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13. Juli 2010 13:10 Uhr
Mit dem Geo-Radar auf Denzlingens Mauracher Berg
War St.Severin 952 noch eine Burg?
Mit einem Spezial-Radargerät wird der Boden in und um die Severinsruine in Denzlingen analysiert. Historiker und das Landesdenkmalamt glauben, dass sogar eine Burg hier einstmals gestanden war.
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Mit Laptop und Georadar: Harald von der Osten (links) Foto: Frank Kiefer
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Bertram Jenisch erläutert, wo früher eine Sakristei gewesen sein könnte Foto: Frank Kiefer
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Deutlich für Bertram Jenisch zu sehen: der Kreuzgewölbestein als Hinweis, dass früher hier ein weiterer Raum war Foto: Frank Kiefer
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Ortsbaumeister Harald Krapp (links) hört dem Fachman des Landesdenkmalamtes, Bertram Jenisch, aufmerksam zu. Foto: Frank Kiefer
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Das Bodenradargerät in Aktion Foto: Frank Kiefer
DENZLINGEN. Die Ruine St. Severin auf dem Mauracher Berg kennt jeder Denzlinger. Zuletzt umgebaut wurde das Kirchlein 1447, wie die Jahreszahl über dem westlichen Portal bezeugt. Doch wie sah die Kirche vorher aus, war es gar keine Kirche, sondern eine Burg? Was Dieter Geuenich und Dieter Ohmberger, die beiden Chronikschreiber vermuten, könnte nun per Geo-Radar bald bewiesen sein. Mit einem Spezialgerät war ein Fachmann des Landesdenkmalamtes auf dem Areal zugange und fand interessante Spuren.
"Wir vermuten hier eine Wehranlage aus dem Mittelalter", verdeutlichte heute, Dienstag, Betram Jenisch, Mittelalterarchäologe im Dienste des Regierungspräsidiums. Auf dem Waldboden sind blaue Punkte zu erkennen, die ein Raster bilden. Immer wieder zieht der gelernte Glaziologe Harald von der Osten sein Geo-Radargerät parallel über die Fläche: "Hier ist eine Mauer, hier sogar eine Doppelmauer und hier wieder". Er bewegt sich in Mitten der Ruine gen Osten. Und auch dort, wo sich die Ruine zum Kandel hin öffnet, sind Mauerreste im Boden für ihn erkennbar.Werbung
Sein Spezialgerät, das ursprünglich zur Erforschung von Gletschern eingesetzt war, hat von der Osten "umfunktioniert" und verfeinert. Alle 2,5 Zentimeter schickt sein Radargerät Strahlen in den Boden, die in einer 80-Milliardenstelsekunde als"Echo" bis in 2,5 Meter Bodentiefe anzeigen, wo Mauerreste sind.
"Es ist wie bei einer Schwarzwälder Torte, die einzelnen Schichten sind für uns deutlich sichtbar. Wir können erkennen, wo Mauerzüge gegenseitig in Bezug stehen", also zusammengebaut sind, begeistert sich Jenisch.
Mit Ortsbaumeister Harald Krapp, Bürgermeisterstellvertreter Jochen Himpele und den beiden Ortshistorikern geht der Mann des Regierungspräsidiums auf die Nordseite des Kirchleins: "Schauen Sie hier!" Er deutet auf eine Mauerecke. Deutlich sichtbar ist, dass mehrere Mauern aneinander stoßen. Doch wie sieht es im Untergrund aus? Jenisch hat eine Idee: "Wir können wegen dieses Konsolsteines knapp über dem Boden, auf dem dann ein Kreuzgewölbestein sitzt, annehmen, dass hier nach Norden eine Sakristei war, von der man nichts mehr sieht."
Zwei Tage lang, die zahllosen Parallelstrecken aufzunehmen, die im Computer gespeichert werden. Er kann sie dann als Drei-D-Version abrufen und analysieren.
"Früher mussten wir aufgraben, um Spuren zu finden. Dabei wurde aber auch einiges zerstört. Wir haben heute das Interesse nicht auszugraben, sondern zu bewahren. Das ist uns ins Stammbuch Denkmalschutz geschrieben", erläutert Jenisch.
"Ich brauche etwa eineinhalb Tage, um die Daten auszuwerten", meint "Gletscherforscher" Harald von der Osten, der längst auch international für den Denkmalschutz im Dauereinsatz unterwegs ist. So ist er im Burgund auf den Spuren von Keltengräbern oder im Urlaub auch mal ganz privat auf dem Schlachtfeld von El Alamein mit seinem Geo-Radar, das 1991 für 120 000 Mark angeschafft wurde.
Aber warum glauben die Experten auch, eine Burg zu finden?- "Am 7.August 952 wurde Graf Guntram aus dem Geschlecht der Eberharde auf dem Reichstag zu Augsburg wegen Auflehnung gegen die königliche Gewalt verurteilt und enteignet. Sein besitz, darunter auch in Maurach wurde von Kaiser Otto dem Großen dann 962 an Bischof Konrad zu Konstanz übertragen. Ob auf dem Bergrücken zu dieser Zeit noch eine Burg stand, ist eine der spannenden Fragen", so Geschichtsprofessor Dieter Geuenich.
Vielleicht können die Denzlinger dann die Dimension des Kirchen- oder Burgbaus auch bald bewundern.
Autor: Frank Kiefer


