Kreis Waldshut

Der Plastik-Hirsch im Wehratal ist wieder weg

Erika Bader

Von Erika Bader

Do, 09. März 2017 um 21:07 Uhr

Wehr

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion haben Unbekannte den Plastik-Hirsch von einem Felsvorsprung im Wehratal entfernt. Die Sache bleibt mysteriös: Wer ist für das Aufstellen und den Abbau der Figur eigentlich verantwortlich?

Der Plastik-Hirsch thront nicht mehr über dem Wehratal. Wie das Regierungspräsidium auf Nachfrage der Badischen Zeitung mitteilt, wurde die Kunststoff-Figur am vergangenen Wochenende abmontiert.

Eigentlich sind der oder die Verursacher für die Abmontage verantwortlich. Da diese sich jedoch bis heute nicht gemeldet haben, liegt die Verantwortung beim Grundstückseigentümer. Der karge Felsen gehört der Forst BW. Die Forstverwaltung, die den Staatswald bewirtschaftet, hat den Hirsch allerdings nicht vom Felsen geholt.

Am Wochenende entfernt

Dass der Hirsch nicht mehr auf dem Felsen weilt, sei dem Revierleiter Johannes Behringer aufgefallen. Am Wochenende müsse die Figur entfernt worden sein, denn am Montag habe Behringer auf einer seiner Fahrten bemerkt, dass der Hirsch weg ist, wie der Forstamtsleiter Helge von Gilsa der Badischen Zeitung mitteilt. Die Forst BW wollte die Figur irgendwann nach Ostern vom Felsen holen.

"Wir hätten da wohl mit einem Spezialkran und der Feuerwehr an den Hirsch rankommen müssen", sagt Helge von Gilsa. Dass mutmaßlich dieselben Unbekannten, die den Hirsch im Frühjahr 2016 auf dem Felsen montiert hatten, diesen nun wieder heruntergeholt haben, sei eine elegante Lösung. Forst BW seien so Kosten erspart geblieben. "Das wäre teuer geworden. Bei einer Vollkostenrechnung wären wohl einige Hundert Euro zusammengekommen", sagt Helge von Gilsa.

Tabu-Zone für Plastikfiguren

Gesetzlich ist der Felsvorsprung an der Todtmooser Straße, der auch Hirschsprung genannt wird, absolutes Tabu-Gebiet für Plastikhirsche oder sonstige Gegenstände. Denn es unterliegt gleich vierfachem Naturschutz – Bannwald, FFH-Gebiet, Vogelschutzgebiet und Felsbiotop. Bauliche Maßnahmen – und dazu gehört auch der Hirsch – sind in diesem Gebiet verboten.

Bei dem Vergehen handelt es sich jedoch nicht um eine Straftat, sondern lediglich um eine Ordnungswidrigkeit. Nach dem Landeswaldgesetz könnte dafür ein Bußgeld von bis zu 2500 Euro, in besonders schweren Fällen von bis zu 10 000 Euro anfallen. "Mir sind nach dem Abbau keine bleibenden Schäden bekannt.

Im Landkreis gibt es auch keine vergleichbaren Fälle", sagt Forstamtsleiter Helge von Gilsa. Daher sei die Frage nach der Höhe der Ordnungswidrigkeit ohne weitere Abwägung nur schwer beantwortbar. Er vermutet allerdings, dass das Bußgeld mit mehreren Hundert Euro eher gering ausfallen würde.

Kein Wahrzeichen auf dem Felsen

Auf Anfrage der Badischen Zeitung, gab Bürgermeister Michael Thater an, nichts von der Sache zu wissen. Er war einer der größten Verfechter für den Wehratalhirsch. Er brachte auch den Vorschlag ein, aus dem "Plastik-Hirsch eine Hirschplastik aus Bronze" auf dem Felsvorsprung an der Wehra errichten zu wollen.

Fast ein Jahr lang thronte der braune Kunststoff-Hirsch über dem Wehratal. Und es soll nicht das erste Mal gewesen sein, dass Menschen etwas am steilen Felsen befestigen. So erinnert sich der Forstamtsleiter, dass vor etwa zwei Jahren ein beleuchteter Weihnachtsbaum samt Batterie für die Glühbirnen auf dem Vorsprung befestigt war.

Das Thema hätte damals keine großen Wellen geschlagen, erinnert sich Helge von Gilsa. Die Angelegenheit mit dem Wehratalhirsch habe jedoch ein anderes Ausmaß. "Der Hirsch hat eine andere Außenwirkung. Mir war schon zu Beginn klar, dass der Hirsch gegen sämtliche Vorschriften verstößt", so Helge von Gilsa.

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