Von Bach bis Beatboxing

Hildegard Karig

Von Hildegard Karig

Di, 07. März 2017

Denzlingen

Junge Streicher und Sänger musizieren im Rahmen der Kulturkreis-Konzerte in Denzlingen.

DENZLINGEN. Es ist bekannt und bewährt: Pro Zyklus ist ein Konzert des Denzlinger Kulturkreises dem Nachwuchs vorbehalten. Waren es unter der Ägide von Michael Leuschner oft junge Pianisten, die mit ihrem Können und dem von Routine noch unbeeinflussten Spiel beeindruckten, zeigen sich nun, seit Gabriele Kiesel die Leitung obliegt, vorwiegend die Talente, die durch ihre Stimmen auf dem Weg in eine berufliche musikalische Zukunft sind.

Überzeugend an diesem Konzept ist immer wieder, dass den jungen Musikern ein anspruchsvolles Ambiente geboten wird. Sie können Erfahrungen im Konzertieren und ganz praktisch im Auftreten sammeln. Damit verbunden sind oft für die Zuhörer und den etablierten Konzertbetrieb außergewöhnliche Hörerlebnisse. Das zeigte sich auch in diesem Sonderkonzert innerhalb der Jubiläumsreihe am vergangenen Samstag. Das Programm erwies sich als ein wahres Kaleidoskop an Klängen, Instrumenten, Stimmen, Stilen.

Alle ausgewählten Darbietungen vermittelten, welches Potenzial die jungen Mitwirkenden mitbringen; wie unterschiedlich ihre Herangehensweise an das Konzertieren und Auftreten ist und welch Einzel- und Ensembleleistungen diesen jungen Musikern möglich ist. Sie alle sind Preisträger verschiedener Wettbewerbe, werden in Begabtenförderungen und Vorstudien betreut.

In der Streichquartettformation erwiesen sich Johanna Bittner, Elias Falk (Violine), Muriel A. Müller (Viola) und Rebecca Falk (Cello) als konzentriert im Miteinander und geschult, dem Gesamtklang verantwortlich zu spielen. Der Umstand, dass Rebecca Falk am Samstag für den erkrankten Cellisten Tim Eberitzsch einsprang, war vielleicht Grund, dass das Cello passagenweise im ausgewogenen Gesamtklang der Streichquartettsätze dominierend war. Das Solospiel von Rebecca Falk streifte drei Jahrhunderte Kompositionsgeschichte. Dank ihrer sicheren Technik konnte sie die virtuosen Anforderungen des Satzes von Henri Dutilieux ausreizen. In der "Ungarischen Rhapsodie" von David Popper überließ sie sich mit warmer, satter Tongebung den geradezu wollüstigen Klängen. Dem Bewegungscharakter der drei Tänze aus der Bach-Solosuite Nr. 2 hätte sie in ihrer Interpretation mehr Bedeutung einräumen können.

Und dann was für eine schöne Geschichte: Dem polnischen Komponisten Henryk Wienlawski wurde die Heirat mit Isobel Hampton verwehrt, aber nachdem die Familie Hampton seine "Légende op. 17" gehört hatte, doch erlaubt. Die beiden heirateten und hatten fünf Kinder. In der emphatischen, klangschönen Wiedergabe dieser "Légende" durch die junge Geigerin Johanna Bittner waren alle Gefühle, alle Sehnsüchte, aller Trotz des abgewiesenen Liebenden zu spüren.

Der zweite Teil des Konzertes war der vokalen Kunst gewidmet. Mit der Arie von Mozart und drei Liedern von Maurice Ravel erwies sich Lorenzo de Cunzo als stimmlich kultivierter und ausdrucksvoller Bariton. Anna Immerz, einzige professionelle Musikerin, überzeugte nach Begleitung der Geigerin auch als Liedbegleiterin am Flügel, sie wurde souverän den verschiedenen Stilen gerecht. Auch wenn es auf den ersten Blick anders aussah: Es blieb "klassisch", denn die Nummern, die Amanda Becker (Stimme) und Benny Ries (Klavier) spielten, waren klassische Jazzstandards von Duke Ellington, George Gershwin und Jerome Kern. Der ausdrucksvolle Gesang von Amanda Becker konnte sich gegen das dominante Klavierspiel von Benny Ries zeitweise nur unbefriedigend durchsetzen.

Der Rap, als Kunstform zwischen Gesang und Rezitation auch als rhythmisch stark beeinflusster Sprechgesang eingeordnet, bietet dem Rapper die Möglichkeit, sehr viel mehr textlichen Inhalt anzubringen als in einem Song oder Lied, was Thomas Wiebe, wechselnd vom Deutschen ins Französische, ausdrucksstark und lebhaft nutzte. Beatboxing als weitere Gesangskunst, die die Möglichkeiten der Konsonanten für die Klangerzeugung nutzt, mit in das Konzert einzubeziehen, entsprach ganz einer weiteren Intention der Konzerte des Denzlinger Kulturkreises: "Nicht mit dem Mainstream zu schwimmen" und offen bleiben für die vielfältigen Formen der Tonerzeugung und daraus resultierender Stile. Dass der rhythmische Charakter des Rappens durch das Beatboxing von Benny Ries unterstrichen wurde, setzte einen stimmigen Schlusspunkt.