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14. September 2016

Zu wenig Wasser für die Regatta

Beim Hock am Denzlinger Heimathues bauen Kinder Holzschiffe und lassen Danzknöpfle kreiseln.

  1. Der sechsjährige Thibault Muhlke baut mit seinem Vater Jan ein Holzschiff für die Regatta. Foto: Stella Kaltenbach

  2. David Schlenk, Finn Kölblin und Paulo Grötsch auf dem Siegertreppchen Foto: Stella Kaltenbach

DENZLINGEN. Lautes Hämmern und Sägen ist beim Heimathues in Denzlingen zu hören und das, obwohl Sonntag ist. Der Geruch von frisch geriebenen Holzspänen steigt in die Nase. Das diesjährige Thema des traditionellen Hocks am Heimathues wird schnell klar: das Zimmerhandwerk. Der Denzlinger Heimat- und Geschichtsverein hatte zu diesem Motto wieder viele Ideen.

Hinter dem Heimathues nageln, basteln und bauen Mütter und Väter mit ihren Kindern. Ab und zu ist ein Schmerzensschrei zu hören, wenn ein Kind den Daumen des Vaters statt den Nagel getroffen hat. Doch das nehmen die Eltern gerne auf sich, wenn am Ende ein schönes, kleines Holzschiffchen entsteht. Die Schiffskörper stehen schon fertig zur Verfügung. Alles andere, zum Beispiel die Reling, das Segel und die Masten, muss selbst gebastelt werden. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die Familien stellen kuriose und einfallsreiche Schiffchen her. Da entsteht ein Segel aus einer Eisverpackung oder ein Kapitän aus Blättern und Korken – die Kreativität der Kinder ist groß.

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Finn Stadelbauer legt sein Augenmerk weniger auf Kreativität als auf die Funktionalität seines Schiffs. "Ich habe es mit sehr vielen Korken ausgestattet. Falls es umkippt, kann es immer noch weiter fahren", sagt er. Das ist ein wichtiger Punkt, denn die Miniaturschiffe müssen sich einen Wettkampf liefern. In der Denzlinger Glotter entscheidet sich, welches Boot am Besten auf dem Gewässer schwimmt. Leider ist der Fluss derzeit ausgetrocknet und der Wettbewerb muss auf den 8. Oktober verlegt werden.

Neben dem Basteltisch der Holzschiff-Regatta stehen Kinder mit Peitschen in der Hand. Sie schlagen auf einen kleinen Gegenstand auf dem Boden ein. Bei diesem Schauspiel handelt es sich nicht um sinnloses Tun, sondern um einen Wettstreit. Finn und Matti Kölblin, Paulo und Carlos Grötsch, Nils Petersen und David Schlenk duellieren sich im Danzknöpfle schlagen. Jedes Kind hält einen Holzstock in der Hand. An dem ist eine Schnur befestigt. Die wird jetzt auf den Danzknopf, der wie ein Kreisel aussieht, aufgewickelt. Mit einer geschickten und kräftigen Handbewegung schleudern die Kinder den Danzknopf von der Schnur weg. Der fängt daraufhin an, sich zu drehen. Ziel ist es, ihn mit der Schnur immer wieder zu schlagen, damit er in Bewegung bleibt. Der Junge, der das am längsten schafft, hat gewonnen.

Das Spiel war 50 Jahre lang in Vergessenheit geraten. Jetzt gewinnt es wieder an Beliebtheit. Dem neunjährigen Finn Kölblin ist es zu verdanken, dass die Danzknöpfle auf den Heimathues-Hock gebracht wurden. Bei seinem Großvater Harald Haas hat er damals in der Werkstatt das Spielzeug entdeckt und war sofort begeistert. Haas hat dann angefangen, selbst solche Kreisel aus Aluminium und Metallen herzustellen. Die ursprünglichen Danzknöpfle sind aus Holz gefertigt und passen darum auch so gut zu dem diesjährigen Thema Zimmerhandwerk.

Gespannt erwarten die sechs Teilnehmer die Siegerehrung. Wer hat am längsten seinen Kreisel in Bewegung gehalten? Der dritte Platz geht an Paulo Grötsch: 18 Sekunden lang hat er es geschafft, sein Danzknöpfle kreiseln zu lassen. Er steigt auf das Siegertreppchen, das auf einem Ladog-Dreirad steht. Dort erhält er für seine Leistung einen bronzefarbenen Kreisel. Silber geht an David Schlenk. 1, 4 Minuten sind seine Bestzeit. Die Spannung steigt. Wer wird wohl der Gewinner sein? Der goldene Danzknopf geht an Finn Kölblin. Er hat ganze 3,2 Minuten seinen Kreisel auf dem Asphalt tanzen lassen. "Ich habe auch schon sehr lange dafür geübt", sagt er. Stolz stehen die drei auf dem Siegertreppchen.

Aber auch alle anderen Kinder können mit ihrer Leistung zufrieden sein, denn einfach ist das Schlagen der Danzknöpfle nicht. Zum Abschluss durften Paulo, David und Finn noch eine Ehrenrunde auf dem Ladog-Dreirad drehen.

Autor: Stella Kaltenbach