Satire

Nackt-Pflicht – Die Partei stellt Schattenkabinett vor

Jacqueline Vieth

Von Jacqueline Vieth

Fr, 25. August 2017 um 00:01 Uhr

Deutschland

Wenn "Die Partei" zu einer Pressekonferenz einlädt, läuft das etwas anders ab als sonst im Berliner Politik betrieb. Die Satirepartei hat ihr Schattenkabinett für den Fall eines Wahlsiegs vorgestellt.

Vor dem Eingang der Parteizentrale in Kreuzberg posiert ein Mann im Adolf-Hitler-Outfit und mit falschen großen Brüsten, es wird Bier getrunken und geraucht. Drinnen prangt mitten an der Wand ein großer Plastik-Penis. Dabei geht es eigentlich darum, dass "Die Partei" ihr Schattenkabinett zur Bundestagswahl vorstellt. Eine Selbsteinschätzung gibt es gleich zu Beginn vom "Partei"-Vorsitzenden Martin Sonneborn: "Wir sind genauso zuversichtlich wie die SPD. Wir versprechen aber mehr."

Die Partei "Die Partei", die 2004 von Redakteuren der Satire-Zeitschrift "Titanic" gegründet wurde, wird mal als Spaß-, mal als Satire-Partei bezeichnet. Ein reines Gag-Projekt ist sie aber nicht: Seit ihrer Gründung tritt sie immer wieder zu Landtags-, Bundes- und Europa-Wahlen an. Der Vorsitzende Sonneborn sitzt seit 2014 im Europaparlament. Auch in Bezirks- und Gemeinderäten, etwa in Freiburg, ist die Partei vertreten.

"Die Partei" zeichnet es aus, anders als die etablierten Parteien zu sein. Sie provoziert gern. So sind auch die Personen, die für das Schattenkabinett vorgestellt wurden, keine hauptberuflichen Politiker. Gemeinsam haben sie, dass sie – getreu der Parteilinie – für Provokationen bekannt sind. So passt es ins Bild, dass der Kabarettist und "Hassprediger" aus der ZDF-"Heute-Show", Serdar Somuncu, Spitzenkandidat ist. Er kandidiert unter dem Motto "Warum nicht mal ein Türke?". Wenn er von der Wahl spricht, bezeichnet er einen möglichen Sieg als "Machtergreifung", nach der "Schluss mit lustig" sei.

Martin Sonneborn stellte die weiteren Kandidaten vor: Eine "scharfe Russin", die nur Natascha genannt wird, "soll sich um Osteuropa-Themen kümmern". Der israelische Satiriker Shahak Shapira, den man vom "Yolocaust"-Projekt kennt, wird als Beauftragter für neue Medien vorgestellt. Er selbst bezeichnet sich als Reichspropaganda-Minister. Etwas mehr Politik-Erfahrung bringt Wolfgang Wendland mit. Der Sänger, der bei Auftritten seiner Band Die Kassierer gern mal nackt auftritt, kandidierte bereits für die Anarchistische Pogo-Partei (APPD) bei der Bundestagswahl 2005 und im Mai diesen Jahres bei den NRW-Landtagswahlen für "Die Partei". Er wolle Atom-Minister werden. Mark Bennecke, Kriminalbiologe und Vorsitzender des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, soll sich um "so Sachen wie Tattoos, Verwesung und Renten" kümmern.

Auch die Punkte des Wahlprogramms weichen von den Themen der etablierten Parteien ab. So soll die "Ehe für Assis" abgeschafft und totale Steuerfreiheit eingeführt werden. Für Frauen zwischen 18 und 25 Jahren soll eine Nacktpflicht eingeführt werden ("Liebe Journalistinnen, sie dürfen das gerne hier auf der Presse-Konferenz umsetzen"). Und auch für Kanzlerin Angela Merkel gebe es nach positivem Wahlausgang einen Plan: Sie soll in einem Käfig im Berliner Olympiastadion gehalten werden. Guter Geschmack ist nicht unbedingt die Stärke der Partei.

"Die Programmpunkte haben wir gestern Abend im Suff erarbeitet. Dafür machen wir das heute doch schon ganz gut", sagt Sonneborn. Im Wahlkampf setze man außerdem auf Bares. Sonneborn erzählt, er sei durch Kreuzberg gelaufen und habe Bargeld verteilt: "Geld ist das Beste, was eine Partei ihren Wählern geben kann."