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11. Juni 2013

"Spannend, lehrreich und prägend"

BZ-INTERVIEW mit Dieter Geuenich und Dieter Ohmberger, den Autoren der beiden Bände der Denzlinger Ortsgeschichte.

  1. Die Autoren der Denzlinger Chronikbände: Dieter Ohmberger (links) und Dieter Geuenich Foto: Markus  Zimmermann

DENZLINGEN. Lange ließ er auf sich warten, doch am kommenden Mittwoch, 20 Uhr, wird der erste Band der Denzlinger Chronik, der die Zeit von den ersten Siedlungen bis zum 30-jährigen Krieg behandelt, jetzt vorgestellt. Mit den beiden Autoren Dieter Geuenich und Dieter Ohmberger sprach unser Mitarbeiter Markus Zimmermann.

BZ: Aus der Vergangenheit für morgen lernen. Was ist lehrreich an der Lektüre über einen Zeitraum, der weit zurück liegt?

Geuenich: Wir haben kein "Lehrbuch" geschrieben, und es ist auch grundsätzlich fraglich, ob Geschichte lehrreich ist, oder, um es mit Ingeborg Bachmann zu sagen: "Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler". Wir wollen nicht belehren, sondern darüber informieren und dokumentieren, wie Denzlingen zu dem geworden ist, was und wie es heute ist.

Ohmberger: Das Wissen über die Vorgänge und was unseren Vorfahren widerfahren ist, schafft ein besonderes Bewusstsein und beeinflusst Verhalten und Entscheidungen.

BZ: Was ist für Sie der besondere Reiz an der Beschäftigung mit der Historie?

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Geuenich: Sich in das Leben und die Lebensbedingungen der Menschen hineinzuversetzen, die vor uns gelebt haben.

Ohmberger: Schwer zu sagen. Es fasziniert mich eben, zu erfahren was früher war und vor allem unter welchen Bedingungen die Menschen leben mussten.

BZ: Was war für Sie der spannendste Moment bei der Arbeit?

Geuenich: Als ich feststellte, dass man im Mikrokosmos des Dorfes oft besser sehen und verstehen kann, was die "große Politik" bewirkt, als in Überblicksdarstellungen und Handbüchern.

Ohmberger: Das war nicht ein, sondern es waren viele Momente. Neue Erkenntnisse zu Maurach und den Hofstätten, die menschlichen Schicksale über die Jahrhunderte hindurch, denen ich vielfach begegnete und die mich berührten. Die wissenschaftliche Aufarbeitung des Materials mit einem Historikprofessor war für mich Laien eine Herausforderung, aber sehr spannend, lehrreich und prägend.

BZ: Birgt die Chronik für Sie völlig neue Erkenntnisse, wirft Sie neue Fragen auf und muss die Geschichte Denzlingens neu geschrieben werden?

Geuenich: Da vor uns noch niemand die Geschichte Denzlingens geschrieben hat, erübrigt sich eine Antwort auf die letzte Frage. Die beiden Bände enthalten aber viele neue Erkenntnisse, beispielsweise zu den Denzlinger Kirchen, zum Dorfbach und zu anderen und natürlich auch neuen Fragen.

Ohmberger: Obwohl es einige neue Erkenntnisse gibt, die Geschichte Denzlingens muss nicht neu geschrieben werden. Das war auch nicht unser Ansatz. Die bekannten Quellen zu prüfen, nach neuen Quellen zu forschen, den Ereignissen tiefer auf den Grund zu gehen und sie im Kontext zur großen Geschichte zu sehen, war unser Ansatz.

BZ: Wissen wir jetzt alles, was wir von den Anfängen bis 1948 wissen können?

Geuenich: Was wir zurzeit zur Geschichte von Denzlingen wissen, kann man auf den 700 Seiten erfahren. Das schließt nicht aus, dass Spätere – darauf aufbauend – noch Neues finden.

Ohmberger: Sicher nicht, doch das Wesentliche dürfte in den zwei Bänden der Ortsgeschichte geschrieben sein. So ist in dieser Ortsgeschichte auch Denzlingen in der Zeit des Nationalsozialismus dokumentiert.

BZ: Wird die Zeit nach 1948 ausreichend dokumentiert oder muss ein dritter Band folgen?

Geuenich: Die letzten 65 Jahre (1948 bis 2013), die viele der heutigen Dorfbewohner selbst miterlebt und zum Teil aktiv mitgestaltet haben, sind in den beiden Bänden nicht berücksichtigt. Diese Zeit, zu der eine kaum übersehbare Fülle von Schrift- und Bildzeugnissen vorliegt, darzustellen und vor allem zu beurteilen, ist ein schwieriges Unterfangen und muss anderen überlassen bleiben.

Ohmberger: Band zwei endet ja mit dem Jahr 1948. Was in der Zeit danach im Ort geschah, ist noch nicht aufgearbeitet. Ein dritter Band, in dem die Jahre 1948 bis 2010 dargestellt sind, wäre wegen der Entwicklung und Veränderungen, die Denzlingen erfahren hat, sinnvoll und eigentlich zwingend.

INFO: CHRONIK EINER CHRONIK

Von 1975 bis 2006 (Heft 34) wurde unter dem Titel Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft eine Heftenreihe herausgegeben, die sich anhand von Einzelthemen mit der Denzlinger Ortsgeschichte befasst.

1983, ein Jahr vor der 1000-Jahr-Feier in Denzlingen, erschien ein von Dieter Geuenich herausgegebenes Buch, in dem auf knapp 200 Seiten die Ortsgeschichte mit dem Schwerpunkt der frühen Jahre behandelt wurde.

Im Juli 2008 beschloss der Gemeinderat einstimmig auf Anregung von Bürgermeister Lothar Fischer, eine umfassende Darstellung der Ortsgeschichte herauszugeben.

2011 wurde, auf Wunsch des Bürgermeisters, Band 2 zuerst veröffentlicht. Dieser stellt die letzten drei Jahrhunderte dar, da die früheren Jahre schon intensiver rezipiert worden waren. Nun folgt Band 1.  

Autor: mzd

ZUR PERSON: DIETER GEUENICH

ist 70 Jahre alt. Schon früh hat sich der Historikprofessor und Mittelalterspezialist, der in Münster, Freiburg, Duisburg, Essen sowie als Gastprofessor in Rom, Tokio und Los Angeles lehrte, auch mit der Geschichte seiner Wahlheimat Denzlingen befasst, wo er seit 1973 wohnt, und mehrere Publikationen darüber verfasst hat, vor allem das 1983 erschienene Buch zur 1000-Jahrfeier

Dieter Ohmberger

ist 75 Jahre alt und in Denzlingen aufgewachsen. Sein heimatgeschichtliches Interesse pflegte er schon während seines Berufs und intensivierte es danach. Er ist Mitbegründer des Heimat- und Geschichtsvereins und Initiator der Jahresrückblicke, damit "die Menschen später einmal Quellen über das Alltagsleben ihrer Vorfahren haben, nach denen wir so intensiv suchen müssen".  

Autor: mzd

Autor: mzd