Strafanzeigen

Hackerangriff auf deutsche Politiker: LKA Sachsen-Anhalt hatte Ermittlungen in dem Fall bereits eingestellt

Daniel Laufer und dpa

Von Daniel Laufer & dpa

Fr, 04. Januar 2019 um 21:36 Uhr

Deutschland

Ein Unbekannter hat Daten von Hunderten Personen des öffentlichen Lebens gestohlen und sie ins Netz gestellt. Mindestens zwei Bundestagsabgeordnete hatten die Angriffe schon im August gemeldet. Eine Landtagsabgeordnete schaltete nach einem Hack im Oktober die Stuttgarter Kriminalpolizei ein.

Ein großangelegter Datenklau hat die Politik in Deutschland aufgeschreckt. Über ein Twitter-Konto veröffentlichte ein bisher Unbekannter persönliche Daten von Hunderten Politikern, aber auch von Künstlern und Moderatoren. Die meisten Informationen stellte er im Dezember 2018 ins Netz.

Seit spätestens Anfang April hat der bislang unbekannte Angreifer offenbar Daten gesammelt, ist in Nutzerkonten bei E-Mail-Anbietern oder Speicherdiensten wie Dropbox eingedrungen. In vielen Fällen sind auch die Facebook-Konten der Politiker betroffen. Hatte der Hacker erst einmal Zugang zu diesen, hatte er leichtes Spiel. Er nutzte eine Facebook-Funktion, mit der jeder Nutzer alle seine gespeicherten Daten herunterladen kann, darunter alle jemals versendeten und empfangenen Nachrichten sowie veröffentlichte Fotos und Videos.

Ein Youtuber gibt an, den Täter zu kennen

Der Youtuber und Journalist Tomasz Niemiec hatte nach eigenen Angaben noch am Freitagvormittag Kontakt zu dem Angreifer, der sich bei Twitter "_0rbit" nannte. Niemiec sagte der BZ, es handele sich um einen Deutschen, der verschiedene Pseudonyme genutzt habe. Er habe ihn vor einigen Jahren im Netz über einen Freund kennengelernt, als er die Youtube-Hacking-Szene beobachtet habe.

"In einschlägigen Kreisen, die allerdings selbst eher politisch uninteressiert sind, spricht man davon, dass er relativ rechts sein soll", so Niemiec. Er selbst habe sich eingeschaltet, um zwischen dem Youtuber Simon Unge und _0rbit zu vermitteln. Der Angreifer hatte offenbar auch Unges Konten gekapert und Polit-Leaks über dessen Twitter-Konto mit rund zwei Millionen Followern verbreitet.



Dabei hatte er nach Parteien geordnete Listen von Betroffenen veröffentlicht. Mit Abstand die meisten Einträge gab es auf der CDU/CSU-Liste mit 410 Namen. Auf der SPD-Liste stehen 230 Politiker, bei den Grünen, den Linken und der FDP je einige Dutzend. Die AfD ist die einzige im Bundestag vertretene Partei, zu der keine Liste veröffentlicht wurde.

Unterschiedliche Sicherheitsbehörden wussten wohl seit Monaten von Angriffen

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) war schon seit einiger Zeit über den Hackerangriff informiert. "Wir haben schon sehr frühzeitig im Dezember auch schon mit einzelnen Abgeordneten, die hiervon betroffen waren, dementsprechend gesprochen", sagte Präsident Arne Schönbohm am Freitagabend im Fernsehsender Phoenix.

"Ich hatte Anzeige erstattet. Leider konnte das LKA nicht in Erfahrung bringen, woher die Attacken kamen."Torsten Schweiger, CDU


Das LKA Sachsen-Anhalt hatte allerdings schon im August 2018 mit Ermittlungen gegen den Hacker begonnen, diese Ende des Jahres aber offenbar eingestellt. Es war auf den Angreifer aufmerksam geworden, weil dieser teils nicht versucht hatte, seine Taten zu verbergen. Mehrere Politiker berichteten der BZ, der Unbekannte habe die Passwörter ihrer gekaperten Konten geändert und sie ausgesperrt.

Zu den Betroffenen zählte der CDU-Bundestagsabgeordnete Torsten Schweiger. "Ich hatte Anzeige erstattet. Leider konnte das LKA nicht in Erfahrung bringen, woher die Attacken kamen", sagte er. Seine Kollegin Katrin Budde (SPD) berichtete ähnliches.

Vieles spricht dafür, dass die geleakten Daten der beiden Abgeordneten aus dem Wahlkreis Mansfeld Mitte August gestohlen wurden. Das LKA Sachsen-Anhalt beantwortete eine Anfrage dazu am Freitag nicht.

Auch mehrere Politiker aus Südbaden sind betroffen. Der Unbekannte hat offenbar digitale Adressbücher gehackt und veröffentlichte Mobilfunknummern etwa von Armin Schuster (CDU), Edith Sitzmann (Grüne) und Thorsten Frei (CDU). Besonders schwer getroffen hat es die Grünen-Landtagsabgeordnete Martina Braun aus Villingen-Schwenningen.

In dem Leak befinden sich Protokolle von Chats, die sie über Facebook geführt hat. Der Angreifer, sagte Braun der BZ, habe Ende Oktober volksverhetzende Inhalte in ihrem Namen gepostet. Sie habe deshalb die Polizei eingeschaltet, die Ermittlungen der Kripo Stuttgart liefen noch.

"Ich glaube nicht, dass die deutschen Sicherheitsbehörden herausfinden werden, wer _0rbit ist. Er ist sehr sicherheitsbewusst", sagte Tomasz Niemiec der BZ.

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