"Die Imitation hilft uns nicht weiter"

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Von dpa

So, 29. Juli 2018

Deutschland

Der Sonntag Andrea Nahles will sich von den Grünen abgrenzen.

Berlin (dpa). Die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles fordert von ihrer Partei eine stärkere Abgrenzung gegenüber den Grünen. "Die Imitation der Grünen hilft uns nicht weiter", sagte Nahles dem Münchner Merkur . Das gelte auch für die Asylpolitik, in der die Grünen eine einfache Position einnähmen. "Unser Kurs ist differenzierter, aber dafür realistisch", betonte die Parteichefin. Nahles plädierte für einen "Realismus ohne Ressentiments" und kritisierte die Weigerung der Grünen, mehr sichere Herkunftsländer auszuweisen, als "schweren Fehler".

Im aktuellen "Deutschlandtrend" der ARD kommen die Grünen auf 15 Prozent und laut Sender auf den höchsten Wert seit fünf Jahren. Die SPD ist mit 18 Prozent nur wenig stärker. Zwar haben sich die Sozialdemokraten in Umfragen zuletzt stabilisiert. "Ich bin noch nicht zufrieden", sagte Nahles dazu. Die 48-Jährige ist am kommenden Dienstag 100 Tage Parteichefin.

Von den beiden Parteiflügeln bekam Nahles Rückendeckung. "Andrea Nahles zeigt einen irrsinnigen Einsatz", sagte Juso-Chef Kevin Kühnert den Zeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft . "Sie nimmt sich wahnsinnig viel Zeit für Rücksprachen, ruft auch früh morgens oder spät abends noch einmal an." Bei der Erneuerung der Partei müssten auch die Mitglieder mitziehen, einige machten es sich zu bequem. "Da hat Nahles eine Motivationsaufgabe", sagte Kühnert. Auch Johannes Kahrs lobte: "Sie hält den Laden zusammen. Sie führt."

Auf keinen Flügel verzichten

Nahles betonte: "Die SPD fliegt nur mit zwei Flügeln." Sie wolle auf keinen verzichten. Mit Blick auf Kühnert sagte sie, er habe die Jusos stärker gemacht. "Für die Parteivorsitzende mag das nicht immer angenehm sein, aber für die Partei sind die Jusos die Lebensader."

Angesichts schwacher Umfragewerte für Union und SPD sieht der Parteienforscher Karsten Grabow das alte Parteiensystem im Umbruch. "Es ist an der Zeit, sich vom klassischen System mit zwei großen Parteien zu verabschieden", sagte der Leiter der Arbeitsgruppe Parteienforschung bei der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Eine große Koalition sei nicht mehr der Rettungsanker, um doch noch eine Regierung zu bilden. Es werde viele neue Regierungsmodelle geben. In den Bundesländern erlebe man bereits neuartige Zweier- und Dreierkoalitionen.