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16. August 2016

Wanderer auf Wein- und Wappen-Tour

Entlang der Denzlinger Grenzsteine führen Ortshistoriker Dieter Ohmberger und Wanderführer Dirk Glembin mehr als 80 Interessierte.

  1. Der Ortshistoriker Dieter Ohmberger erklärt den rund 80 Teilnehmenden am Einbollen die Weinbaugeschichte von Denzlingen; im Hintergrund der Mauracher Berg Foto: Jan-Philip Seitz

  2. Bürgermeister Markus Hollemann übergibt als Dank der Gemeinde Denzlingen die neuen Merchandise-Kappen an die beiden Organisatoren Foto: Jan-Philip Seitz

  3. Der Ortshistoriker Dieter Ohmberger erklärt den rund 80 Teilnehmenden am Einbollen die Weinbaugeschichte von Denzlingen; im Hintergrund der Mauracher Berg Foto: Jan-Philip Seitz

DENZLINGEN. Unter dem Motto "Wandern mit Kultur" luden Ortshistoriker Dieter Ohmberger und Wanderführer Dirk Glembin am Sonntag zur zweiten Denzlinger Grenzsteinwanderung am Einbollen ein. Die Resonanz war gleichermaßen groß wie der Erkenntnisgewinn nach acht Kilometern Wanderung.

Die beiden Organisatoren und Denzlinger Koryphäen auf dem Gebiet Geschichte und Ortskenntnis, Dieter Ohmberger und Dirk Glembin vom Schwarzwaldverein, zeigten sich einigermaßen überrascht über den Andrang: Mehr als 80 Wanderfreunde kamen in der Mittagshitze aus allen Richtungen zum Parkplatz am Einbollen, darunter auch Interessierte aus dem ganzen Landkreis. Die Fortsetzung der Grenzsteinwanderung entlang der ehemaligen Landesgrenze zwischen Vorderösterreich und Baden nach fünf Jahren lockte Geschichtsinteressierte wie Naturbegeisterte.

Einer kurzen Einweisung samt Hinweis auf die herausfordernde Streckenführung schickte Dieter Ohmberger Mut machend ein "Aber wir schaffen das!" hinterher, und die Gruppe zog los, den zunächst breiten und teils schattigen Weg in Richtung Gipfel des Einbollen hinauf. In den Weinbergen hatte Ohmberger einen ersten Input für die Gruppe: Zeugnisse über den Weinbau in Denzlingen datierten vom Jahr 1395, doch wer könne ausschließen, dass nicht bereits die im zweiten Jahrhundert am Mauracher Berg siedelnden Römer ihren zweifelsohne konsumierten Wein hier kultivierten?

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Fest steht, dass die heutige Rebanlage auf Bestreben des Oberamtes Emmendingen Ende des 19. Jahrhunderts entstand. Wald wurde gerodet, die Rebstücke an die Bürger verlost und 1872 das Rebhäuschen gebaut. Dem Anbau kam 1910 jedoch eine Klausel in die Quere: Die Grundstücke sollten nach 40 Jahren unentgeltlich an die Gemeinde zurückfallen, weswegen die Bürger die Pflege vermehrt vernachlässigten, je näher die Abgabe rückte. Um den Neubau des Rathauses 1909 zu finanzieren, wurden die Rebstücke schließlich privat verkauft und konnten wieder bewirtschaftet werden. Damals wie heute eröffnet der Blick vom Einbollen eine weite Sicht über den Mauracher Berg und Kaiserstuhl hinweg bis in die Vogesen. Über zunehmend weniger erschlossenes Gelände führte die Tour vorbei an ersten Grenzsteinen, die zunächst Landes-, nach Napoleons Reformen Gemarkungs- und faktisch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges eine Konfessionsgrenze bildeten (die BZ berichtete). Auf vorderösterreichischer Seite zeigen die Steine die Jahreszahl 1792, das österreichische Wappen und die Buchstaben ST für Suggental beziehungsweise GT für Glottertal. Auf badischer Seite prangen das Denzlinger D, das Badische Wappen sowie die Denzlinger Pflugschar. Eine Ohmberger vorliegende Karte aus dem Jahr 1873 verzeichnet alle 135 Grenzsetzungen. Auf dem Weg zum Gipfelplateau auf 492 Metern Höhe, aber auch auf der rückwärtigen Suggentaler Seite liegen jenseits der Pfade mal graben-, oft kraterförmige Vertiefungen: Im Mittelalter wurde in Suggental Silber abgebaut, bis 1802 förderte man Eisenerz. Die Pingen genannten Krater sind heute Kennzeichen der eingestürzten Stollen, erklärte Glembin. 1298 ereignete sich wegen eines schweren Unwetters ein Erdrutsch, der 200 Leben kostete und eine Sage begründete: Das ehemals reiche Suggental sei aufgrund des Übermuts der Bergleute dem Untergang geweiht und durch das Unglück bestraft worden. Zu sehen ist diese Sage auf einer Tafel bei der Suggentaler Kapelle, in der die große Wandergruppe – "so voll ist es hier wohl selten", so Ohmberger lachend – nach dem steilen Abstieg gemeinsam "Großer Gott, wir loben Dich" anstimmte.

Der Rückweg führte vorbei an weiteren Grenzsteinen durch den Einbollenwald. Auf ein idyllisches Waldstück zeigend klärte Ohmberger auf: Dort war bis 1973 das "Grottenloch", eine Mülldeponie der Gemeinde Denzlingen, "auf die sämtliche Abfälle geschmissen wurden: Besser, man gräbt dort niemals auf", so der Ortshistoriker.

Nach dreieinhalb Stunden historischer Spurensuche übergab der mitgewanderte Bürgermeister Markus Hollemann den beiden Organisatoren zum Dank je eine neue Kappe der Gemeinde mit dem Schriftzug "I love Denzlingen".

Autor: Jan-Philip Seitz