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11. März 2009 17:44 Uhr

Deutsches Waffenrecht

45 Millionen Waffen sind im Umlauf

Statistisch müsste jeder zweite Deutsche eine Waffe besitzen. 45 Millionen Waffen sind im Umlauf, schätzt das Bundesinnenministerium. Fast die Hälfte davon wurde illegal beschafft.

  1. Wer in Deutschland eine Waffe legal besitzen möchte, muss einige Hürden überwinden. Denn das deutsche Waffenrecht ist streng. Foto: dinostock

BERLIN. Exakte Zahlen kennt aber keiner. Dennoch sind nur bei 0,3 Prozent aller Straftaten Schusswaffen im Spiel. Das sind aber immerhin 20 000 Fälle im Jahr. 2007 wurde laut Bundeskriminalamt bei 4558 Straftaten tatsächlich auch geschossen. Die Zahl ist leicht rückläufig. Legale Waffen spielten bei Verbrechen so gut wie keine Rolle, hatte der Bremer Rechtspsychologe Dietmar Heubrock 2008 bei einer Anhörung vor dem Innenausschuss des Deutschen Bundestages erklärt.

In Deutschland ist der Besitz einer Waffe an vergleichsweise strenge Auflagen geknüpft. 560 Behörden sind damit beschäftigt, den Waffenbesitz zu bewilligen und zu registrieren. Anderthalb Millionen Sportschützen und 400.000 Jäger besitzen legal eine Schusswaffe. Dazu kommen 300.000 Sammler und 900.000 Menschen, die eine Büchse oder vergleichbar gefährliche Gerätschaften geerbt habe. Voraussetzungen für den Waffenbesitz und Auflagen sind im Waffengesetz und in einer speziellen Verwaltungsvorschrift geregelt. Nach dem Amoklauf von Erfurt wurde das Waffengesetz 2002 in mehreren Punkten verschärft.

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Pumpguns verboten

Unter anderem wurde die Altersgrenze für Waffenerwerb und -besitz von 18 auf 21 Jahre heraufgesetzt. So genannte Pumpguns wurden verboten. Beschlossen wurde damals auch, dass Personen unter 25 Jahren ein ärztliches oder psychologisches Gutachten über ihre geistige Eignung vorlegen müssen, bevor sie ihre erste erlaubnispflichtige Schusswaffe kaufen. Wer zum legalen Erwerb einer Waffe alt genug ist, kann sich nicht einfach im Internet ein Gewehr oder eine Pistole bestellen. Er braucht eine Genehmigung: den so genannten Waffenschein oder eine Waffenbesitzkarte.

Der Waffenschein ist an besonders strikte Auflagen geknüpft. Normalerweise wird er nur für Polizisten, Personenschützern oder Förstern ausgestellt. Wer ihn hat, darf auch in der Öffentlichkeit eine schussbereite Waffe tragen. Inhaber einer Waffenbesitzkarte dürfen ihre Waffen bloß bei der Jagd oder auf dem Schießstand benutzen. Der Transport ist nur in ungeladenem Zustand und in einem verschlossenen Koffer erlaubt. Wer legal eine Waffe kaufen will, muss dies beim Ordnungsamt oder beim Landratsamt beantragen. Bevor er eine Lizenz erhält, muss er eine Sachkundeprüfung absolvieren, zudem wird seine Zuverlässigkeit kontrolliert.

Umfangreiche Anforderungen

Dazu genügt es nicht, ein normales Führungszeugnis vorzulegen. Die Anforderungen sind wesentlich umfangreicher. Jäger brauchen eine grüne Waffenbesitzkarte, Sportschützen eine gelbe. Schützen dürfen auch großkalibrige Waffen besitzen. Falls sie jedoch unter 25 sind, wird ein psychologisches Gutachten verlangt. Jeder Sportschütze muss ein "berechtigtes Bedürfnis" nachweisen, wenn er legal eine Waffe kauft. Dazu benötigt er die Bescheinigung eines Schützenvereins. Eignung und Bedürftigkeit werden alle drei Jahre neu überprüft.

Die Anzahl der Waffen, die ein Schütze in seinem Besitz führt, ist nicht beschränkt. Jeder darf aber nur zwei Waffen im Halbjahr kaufen. Der Erwerb muss innerhalb von 14 Tagen angemeldet werden. Wer als Sportschütze mehr als drei halbautomatischen Langwaffen und mehr als zwei mehrschüssige Kurzwaffen besitzt, braucht ein besonderes Dokument des Schießsportverbandes, das glaubhaft belegt, wozu er sie braucht. Detaillierte Vorschriften gibt es auch für die Aufbewahrung von Waffen und Munition. Sportschützen brauchen dazu einen Tresor, dessen Beschaffenheit eine DIN-Norm regelt. Dieser Tresor muss stets verriegelt sein. Munition darf nur in einer abschließbaren Box aus Stahlblech deponiert werden. Verstöße gegen das Waffengesetz werden mit Bußgeld bis 10000 Euro geahndet.

Autor: Armin Käfer