Offenburg

Der hohe Preis von billigen Bananen

Julia Trauden

Von Julia Trauden

Mi, 07. Februar 2018 um 14:53 Uhr

Offenburg

Wenn das Pestizid-Flugzeug kommt, sollen die Arbeiter sich verstecken: "BanaFair" macht in Offenburg auf die Ausbeutung auf Bananenplantagen aufmerksam. Die Verbraucher könnten dies leicht ändern.

Ein Kilo Bananen zum Preis von einem Euro: Mit Angeboten wie diesen werben Supermarktketten und Discounter. Möglich werden die niedrigen Preise durch die Ausbeutung der Plantagenarbeiter und Bauern in den Produktionsländern. Der Verein "BanaFair" macht sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und einen fairen Handel stark. Im Offenburger Weltladen Regentropfen war er jetzt zu Gast, um die Kampagne "Make fruit fair" vorzustellen.

Wenn das Spritzflugzeug kommt, sollen sie laufen und sich irgendwo verstecken, um nichts von den schädlichen Pestiziden abzubekommen. Ratschläge wie diese erhalten die Arbeiter auf den Bananenplantagen in Ecuador, einem der größten Bananenproduzenten weltweit. Sie sind den Schadstoffen, die die Pflanzen vor Schädlingsbefall schützen sollen, hautnah ausgesetzt. Missbildungen von Kindern und Krankheiten häuften sich in den Gebieten, wo Bananen angebaut werden, berichtet Bettina Burkert von "BanaFair" – allerdings sei es schwierig, den Zusammenhang zwischen der Krankheit und der Plantagenarbeit nachzuweisen.

DEr Billigste bekommt den Zuschlag

Die Kampagne "Make Fruit Fair", an der sich neben "BanaFair" Einrichtungen aus mehreren Ländern beteiligen, soll auf die Arbeitskonditionen in den Produktionsländern von tropischen Früchten aufmerksam machen. Mit Videoaufnahmen und anderen Berichten von Plantagen treten Mitglieder der Kampagne an Konzerne heran, die ihre Früchte von dort beziehen, und zwingen sie in die Pflicht: Um keinen Imageschaden durch die Veröffentlichung der Informationen zu erleiden, müssen sie sich für eine Verbesserung der Produktionsbedingungen einsetzen. Neben den großen Bananenkonzernen wie Chiquita sind es immer mehr auch Supermarktketten, die die Ausbeutung der Arbeiter durch ihren massiven Preisdruck bedingen. "Sie kontrollieren den Markt immer stärker", sagt Bettina Burkert. Der billigste Anbieter bekommt den Zuschlag – weniger Geld muss dafür in die Bezahlung der Erntehelfer und in den Schutz ihrer Gesundheit investiert werden. Die wenigsten Plantagenarbeiter würden nach dem nationalen Mindestlohn bezahlt, man zwinge sie in befristete Verträge, die ihnen keine Rechte gewährten, so Burkert.

Fünf Ketten teilten sich in Deutschland 90 Prozent des Marktes: Aldi, Edeka, Rewe, Metro und die Schwarz-Gruppe, zu der Kaufland und Lidl zählen. Es sei schwierig, die Supermarkt-Riesen zu einem Umdenken zu bewegen, ein solcher Prozess dauere oft mehrere Jahre, sagt Bettina Burkert.

Gewerkschafter leben gefährlich

"Wenn die Märkte nachweisen können, dass die Bedingungen auf einer Plantage in Ordnung sind, heißt das noch längst nicht, dass dies auf einer anderen auch der Fall ist", führt sie aus. "Make fruit fair" fordert deshalb ein verbindliches gesetzliches Regelwerk, das Arbeiter und Produzenten schützt. Gewerkschaften vor Ort sollen über die Einhaltung wachen.

Hier ergibt sich jedoch ein weiteres Problem: Gewerkschafter leben in Produktionsländern wie Costa Rica oder Ecuador gefährlich; nicht wenige wurden schon ermordet, weiß Bettina Burkert.

Mit ihrem Verein "BanaFair" kann sie aber immerhin schon jetzt einen konkreten, guten Beitrag für einen faireren Bananenhandel leisten. "BanaFair" unterstützt in Ecuador einen Verband von 120 Kleinbauern, die ihre Bananenplantagen ohne den Einsatz von Pestiziden kultivieren. 4000 Kartons mit jeweils 18 Kilo Bananen kauft der Verein monatlich von ihnen ein – zu einem fairen Preis. Zwei Drittel der Bananenlieferung leitet "BanaFair" an den Bio-Großhandel weiter, der Rest geht an Weltläden wie den in Offenburg. Im Weltladen Regentropfen werden sie regulär für 2,90 Euro pro Kilo verkauft.