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23. Januar 2010
Ein Soldat mit Führungserfahrung und Bodenhaftung
Mit Volker Wieker wird einer aus der Generation der Soldaten mit Auslandserfahrung neuer Generalinspekteur der Bundeswehr / "Aufrichtiger Berater der Politik"
Einen so großen Bahnhof kriegt nicht jeder Soldat, auch nicht wenn er längst goldene Sterne auf der Schulter trägt und schon lange ganz weit oben in der Hierarchie der Bundeswehr angekommen ist. Doch bei der Amtseinführung des neuen Generalinspekteurs Volker Wieker (55) schultern nicht nur Soldaten des Wachbataillons die Gewehre oder halten ihre Fackeln still in die eisige Nachtluft. Ihm erweist auch viel amtierende und ehemalige Regierungsprominenz die Ehre.
Umweltminister Norbert Röttgen gehört dazu, Gesundheitsminister Philipp Rösler, Regierungssprecher Ulrich Wilhelm, die ehemaligen Verteidigungsminister Franz Josef Jung und Volker Rühe, jede Menge Staatssekretäre und Abgeordnete. Es ist eben so, wie Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gleich zu Beginn seiner Begrüßungsrede sagt: dass Amtswechsel bei der Bundeswehr zwar zum Alltag gehören und doch nie Routine sind – schon gar nicht gilt das für den neuen ersten Mann in der Truppe. Und es gilt erst recht nicht nach der langen, von der nachrückenden Alterskohorte in der Generalität zum Teil fast schon als biblisch empfundenen siebenjährigen Amtszeit seines Vorgängers Wolfgang Schneiderhan. Dieser räumte erst das höchste Militäramt, das die Bundesregierung zu vergeben hat, als ihn die Turbulenzen über das Bombardement von Kundus dazu zwangen.
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Mit Volker Wieker – der gebürtige Delmenhorster ist seit 35 Jahren Soldat, verheiratet und hat zwei Kinder – beginnt eine neue Ära. Das hat für seinen Dienstherrn, wie Minister Guttenberg sorgfältig herausstrich, auch höchste Priorität. "Bei Ihnen weiß ich meinen Anspruch auf Klarheit und Wahrheit erfüllt", sagte Guttenberg. Ein nicht zu überhörender Seitenhieb auf Wiekers Vorgänger. "Sie haben meine volle Unterstützung und mein volles Vertrauen."
Wenn Wieker aus der zweiten Reihe an die Spitze der Truppe tritt, ändert sich weit mehr, als dass der ranghöchste Soldat jetzt das rote Barett der Artillerie trägt, wo zu seinem Vorgänger die schwarze Mütze der Panzertruppe gehörte. Wieker eilt der Ruf voraus, kein Militärpolitiker sondern Troupier mit Führungserfahrung und Bodenhaftung zu sein. Den Generalstabslehrgang hat er als Jahrgangsbester abgeschlossen. Auch Guttenberg bescheinigte ihm, das Militärhandwerk von der Pike auf gelernt zu haben.
Was Volker Wieker von allen 14 Vorgängern im Amt des Generalinspekteurs unterscheidet, ist seine Einsatzerfahrung. Mit ihm tritt erstmals die Generation von Offizieren an die Spitze, die in der Zeit der Auslandsmissionen der Bundeswehr ihre prägenden Erfahrungen gemacht hat. Wieker hat in Bosnien, im Kosovo und zuletzt als Stabschef der Isaf-Truppen in Afghanistan Verantwortung getragen. Er muss nach dem Willen Guttenbergs nun die Wehrdienstverkürzung organisieren, die Führungsetagen der Truppe straffen und die Strukturen noch stärker an den Erfordernissen der Einsätze ausrichten.
Zwar bekannte Volker Wieker, sich wegen des "fliegenden Wechsels" von Kabul nach Berlin nur sporadisch auf das neue Amt vorbereitet zu haben, doch einige Akzente hat er in seiner Antrittsrede durchaus gesetzt. Zum einen betonte er, dass sich die "nachhaltige Legitimation von Streitkräften weniger auf Paragrafen mit Verfassungsrang als auf die Akzeptanz der Bundeswehr in der Bevölkerung" stütze. Zum anderen kritisierte er, dass die Medien den Risiken des Soldatenberufs im Ausland nicht immer gerecht würden. Der Politik will er stets ein "aufrichtiger Berater" sein und durch eine "Kultur der Transparenz" Vertrauen gewinnen, versprach der Offizier.
Das ist vor dem Hintergrund des Kundus-Untersuchungsausschusses ein ehrgeiziges Vorhaben. Überhaupt hat Wieker gleich zu spüren bekommen, dass auch eine neue Ära schon eine Vergangenheit hat. Ob es zum Auftrag der Bundeswehr gehöre, Gegner zu vernichten, ist eine der ersten Fragen, die ihm im neuen Amt gestellt werden. "Das ist natürlich nicht der Auftrag der Bundeswehr in Afghanistan", betont er. Im Gegenteil sei der Schutz der Bevölkerung die zentrale Aufgabe der Isaf-Truppen.
Autor: Bärbel Krauss
