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04. Februar 2016

Wo sich Kulturen begegnen können

Im Denzlinger Jugendtreff an der Hindenburgstraße gibt es ein Begegnungscafé für Asylbewerber und Einheimische.

  1. Der Freundeskreis Asyl bietet montags einen Treffpunkt für Einheimische und Flüchtlinge. Foto: Kim Cara Ruoff

DENZLINGEN. Mit türkischem Chai, deutschem Blechkuchen und einem herzlichen Willkommen eröffnete der Freundeskreis Asyl Denzlingen diese Woche das Begegnungscafé im Jugendtreff. Ein Ort des kulturellen Austauschs für Geflüchtete, Denzlinger und Interessierte.

Mit einem schüchternen Lächeln steht Salim da. Der junge Mann aus der Türkei ist heute der erste Besucher des Begegnungscafés und wird gerade umringt von Menschen, die ihn begrüßen. Eine davon ist Regina Schadewaldt: "Hallo Salim, wir kennen uns noch nicht. Wo wohnst du in Denzlingen?" Salim lächelt, schaut kurz zu Arabisch-Dolmetscher Idilbi, der nur mit den Schultern zuckt, und sagt schließlich: "Tut mir leid, ich verstehe viel, aber habe zu wenig Worte."

Seit 25 Jahren ist der Freundeskreis Asyl eine Gemeinschaft von Denzlinger Bürgern und Bürgerinnen, die sich mit verschiedenen Projekten für Geflüchtete und die Integration von Geflüchteten einsetzen. Jedes Projekt wird durch ein kleines Team betreut. Regina Schadewaldt ist seit vergangenen März Mitglied im Freundeskreis und leitet gemeinsam mit Sonja Reichert das Team des Begegnungscafés. "Ich bin damals Mitglied im Freundeskreis geworden, weil ich wissen wollte, was in Denzlingen passiert", sagt Schadewaldt, "und wer nicht laut genug nein schreit, ist sofort mittendrin", fügt sie lachend hinzu.

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"Mit dem Begegnungscafé möchten wir Denzlingern und Geflüchteten die Chance geben sich kennenzulernen, in kulturellen Austausch zu treten und mögliche Ängste und Barrieren zu überwinden", sagt Schadewaldt. "Hier können sie sich bei Kuchen und Tee unterhalten, Billard spielen oder in der Werkstatt gemeinsam etwas bauen".

Unterstützung bei der Umsetzung des Begegnungscafés, erhielten die Mitarbeiter des Freundeskreises vom Team des Jugendtreffs "Wir haben lange nach passenden Räumlichkeiten gesucht und waren sehr froh, als wir das Angebot des Jugendtreffs bekamen", sagt Schadewaldt und weiter: "Die Lage und die Ausstattung sind ideal".

Wenige Meter vom Jugendtreff entfernt steht ein langes weißes Gebäude. "Das ist die neue Leichtbauhalle", sagt Schadewaldt. "Schon bald werden dort 80 neue Geflüchtete einziehen". Eine halbe Stunde nach Eröffnung des Begegnungscafés hat sich der Raum gefüllt. Am großen Tisch in der Mitte des Raums sitzt Idilbi und trinkt eine Tasse Chai. Er ist Syrer, kam vor 50 Jahren aus Damaskus nach Deutschland und kümmert sich, als Arabisch-Dolmetscher heute um die sprachlichen Barrieren. "Ich weiß, was diese Menschen durchgemacht haben und freue mich, ihnen zu helfen, wo ich kann", sagt Idilbi.

Einen Meter weiter steht der Perser Maussoud. Er hat Durst und sucht sich etwas Trinkbares im Kühlschrank. Auch er musste als junger Mann aus seinem Heimatland fliehen: "Ich wurde gezwungen, der Armee beizutreten und sollte an vorderster Front kämpfen – ein sicheres Todesurteil. Deshalb habe ich Fahnenflucht begangen", sagt der heute 52-jährige Iraner.

Am Ende des Abends zieht Regina Schadewaldt eine erste Bilanz: "Es war ein sehr schöner Abend. Ich wünsche mir, dass dieses Begegnungscafé auch in Zukunft jeden Montag so gut besucht ist, und wir gemeinsam einen Ort schaffen können, an dem Menschen aus unterschiedlichen Kulturen einander bereichern", sagt die 59-Jährige: "Hier ist jeder willkommen."

Begegnungscafé: Öffnungszeiten vom

15. Februar an jeden Montag von 17 bis 20 Uhr im Jugendtreff an der Hindenburgstraße 125 in Denzlingen.

Autor: Kim Cara Ruoff