Schulen in Freiburg

Die freie Schule Kapriole hofft auf einen Neubau in 2019

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Di, 30. Januar 2018 um 12:30 Uhr

Freiburg

Der Plan steht schon seit 2012. Jetzt hofft die freie Schule Kapriole, die stolz auf ihr demokratisches Konzept ist, dass nach langem Ringen im Sommer 2019 die Bauphase startet.

Wer hier zur Schule geht, entscheidet täglich selbst und immer wieder spontan, was er oder sie lernen will. Dass alle an der freien demokratischen Schule Kapriole ein marodes Gebäude durch einen zweistöckigen Neubau ersetzen wollen, steht aber schon seit 2012 fest. Doch es ist immer noch Geduld gefragt, bis es 2019 wahrscheinlich losgeht. Darum werden die Älteren der derzeit rund 150 Schülerinnen und Schüler, von denen sich etliche am Samstag beim Tag der offenen Tür beteiligt haben, das neue Gebäude gar nicht mehr nutzen können.

An der Kapriole entscheidet jeder eigenständig, was er lernen will

Dass Julian (14) beim Tag der offenen Tür im Einsatz sein würde, war klar: Er ist eines der Schulkiosk-Mitglieder und verkauft Bio-Chips und Getränke. Auch um die Bestellungen kümmern sich die Jugendlichen, sie geben ans Schulbüro weiter, was jeweils gebraucht wird.

Julian macht das Spaß – vor allem, dass er das Verkaufen lernt. So wie alle an der Kapriole entscheidet er eigenständig, was er lernen will. Bei Leonard (15) war das lange vor allem Mathe, weil ihm das liegt. Inzwischen macht er mehr Deutsch, womit er weniger anfangen kann – weil bald die Abschlussprüfungen für den Werkrealschulabschluss anstehen. Sind alle so vernünftig wie er und machen auch das, was sie nicht mögen, weil sie wissen, dass es nötig ist? Leonard sieht da kein Problem. Er will später das Abi machen und hängt sich rein. Bei Anne (15) würde eigentlich der Abschluss anstehen, aber sie verlängert um ein Jahr: "Ich will hier noch nicht weg", sagt sie. Sie arbeitet bei der "Personal-AG" mit, dazu kam sie bisher nie – da entscheiden die Schüler über die Auswahl ihrer Lehrer.

Viele verschiedene Interessen verzögerten den Neubau bisher

Anne und Leonard gehören zu denen, die am Tag der offenen Tür durchs Schulhaus führen, zum Beispiel in die Holzwerkstatt oder zum Raum "Kanada", wo die Plenen stattfinden, in denen Entscheidungen fallen. Irgendwann haben die Schüler beschlossen, die Räume nach Ländern zu benennen. Für Jamaika, Schweden und Griechenland sieht es schlecht aus: Sie sind in dem östlichen der drei Schulgebäude, das am marodesten ist. Es ist einstöckig und hat eine Fläche von 978 Quadratmetern. Es soll abgerissen werden, und dank der Zweistöckigkeit des Neubaus soll sich die Nutzfläche von derzeit 1369 auf 1493 Quadratmeter erweitern, zusätzlich sollen 457 Quadratmeter bisher versiegelte Fläche an den daneben gelegenen Konrad-Guenther-Park gehen.

So erläutern Susanne Tilgner, die Mutter von zwei ehemaligen Schülern und einem derzeitigen Kapriole-Kind, der Lehrer Niklas Gidion und seine Kollegin Martina Buehler die Pläne. Die haben eine lange und komplizierte Geschichte. Ursprünglich war im mittleren Gebäude die Frühförderstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) untergebracht. Genau wie die AWO entwickelte die Kapriole Baupläne. 2012 reichten die Kapriole-Vertreter einen Antrag ein, orientiert am Raumprogramm für Werkrealschulen, erzählt Susanne Tilgner. Sie fasst die Konflikte zusammen: Die städtische Umweltbehörde habe verlangt, dass das neue Gebäude näher bei der Straße sein solle. Ein Teil des alten Gebäudes wäre in Park umgewandelt worden.

Doch die Nachbarn wehrten sich dagegen, dass die Schule näher an sie heranrücken hätte sollen, und Naturschützer protestierten gegen das dann nötige Fällen alter Eichen. Viele verschiedene Interessen standen im Raum, unter anderem auch die Pläne der AWO. Deshalb setzten sich 2013/14 alle zur Mediation zusammen. Eine positive Überraschung für die Kapriole war, dass die AWO ihren Standort aufgab und der Schule das mittlere Gebäude zum Kauf überließ.

Im Sommer 2019 könnte es losgehen

Durch die Ergebnisse der Mediation seien die Konflikte gelöst, sagt Susanne Tilgner: Die Zweistöckigkeit des Neubaus biete nicht nur mehr Fläche als der Vorgänger, sondern ermögliche zusätzlich durch eine Entsiegelung eine Vergrößerung des Parks. Um die Brutzeiten der Park-Tiere nicht zu stören, werde die Bauphase auf August bis Februar begrenzt. Obwohl der Bauantrag Anfang 2017 eingereicht worden sei, warte man aber immer noch auf die Entscheidung – darum könne man nun erst im Sommer 2019 loslegen. Und auch die Finanzierung des 4,3 Millionen Euro teuren Projekts ist noch nicht komplett gesichert: Die Schulbauförderung übernehme nur zwischen 20 und 30 Prozent.

Von den angestrebten 600.000 Euro durch Direktkredite von Unterstützern wurden bisher 480.000 Euro erreicht, sagt Martina Buehler, von den angepeilten 400.000 Euro Spenden kamen nun 250.000 Euro zusammen. Für das Viertel der Lehrer und das Drittel der Eltern, die alles planen, gibt’s weiterhin genug zu tun. Auch das Schulgeld ist durch die Pläne um rund 30 Euro auf 380 Euro gestiegen. Allerdings sei wie immer garantiert, dass finanzkräftige Eltern durch höhere Beiträge weniger Privilegierte mittragen.

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