Immer mehr Betreuungsfälle

jon

Von jon

Mi, 26. November 2014

Deutschland

In Nordrhein-Westfalen hat sich die Zahl der Menschen, die Lebenshilfe brauchen, verdreifacht.

DÜSSELDORF (jon). Die Zahl der Menschen, bei denen aufgrund psychischer Erkrankungen oder körperlicher Gebrechen eine Betreuung ihrer Rechtsgeschäfte angeordnet ist, hat sich in den vergangenen 20 Jahren in Nordrhein-Westfalen nahezu verdreifacht. Wie NRW-Justizminister Thomas Kutaschaty (SPD) am Dienstag dem Rechtsausschuss des Düsseldorfer Landtags mitteilte, wuchs die Zahl der gerichtlichen Betreuungsverfahren seit ihrer Einführung 1992 von 122 117 auf 309 000 Fälle im Jahre 2012. Im gleichen Zeitraum stiegen die Kosten dafür von 1,2 Millionen Euro auf 218,1 Millionen Euro an.

Diese Entwicklung sei angesichts der Einschränkung des Selbstbestimmungsrechts für die Betroffenen kritisch zu betrachten, erklärte Kutschaty. Ursächlich für die massiv gestiegene Zahl der Betreuungen seien die Vereinzelung von Menschen, der Wegfall von Familienstrukturen und der Anstieg psychischer Erkrankungen. Hinzu komme eine Überforderung vieler Menschen durch die erhöhte Komplexität des Wirtschafts- und Rechtssystems.

Die Bestellung eines rechtlichen Betreuers dürfe nur ein allerletztes Hilfsmittel sein, betonte der Minister. Behinderte Menschen müssten vielmehr eine effektive Unterstützung erfahren, um selbstbestimmte Entscheidungen treffen zu können. Dies sehe auch die UN-Behindertenrechtskonvention vor.

Kutschaty beklagte, dass die Zahl der vom Gericht bestellten ehrenamtlichen Betreuer kontinuierlich abgenommen habe. Aktuell seien in NRW bei nur noch der Hälfte aller Fälle Familienangehörige oder ehrenamtlich engagierte Bürger als Betreuer bestellt. Allein für die Vergütung von Berufs- oder Vereinsbetreuern zahlte das Land NRW 2013 insgesamt 183,4 Millionen Euro. Diese Kosten sind im Falle mitteloser betreuungsbedürftiger Personen von der Staatskasse zu tragen.