss zu haben, ist nicht nur für den Menschen wichtig, weiß Nicola Kellner. Sie ist die Inhaberin der Apotheke im Kohlerhof. Sie hat ihrem Hund Miró schon immer die Zähne mit einer gewöhnlichen Zahnbürste geputzt. "Aber die ist nicht so effektiv", sagt die Apothekerin. Zahnknochen oder Kaustreifen sind für Kellner zwar ein Anfang, aber für die Mundhygiene des Hundes nicht ausreichend. Daher ist sie dieses Jahr auf eine Zahnreinigung mittels Ultraschall umgestiegen.

Die Reinigung ist für Menschen und Tiere geeignet. Bisher wird diese bei Hunden und Katzen angewendet. "Wir haben schon die Einladung bekommen, ein Pferd zu behandeln", berichtet Siegmund. Für die Tiere soll die Reinigung mit der Ultraschallzahnbürste angenehmer sein als mit einer herkömmlichen Zahnbürste. "Wir haben Kunden, die uns sagen, dass ihr Hund bei der Behandlung einschläft", erzählt sie.

Auch Hunde können Zahnstein bekommen

Ein Chip im Borstenkopf entsendet den Ultraschall. Die Borsten sorgen dafür, dass die Wellen in einem idealen Winkel auf die Zähne treffen. Als Übertragungsmedium dient eine spezielle Zahnpasta, so wie das Gel bei einer Ultraschalluntersuchung. Kleine Mikrobläschen implodieren dann an den Zähnen. Ablagerungen und Verunreinigungen werden dadurch mit einer hohen Geschwindigkeit fortgespült. "Der Ultraschall ist die beste und gründlichste Reinigungsmöglichkeit", verspricht Ahlsleben.

Beim Zähneputzen wird die Bürste für wenige Sekunden an eine Stelle gehalten. Wichtig ist, dass man die Bürste nicht gegen die Zähne drückt oder Putzbewegungen wie bei einer normalen Zahnbürste vollzieht. Bei richtiger Anwendung gibt es damit keinen Reibeeffekt an den Zähnen. Die Verletzungsgefahr für das Tier ist geringer. Der Ultraschall gelangt an Stellen, an die man mit einer herkömmlichen Zahnbürste nicht gelangt. Bakterien im Mundraum sollen effektiver bekämpft werden. Das Modell für die Tiere arbeitet sogar lautlos. Beim Modell für Menschen ist ein Motor eingebaut. Diesen könnten die Tiere als störend empfinden.

Ein Set mit Bürste, Aufsätzen und Zahnpasta gibt es für Menschen ab 159 Euro. Das Tiermodell kostet 199 Euro. Viele Kunden hätten eine Zahnbürste für sich und das Tier, natürlich mit unterschiedlichen Aufsätzen, berichten Siegmund und Ahlsleben.

Nicola Kellner ist überzeugt, dass eine Ultraschallzahnbürste sowohl für Menschen als auch für Tiere sinnvoll ist. "Man darf es nicht als verhätscheln oder vermenschlichen der Tiere sehen", sagt sie. Oft wären aber gerade Hundebesitzer der Ansicht, dass eine Zahnreinigung überflüssig sei. Doch Vorbeugung ist auch beim Hund sinnvoll. Denn Zahnsteinreinigung bei Hunden muss beim Tierarzt unter Vollnarkose vollzogen werden. Zugleich betont Kellner aber auch, dass die Zahnreinigung keinen Tierarzt ersetzen kann. Dasselbe gelte auch für den Zahnarztbesuch beim Menschen.