Gauland bedauert Brexit

Roland Pichler

Von Roland Pichler

Sa, 25. Juni 2016

Deutschland

Die Anti-Europa-Partei AfD ist nicht einig über das Resultat.

BERLIN. Einig ist sich die Alternative für Deutschland (AfD) darin, wer schuld am Brexit ist. "Frau Merkel hat mit ihren offenen Grenzen die Briten aus Europa vertrieben", sagte der Bundesvize Alexander Gauland zur Entscheidung in Großbritannien. Bei einer Pressekonferenz in Berlin wollte ursprünglich der Bundesvorsitzende Jörg Meuthen auftreten, doch er musste aus familiären Gründen in letzter Minute absagen. Aus Gaulands Sicht ist bei der Abstimmung die "ungeregelte Zuwanderung" nach Großbritannien ausschlaggebend gewesen.

Doch Jubel bricht bei Gauland nicht aus. Wer erwartet hat, dass alle in der Partei den EU-Ausstieg eines Landes zum Vorbild stilisieren, wird eines Besseren belehrt. "Ich bedauere den Schritt Großbritanniens", sagt Gauland. Er finde zwar gut, dass die Briten in einer Volksabstimmung die Möglichkeit gehabt hätten, über diese Frage abzustimmen. Mit dem Ergebnis ist Gauland aber nicht glücklich. Großbritannien habe viel für Europa geleistet und sei als pragmatisches Land wichtig gewesen, um Veränderungen in der Union einzuleiten.

Gauland will nicht einstimmen in den Chor von Parteifreunden, die weitere Referenden verlangen. Für Deutschland sei das keine gute Idee. Das sehen einige Landeschefs in der AfD ganz anders. Der nationalkonservative thüringische Fraktionsvorsitzende Björn Höcke forderte einen Volksentscheid über den Verbleib Deutschlands in der EU. Er sei sich sicher, dass die Mehrheit des deutschen Volkes aus der "EU-Sklaverei" raus wolle. Auch die stellvertretende Bundesvorsitzende Beatrix von Storch teilt Gaulands Nachdenklichkeit nicht. "Ich habe geweint vor Freude", erklärte sie im Fernsehen.

Ob Gauland für die Bundespartei spricht, bleibt offen. Er räumte ein, dass sich die anwesenden Vorstandsmitglieder mit der Bundesvorsitzenden Frauke Petry nicht abgestimmt hatten. Petry, die im Clinch mit dem AfD-Kovorsitzenden Meuthen liegt, nahm an der Pressekonferenz nicht teil. Sie sagte später, das "quasi-sozialistische Experiment der vertieften politischen Integration" in Europa müsse beendet werden.