Einige Pendler kriegen Geld

Jens Schmitz und dpa

Von Jens Schmitz & dpa

Mi, 23. August 2017

Südwest

Nach der Gleisabsenkung bei Rastatt verspricht die Bahn ihren Kunden, Kulanz zu zeigen.

KARLSRUHE. Ursprünglich hatte die Deutsche Bahn gehofft, den Schaden an der Tunnelbaustelle im Rastatter Ortsteil Niederbühl bis zum 26. August zu beheben. Jetzt aber sagt Klaus Pöllath von der Arbeitsgemeinschaft Tunnel Rastatt: "Die Rheintalstrecke wird voraussichtlich ab dem 7. Oktober 2017 um 0 Uhr wieder befahrbar sein." Laut der Bahn könnten einige Kunden Entschädigungen bekommen.

Zu den Ursachen des Einbruchs von Wasser und Erde sowie der Absenkung der Gleise am 12. August wollten die Verantwortlichen auch am Dienstag keine Aussagen treffen, da es hierzu keine Erkenntnisse gebe. Die Auswertung der Überwachungssysteme habe aber gezeigt, dass zu keiner Zeit Gefahr für Menschen oder Güter bestanden habe. Auch wie die Bahn später mit dem Bau des Tunnels fortfahren will, der gerade zu einem nicht unbeträchtlichen Teil zubetoniert wird, sei nicht endgültig entschieden, erklärte Pöllath.

Nach der Gleisverwerfung am 12. August hatte sich der Zustand einige Tage später, am 14. und 15. August, wohl noch verschlimmert. Um die Trasse nicht weiter zu gefährden, hatten die Bahn und die Firmen der Arbeitsgemeinschaft Tunnel Rastatt (Arge) daraufhin beschlossen, den schadhaften, 160 Meter langen Tunnelabschnitt wieder mit Beton zu verfüllen. 70 Prozent dieser Arbeit seien am Dienstagmittag abgeschlossen gewesen. Die 18 Millionen Euro teure Tunnelbohrmaschine, die mit einbetoniert wird, ist nicht mehr zu retten. Um dauerhaft Stabilität zu gewährleisten, will die Bahn die Rheintalstrecke zunächst über der Absenkung demontieren. In den nächsten Wochen soll nun eine rund 120 Meter lange und 15 Meter breite, stark bewehrte Betonplatte aufgebracht werden, über der dann das Gleisbett wieder installiert wird.

Mit dem Karlsruher Verkehrsverbund einigte sich die Bahn, deren Zeitkarten-Kunden für die Dauer der Sperrung eine 50-prozentige Entschädigung anzubieten. Fernverkehrskunden mit Wohnorten in der betroffenen Region will die Bahn selbst kontaktieren, andere können sich an eine Servicenummer wenden.

Von nun an soll der Fahrplan schrittweise aktualisiert werden, bis dahin gekaufte Tickets werden auf Umleitungsstrecken und im Schienenersatzverkehr anerkannt. Eventuelle Zugbindungen sind aufgehoben. Davor gekaufte Fahrkarten können kostenfrei umgetauscht oder zurückgegeben werden.

Seit dem 13. August fahren zwischen Rastatt und Baden-Baden im Schnitt alle fünf bis zehn Minuten Ersatzbusse. Dirk Rompf, Vorstand für Netzplanung und Großprojekte bei der DB, kündigte an, diese Kapazitäten nach dem Ende der Schulferien mindestens zu halten. Nichtsdestotrotz müssen Fahrgäste mit Reisezeitverlängerungen von einer Stunde rechnen – unter Umständen auch mehr.

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) kritisierte das Krisenmanagement der Bahn. "Die Bahn ist einfach in der Kommunikation zu langsam. Da sind sie noch der alte Staatsbetrieb", sagte er Mannheimer Morgen und Heilbronner Stimme.

Info: Pendler können sich im Abocenter Tel. 01806011066 oder beim Comfort-Service melden (mit Bahncard 100).