Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

28. Dezember 2010 00:01 Uhr

Cyberattacken

Abwehrzentrale fürs Internet

Der Verfassungsschutz schlägt Alarm. Seit dem Jahr 2005 werden auf breiter Basis elektronische Angriffe auf Behörden und Unternehmen in Deutschland erkannt. Die Regierung plant ein nationales Cyberabwehrzentrum.

  1. Informationen sind die Währung des Internetzeitalters. Das lockt ganz reale Spione an. Foto: sk_design/Fotolia

2011 werden dafür die Weichen gestellt. Nach Auskunft des Innenministeriums wurden 2009 insgesamt 900 Hackerattacken auf deutsche Behördencomputer registriert. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres seien es schon 1600 gewesen, berichtete Stefan Paris, Sprecher des Bundesinnenministers. Die meisten der virtuellen Spionageangriffe seien "Stellen in der Volksrepublik China" zuzuordnen. Es sei "ein stattlicher Anteil, der diese Anschrift trägt", so Paris. Die Dunkelziffer ist bei solchen Delikten nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes sehr hoch.

Worauf es die chinesischen Hacker konkret abgesehen haben, wollte das Innenministerium nicht genauer beschreiben. Insgesamt handle es sich bei der gegen Behördennetzwerke gerichteten Computerspionage um den "Versuch, Know-how abzuziehen", so Stefan Paris. Ironisch fügte er hinzu: "Inwieweit die es auch auf den Speiseplan des Bundeskanzleramts abgesehen haben, ist mir nicht bekannt."

Das Bundesamt für Verfassungsschutz berichtet: "Die bei den ausgewählten Zielen zu erlangenden Informationen sind insbesondere für staatliche Stellen von Interesse. Deshalb wird diesen Angriffen eindeutig eine Spionageabsicht unterstellt." Die Angriffe via Internet erfolgten mit E-Mails, deren Anhänge ein Schadensprogramm enthalten. Dieses installiere sich unbemerkt auf dem attackierten Computer und versuche dann eine Verbindung zu Computern in China aufzubauen, von denen weitere Befehlsketten nachgeladen werden. Dabei könne es sich um Anweisungen zum Datendiebstahl oder auch zur Zerstörung der auf dem attackierten Computer gespeicherten Informationen handeln. Laut Verfassungsschutz "verfeinern die für die elektronischen Angriffe verantwortlichen Stellen in China ihre Attacken technisch immer weiter, offenbar mit dem Ziel, deren Ursprung besser zu verschleiern".

Werbung


Die Bundesregierung will sich gegen solche Angriffe aus dem Internet besser wappnen. Zu diesem Zweck ist laut Innenministerium ein nationales Cyberabwehrzentrum geplant. Dies sei keine neue Behörde. Es gehe vielmehr um einen Zusammenschluss vorhandenen Wissens, so Paris. Das Abwehrzentrum existiere demnach im Wesentlichen virtuell.

Vorgesehen sei, die Antihackerzentrale beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik in Bonn anzusiedeln. Auch der Verfassungsschutz, das Bundeskriminalamt, der Bundesnachrichtendienst und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sollen mit der neuen Institution eng vernetzt werden. EU-Industriekommissar Antonio Tajani hat sich am Montag für eine neue Behörde ausgesprochen, die europäische Unternehmen besser gegen chinesische Spionage schützen soll.

Autor: Armin Käfer