Von der Rostbeule zum Hingucker

Max Schuler

Von Max Schuler

Do, 10. September 2015

Denzlingen

Harald Haas startet beim Denzlinger Bulldog-Korso am Samstag.

DENZLINGEN. Seiner Frau zum 40. Geburtstag einen Bulldog zu schenken, ist mutig. Wenn dieser zudem stark verrostet ist, dann ist es leichtsinnig. Aber wenn dazu ein Trompeter "Resi i hol di mit dem Traktor ab" spielt, setzt man(n) die Ehe aufs Spiel. Was vor 20 Jahren zu Zerwürfnissen im Hause Haas in Denzlingen geführt hat, steht heute toprestauriert im Hof: Ein Lanz D 2016. Über die Anekdote kann die Familie längst lachen. Und die Enkel werden beim Denzlinger Bulldogkorso wieder begeistert an der Seite des Opas sitzen.

"Einen Bulldog zu besitzen, war schon immer mein Traum", sagt der pensionierte Werkzeugmachermeister Harald Haas. Im Sommer 1995 kam er auf einer Rennradtour in Eichstetten bei einem Bulldogtreffen vorbei. Für 6000 D-Mark stand der Lanz zum Verkauf. Ein Kindheitswunsch zum Greifen nah. In Radlerhose drehte Haas spontan eine Runde. Per Handschlag besiegelt er den Kauf. Doch wie soll er die Investition der Familie beichten? Da kam ihm die Idee mit dem Geburtstagsgeschenk.

"Ich habe ihm schon lange verziehen", sagt seine Frau Karin heute lächelnd. Damals konnte sie aber nicht verstehen, was sie mit der Rostbeule anfangen soll. "Sie war ziemlich angefressen und hat sich geweigert draufzusitzen", erinnert sich der 65-jährige Haas, der wohl schon harmonischere Geburtstagspartys erlebt hat.

Wer sich mit Oldtimern beschäftigt hat, weiß, dass der Kauf erst der Anfang ist. "Ich habe den Lanz komplett zerlegt: Jede Mutter, jede Schraube und jeden Bolzen überarbeitet", sagt Haas. In fünf Monaten steckte er damals 250 Stunden in die Restauration, arbeitete an Samstagen und Sonntagen bis spät in die Nacht. Für ein neues Getriebe reiste er bis in die Pfalz. Bolzen, Lagerbuchsen und Radmuttern fertigte er selbst in seiner Werkstatt in Denzlingen an. Am Ende hatte er weitere 12 000 D-Mark in den Lanz gesteckt. "Wenn ich was mache, dann mache ich es richtig", sagt Haas.

Baujahr 1957, 20 PS, Hubraum 2256 Kubikzentimeter, ein Zylinder: In den Fahrzeugpapieren sind nicht nur die Kenndaten dokumentiert, sondern auch die vielen Besitzer. Der Erste stammte aus Schleswig hoch oben im Norden, dann landete der Lanz im schwäbischen Mägerkingen und gelangte über Waldhausen und Sexau nach Denzlingen. "Seit ich ihn restauriert habe, ist er niemals liegengeblieben", sagt Haas. Und obwohl der Bulldog mittlerweile im Wert gestiegen sein dürfte und ein vorbeilaufender Fußgänger schon mal 20 000 Euro geboten haben soll, steht für den Denzlinger fest: "Der Lanz ist unverkäuflich."

Unverkäuflich trotz Wertsteigerung

Haas packt sein Schmuckstück nicht in Watte. Als er früher noch Reben bewirtschaftete, transportierte er mit dem Lanz Trauben und Maschinen. Heute sind es vor allem Grünschnitt, Humus oder Baumaterialien. Gerne fährt er auch zu Bulldogtreffen in der näheren Umgebung nach Vörstetten oder Glottertal.

In der Garage stehen auch noch ein VW Käfer, eine NSU Quick und die Mopedvariante eine NSU Quickly. Am liebsten ist Haas aber mit dem Lanz unterwegs. "Es macht mir Spaß, jungen Leuten die alten Maschinen von damals zu zeigen", sagt er. Darum startet er kommenden Samstag zum sechsten Mal beim Bulldogkorso. "Der Lanz ist nicht von der Stange gekauft und in ihm steckt viel Schweiß und Handarbeit, darauf bin ich stolz", sagt Haas.

Seiner Frau schenkt er jetzt Reisen und führt sie zum Essen aus. Zuletzt ging es nach Mallorca. Ohne Bulldog.