Interview

Der Produzent des Lörrach-Films erzählt, was er über die Region gelernt hat

Dorothee Soboll

Von Dorothee Soboll

Do, 15. November 2018 um 18:00 Uhr

Lörrach

Bald ist es soweit: Der Lörrach-Film mit historischen Aufnahmen unserer Leser läuft am 25. November im Kino. Ein Interview mit Matthias Kirchhoff, der den Film für die BZ produziert.

Bald ist es soweit: Der Lörrach-Film mit historischen Aufnahmen aus der Stadt und der Region ist fast fertig. Er wird am 25. November im Cineplex in Lörrach gezeigt. Matthias Kirchhoff hat mit seinem Unternehmen aidea hosting den Film produziert und Dorothee Soboll erzählt, was ihn besonders beeindruckt hat und wie er auf die Idee kam, solche Filme in Zusammenarbeit mit Tageszeitungen zu erstellen.

Video: Der Trailer für den Lörrach-Film



BZ: Herr Kirchhoff, in gut einer Woche läuft der Film im hiesigen Kino. Wie ist der Stand?

Kirchhoff: Die DVD ist abgenommen, die Daten sind beim Presswerk. Der Film soll am Donnerstag in Lörrach ankommen.

BZ: Was haben Sie bei dem Projekt über Lörrach und die Region gelernt?

Kirchhoff: Einen zauberhaften Dialekt. Ich liebe Dialekte, ob Norden, Süden, Osten oder Westen. Dialekte geben mir ein besseres Gefühl für die Gruppe von Menschen, mit denen ich es zu tun habe. Dieser ist ruhig, herzlich und warm. Das hat mir viel Freude gemacht. Bei den Interviews selbst habe ich manchmal zwar genickt, musste aber dann doch noch ein-, zweimal reinhören, um alles zu verstehen. Wo der Film hauptsächlich geschaut wird, ist man des Dialektes mächtig und braucht nur einmal hinzuhören.

"Die Bedeutung, die ein solcher Film hat, kann man gar nicht hoch genug einschätzen." Matthias Kirchhoff, Produzent
BZ: Welche Aufnahmen sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Kirchhoff: Es sind immer die alten Aufnahmen, die hervorstechen. Man sieht Menschen in Kleidung, mit Fahrzeugen und einem Benehmen, wie man es nur früher kannte. Um 1925 war es ja noch nicht gängig, dass man Dokumentationen über das eigene Arbeiten gemacht hat oder über die Gewerbe- oder Landwirtschaftsausstellung. Die Bedeutung, die ein solcher Film hat, kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Das ist ein Stück Zeitgeschichte. Man sieht, wie die Menschen sich bewegt haben, wie sie zueinander standen, wofür sie sich begeistert haben. Egal, wo ich das mache, finde ich es beeindruckend zu sehen, wie sich Menschen zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Orten gegenüber Menschen mit Kameras bewegt haben.

BZ: Was hat Sie inhaltlich überrascht?

Kirchhoff: Ich kenne mich mit der Fasnacht nicht gut aus und hätte nicht gedacht, dass sie im Badischen so eine große Rolle spielt.

BZ: Sie produzieren solche Filme seit mehreren Jahren. Was hat Sie damals dazu gebracht?

Kirchhoff: Ich habe früher fürs Fernsehen gearbeitet und in meiner Stammkneipe in Marburg Leute getroffen, die sich für die Stadtgeschichte interessieren. Sie schlugen vor, dass ich meine Beiträge aus all den Jahren zusammenstellen soll. Das ging leider nicht so einfach, da ich freier Journalist war und die Rechte an den Sender abgetreten hatte. Zeitgleich feierten meine Eltern ihre Goldene Hochzeit. Mein Bruder hatte die Silberne Hochzeit gefilmt, aber der Projektor war kaputt. Also habe ich die Aufnahmen digitalisiert und eine DVD damit erstellt. So hatte ich eine Idee, wie das sein könnte. Zudem kannte ich schon länger den späteren Chefredakteur der Lokalzeitung in Marburg. So kamen wir auf das Konzept, über die Zeitung die Leser aufzurufen, Material einzusenden. Um die Technik habe ich mich gekümmert. Das Projekt kam so gut an, dass wir letztlich drei DVDs daraus gemacht haben, die sich hervorragend verkauft haben.

BZ: Das hoffen wir natürlich auch. Wie viel Material haben sie gesammelt?

Kirchhoff: So viel, dass wir einen Film mit einer Länge von 95 Minuten plus Abspann herausbekommen haben – und noch Material übrig ist. Für einen zweiten Film reicht es aber nicht. Ich habe allerdings noch Aufnahmen auf 16 Millimeter-Film bekommen, die ich aktuell wegen eines defekten Projektors nicht abspielen kann. In so einem Fall oder bei sehr ungewöhnlichen Formaten weiche ich aus auf Projektoren, die im Kameramuseum in Marburg stehen. Dort gibt es auch große Schneidetische für 16 und 35 Millimeter oder mal eine Klebepresse für einen seltenen Film.

BZ: In diesen Film kommt das Material aber nicht mehr, oder?

Kirchhoff: Nein, aber ich weiß, was drauf ist: 1951, Hebeltag.

"Wir bräuchten schon einen solventen Förderer, dem bewegte Stadtgeschichte einen fünfstelligen Betrag wert ist." Matthias Kirchhoff
BZ: Es gibt sicher noch mehr Material, das in irgendwelchen Kellern oder auf Speichern herumliegt …

Kirchhoff: … oder im Haus des Dokumentarfilms. Leider dürfen die Filmgeber ihre Aufnahmen, die dort digitalisiert wurden, nur noch privat vorführen. Für solch ein Projekt wie "Lörrach in historischen Bildern" ist das nur dann der Fall, wenn man die Minuten zu üblichen Preisen plus Mehrwertsteuer erwirbt. Das ist theoretisch leistbar, aber wir bräuchten schon einen solventen Förderer, dem bewegte Stadtgeschichte einen fünfstelligen Betrag wert ist.

BZ: Wissen Sie von solchen Aufnahmen aus der Lörracher Gegend?

Kirchhoff: Ja, Klaus Breitenfeld hat noch Sequenzen aus den 1930er-Jahren, die ich für den Film nicht verwenden darf. Die gucke ich mir deswegen gar nicht erst an, weil ich sonst nur eine lange Zunge bekommen würde.
Matthias Kirchhoff

Der 54-Jährige hat lange als freier Journalist für öffentlich-rechtliche Fernsehanstalten gearbeitet. Seit mehr als zehn Jahren produziert er Filme über Stadtgeschichte.

Der Lörrach-Film

Der Film wird am Sonntag, 25. November, 11 Uhr, im Cineplex am Lörracher Marktplatz gezeigt. Einlass ist ab 10.30 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro pro Person, inklusive einem Glas Sekt. Die DVD ist vor Ort und ab dem 26. November in allen BZ-Geschäftsstellen im Kreis erhältlich. Sie kostet 18,90 Euro (BZ-Card: 16,90 Euro).