Kaderplanung

Der SC Freiburg hat drei Transfer-Prioritäten

Toni Nachbar

Von Toni Nachbar

So, 20. Mai 2018 um 00:25 Uhr

SC Freiburg

Der Sonntag Nach dem erfolgreichen Klassenerhalt puzzelt der SC nun seinen Kader zusammen. Man sucht Innenverteidiger und Flügelspieler. Mit dem Verkauf des türkischen Nationalspielers Caglar Söyüncü rechnet man.

Es kommen nun die Wochen der Wasserstandsmeldungen, der Gerüchte und Dementis. Die Fußball-Bundesliga ist in der Sommerpause, die Klubs puzzeln ihre künftigen Kader. Der Sportdirektor des SC Freiburg, Klemens Hartenbach, spricht über gelöste Fälle und Prioritäten bei Neuverpflichtungen.

Nach dem geglückten Klassenerhalt sind Trainerstab und Spieler des SC Freiburg längst im Urlaub. Während Sportvorstand Jochen Saier die U-19-Mannschaft zum DFB-Pokalfinale nach Berlin begleitete, hielt an der Schwarzwaldstraße Sportdirektor Klemens Hartenbach die Stellung. "Sie stören schon ein bisschen", sagte er am Telefon. Für ihn folgen nun tatsächlich die stressigsten Wochen.

Die Mannschaft braucht eine neue Besetzung an den Flügeln

"In einer Transferperiode kann viel passieren", sagt Hartenbach, "aber grundsätzlich müssen wir unbedingt einen Innenverteidiger und zwei Spieler für die offensiven Außenbahnen holen." In der Abwehr hat der Sportclub in Marc Oliver Kempf einen wichtigen Spieler verloren, der Ex-Frankfurter unterschrieb bereits am Montag einen Vertrag bis 2022 beim VfB Stuttgart.

Hinzu kommt nicht nur, dass der kaum eingesetzte Georg Niedermaier vertraglos Freiburg verlässt, sondern auch mit einem Verkauf des türkischen Nationalspielers Caglar Söyüncü gerechnet werden muss. Die SC-Verantwortlichen haben längst aufgehört, das Interesse potenter ausländischer Klubs zu dementieren, ein Transfer des jungen Innenverteidigers bei entsprechend hohem Angebot ist ein Gebot der wirtschaftlichen Vernunft: "Es ist zwar nicht so, dass wir Caglar unbedingt verkaufen müssen. Aber wenn ein Transfer uns neue Spielräume bietet . . .", sagt Hartenbach.

Dass der SC Freiburg in der abgelaufenen Saison spielerisch vieles zu wünschen übrig ließ, ist auch damit erklärbar, wie wenig optimal die Mannschaft auf den "Flügeln" besetzt war: Die als Hoffnungsträger verpflichteten Yoric Ravet und Bartosz Kapustka konnten sich aus unterschiedlichen Gründen nicht zu Leistungsträgern entwickeln.

"Bei Bartosz tut es mir im Herzen weh, wir haben uns mit einer Träne in den Augen verabschiedet", gesteht Hartenbach. Der polnische Nationalspieler – Leihgabe vom englischen Erstligisten Leicester City – hätte nach einer Spielzeit mit sehr wenigen Einsätzen auf der Insel ein Umfeld gebraucht, das ihn Schritt für Schritt an die bei der Europameisterschaft 2016 gezeigten Leistungsstärke heranführt. Doch das war bei einem Sportclub im Abstiegskampf nicht gegeben. In der Not musste Streich auf Spieler bauen, die helfen konnten, den Karren irgendwie aus dem Dreck zu hieven, während "Bartek", den sie ansonsten beim SC sehr schätzten, selbst noch hätte mitgezogen werden müssen.

Kapustka ist auch zu teuer

Während der Rückrunde wollte SC-Trainer Streich eine längerfristige Verpflichtung des ausgeliehenen Krakauers nicht komplett ausschließen. Doch nach einem zweiten sportlich nicht zufriedenstellenden Jahr und angesichts der von den Engländern geforderten doch recht hohen Ablösesumme entschied man sich zur Trennung von Kapustka. Wie lange es dauern wird, bis Hartenbach nun auf dem Transfermarkt einen Ersatz findet, weiß nicht mal der SC-Sportdirektor. Dass Streich am liebsten alle Neuen am ersten Trainingstag kennenlernen möchte, ahnt mittlerweile jeder SC-Anhänger.

Ein Neuer immerhin steht fest: Vom MSV Duisburg hat der Sportclub Mark Flekken verpflichtet. Zuvor spielte der 24-jährige Niederländer bei der SpVgg Greuther Fürth, Alemannia Aachen und Roda Kerkrade. "Wir beobachten Mark schon lange, wir sind uns sicher, dass er in unser Torhüterteam passt und eine echte Verstärkung darstellt", sagt Hartenbach. Da aus der eigenen Talentschmiede auch Nachwuchs-Torhüter Constantin Frommann in den Kader der ersten Mannschaft aufrückt, gilt es somit als sicher, dass von den Ersatzleuten des bisherigen Stammtorhüters Alexander Schwolow nicht nur Patric Klandt (ablösefrei) sondern auch Rafal Gikiewicz (noch ein Jahr Vertrag) den Sportclub verlassen wird.

Übrigens: Bis zum 31. August befindet sich selbstverständlich nicht nur der SC Freiburg auf Spielersuche. Und es braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, wie vielen Klubs längst SC-Profis wie Schwolow, Christian Günter oder Janik Haberer aufgefallen sind. Diesbezüglich gibt sich Hartenbach dennoch gelassen: "Mit diesen Spielern haben wir Gespräche geführt, bei denen nicht der Eindruck entstehen konnte, sie wünschten es sich, uns zu verlassen."