Der etwas andere Blickwinkel

Ronja Vattes

Von Ronja Vattes

Mi, 22. August 2018

Reise

Tipps von BZ-Redakteurinnen für die nächste Bus- und Städtereise in eine der großen Metropolen.

Städtereisen zählen zu den Klassikern unter den Busreisen. Jährlich werden nahezu alle europäischen Großstädte und Kulturstädte regelmäßig von Busreiseveranstaltern angefahren. Dabei gibt es Kurztrips genauso wie Mehrtagesreisen mit vielen Programmpunkten. Damit die Busurlauber die ein oder andere Stadt auch noch aus einem anderen Blickwinkel kennenlernen, geben BZ-Redakteurinnen ihre Geheimtipps preis.

Hamburg – eiskalt
Wer den Michel gesehen, eine Hafenrundfahrt gemacht, über die viel zu teuren Tickets für die Musicals gestöhnt und erst recht keine für die Elbphilharmonie ergattert hat, sollte sich in Hamburg dringend lockermachen und – ein Eis essen. Auch wenn das eigentlich klassischerweise die Domäne der Italiener ist, haben in der Stadt an der Elbe auch die Nordlichter bewiesen, dass sie leckeres Eis produzieren können. Im Angebot hat Eis Schmidt an seinen sechs Standorten nicht nur Sorten wie Charlie Brown, Harte Jungs, Nussknacker, 11 Freunde oder "Unter Palmen", sondern auch selbst produzierte Naschereien in Schmidts Liebesbisschen oder leckere Kuchen in Schmidts Zuckerbäckerei. Seit nunmehr elf Jahren haben sie bewiesen, wie gut Eis aus meist regionalen Zutaten schmecken kann – auch glutenfrei und vegan. Wer mit Kindern unterwegs ist und den Nachwuchs für etwas Sightseeing motivieren will, plant seine Stadttour einfach von Filiale zu Filiale – und schlendert und schlemmt sich so eiskalt durch Altona, Eppendorf, Blankenese, das Schanzenviertel, die Innenstadt und Othmarschen. Das hat zwar seinen Preis, macht aber Eltern und Kinder glücklich.
München – wohltuend

Er ist so etwas wie ein Rückzugsort mitten im hektischen Großstadtdschungel, der Dichtergarten direkt neben dem berühmten Hofgarten. Die kleine Oase mitten in München hat etwas Verwunschenes, ja fast schon Wildromantisches. Das mag vor allem daran liegen, dass er sehr naturbelassen ist. Das Gelände – mit zum Teil steilen Hängen, hohen, alten Bäumen, vielen grünen Büschen und kleinen verzweigten Wegen – ist zudem viel weniger überlaufen als andere Parks. Früher war er als Finanzgarten bekannt, da in dem nahe gelegenen Palais der Finanzminister wohnte. Später wurde er dann zum Dichtergarten umbenannt, weil dort Denkmäler für mehrere, mit München verbundene Dichter und Künstler stehen. Zum Beispiel eins für Heinrich Heine, der einige Zeit in München lebte und sich erfolglos um eine Professur bewarb. Eine andere Skulptur ist dem polnischen Komponisten Frédéric Chopin, der 1831 kurze Zeit in München weilte, gewidmet. So kunstvoll inspiriert lässt es sich aushalten an diesem besonderen Ort.
Paris – verliebt
Neben all den Sehenswürdigkeiten wie dem Louvre, dem Père Lachaise oder Sacré-Cœur liegt der Charme der Stadt für mich vor allem im beneidenswerten Savoir-vivre der Pariser. Ohne sich dessen bewusst zu sein, spielen sie ein Theaterstück für den begeisterten Besucher. Besonders gute – und kostenlose – Sitzplätze, um das Schauspiel zu beobachten, finden sich etwa im Jardin du Luxembourg. Hier treten junge Frauen in schicken Kostümen auf. Sie sehen so aus, als wären sie gerade eben noch auf einem Haute-Couture-Laufsteg stolziert. Ein Student von der nahegelegenen Sorbonne sonnt sich lässig mit einer Gauloise im Mundwinkel auf einer Bank. Dann der große Auftritt von einem älteren Herrn mit Baskenmütze, der mit seinem kleinen weißen Hündchen und einem Baguette unterm Arm stolz wie ein französischer Gockel durch den Park flaniert. Und auch der Nachwuchs ist formidable: Fein herausgeputzte Jean-Lucs und Fabiennes, die freudig-erregt den Rand des Brunnens säumen und mit kleinen Stöckchen ihre Bötchen auf dem Wasser anstupsen. Allzu gerne lasse ich mich wie eines der kleinen Boote durch Paris treiben: Hier merke ich gar nicht, dass ich mich in einer Millionenmetropole befinde, sondern fühle mich wie Amélie in ihrer fabelhaften Welt. Merci Paris, je t’aime!
Wien – schaurig
Fast 800 000 Menschen haben im vergangenen Jahr die Wiener Hofburg, den ehemaligen Sitz der Habsburger Herrscherfamilie, besucht. Pflichtprogramm! Wer aber abseits der Touristenströme den nekrophilen Hauch erleben will, der durch die österreichische Hauptstadt weht, sollte sich gegen die Kapuzinergruft entscheiden, die der kaiserlichen Familie vorbehalten war. Gruseliger wird es im Untergeschoss der Kirche St. Michael, wo die dort aufbewahrten Leichen im Luftstrom so getrocknet sind, dass die Gesichter immer noch zu erkennen sind. Im Schummerlicht tapsen die Besucher vorsichtig zwischen den Särgen herum. Andächtige Stimmung. Zur Erholung von der muffigen Michaelergruft geht es zum berühmten Zentralfriedhof, der mit Jugendstilarchitektur, Flora und Fauna, kulturhistorischen Zeugnissen und den Gräbern von Politikern, Künstlern und sonstigen Berühmtheiten aufwartet.