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15. August 2012

Kommentar

Die Eurokrise - eine unsichtbare Bestie

Euroland plagt eine Rezession, aber vielen Deutschen geht es so gut wie lange nicht. Die deutsche Wirtschaft ist stark - und das liegt nach wie vor auch am Euro. Eine Einordnung von Ronny Gert Bürckholdt.

Politiker, Banker, Analysten, Journalisten reden und schreiben ständig von Krise, Krise, Krise, doch für fast alle anderen Leute hierzulande ist die Bestie unsichtbar geblieben. Kaum einer muss mit weniger Lohn leben wegen ihr, ist arbeitslos geworden wegen ihr, muss sich wegen ihr sorgen um die ökonomische Existenz. Doch man muss nicht weit reisen, um ein anderes Europa zu sehen.

Fast 25 Prozent der arbeitsfähigen Spanier finden keine Arbeit, hierzulande sind es der internationalen Statistik zufolge gerade noch fünfeinhalb Prozent. Viele Griechen verarmen, die Deutschen kaufen aber so viel wie lange nicht. Das liegt sicher auch daran, dass die Sparzinsen nun so niedrig sind, aber die Deutschen haben auch noch viel zu sparen – oder auszugeben. Die Volkswirtschaften Griechenlands, Spaniens, Italiens schrumpfen, die französische stagniert, die deutsche aber wächst wie in normalen Jahren. Der Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die in der Bundesrepublik hergestellt beziehungsweise angeboten wurden, lag zwischen April und Ende Juni um 0,3 Prozent höher als im Quartal davor. Das ist ein gutes Ergebnis, vor allem, wenn man bedenkt, was um Deutschland herum los ist. An dem Urteil änderte sich nichts, falls die Wirtschaft im nächsten Quartal mal leicht schrumpfen sollte.

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In vielen Krisenländern stürzt die Wirtschaft ab. Im schlimmen Fall wird sie kaputtgespart, dann folgt einer Ausgabenkürzung ein noch tieferer Wirtschaftsabschwung. Aber um das zu beurteilen, ist es zu früh. Und trotz aller Probleme – alle Krisenstaaten haben mit ernstzunehmenden Strukturreformen begonnen. Sie könnten die Basis für einen neuen Aufschwung legen.

Vielleicht läuft es schlicht zu gut?

In Deutschland wird heute weder im Staatsbudget gespart noch nennenswert reformiert. Vielleicht läuft es schlicht zu gut. Ein Grund: Die Risiken für die deutsche Wirtschaft sind heute breiter gestreut. Die Exporteure schicken ihre Maschinen und Autos vermehrt nach China, Indien, Brasilien. Auch die Betriebe im Schwarzwald und in der Ortenau profitieren von der wachsenden Mittelschicht dort. Die Eurozone bleibt wichtiger Absatzmarkt, aber Deutschland hat sich ein Stück emanzipiert von ihr. Wäre das anders, wäre die Krise schon hier.

Das deutsche Wirtschaftswachstum beruhte lange in ungesund großer Dosis auf dem Export. Inzwischen hat der Binnenmarkt an Bedeutung gewonnen. Firmen haben daheim viel investiert, in Werkshallen und Fertigungslinien. Auch der private Konsum hat sich erfreulich entwickelt. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit und gestiegene Tariflöhne in einigen Branchen sind der Grund. Deutschland hat schon vor Jahren seinen Arbeitsmarkt reformiert, sich bei den Löhnen zurückgehalten. Vor einem Jahrzehnt noch als kranker Mann Europas verspottet, ist Deutschland ein gutes Beispiel dafür, dass es lohnen kann, hartnäckig zu reformieren und dabei auch Konflikte nicht zu scheuen.

Für deutsche Überheblichkeit gibt es keinen Grund

Die Deutschen haben aber keinen Grund, überheblich zu werden. Sie bekommen reichlich Hilfe. Die Zinsen sind seit Ausbruch der Finanzkrise 2007/2008 historisch niedrig; heute aus deutscher Sicht sehr, sehr niedrig. Das befeuert die wettbewerbsfähige Wirtschaft zusätzlich. In Euroland gibt es nur einen Leitzins – für die gut laufende deutsche Volkswirtschaft wie für die abschmierende griechische. Auch gibt es nur einen Wechselkurs der Währung. Der Euro hat zuletzt an Wert gegenüber dem Dollar verloren. Das macht deutsche Autos und Maschinen im Ausland preiswerter, kurbelt deren Absatz weiter an. Der Euro verschaffte den Deutschen aber auch schon vorher einen vorteilhaften Wechselkurs, was viele Erfolge der heimischen Betriebe miterklärt. Das sollte auch jetzt in Krisenzeiten hierzulande niemand vergessen.

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Autor: Ronny Gert Bürckholdt


33 Kommentare

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Tina Spitz

Registriert seit: 25.07.2011

Kommentare: 705

15. August 2012 - 10:40 Uhr

Oh je, was täte die BZ-Leserschaft nur ohne diesen großartigen "Wirtschaftsexperten" Ronny Gert Bürckholdt, der uns die "Neue Euro-Welt" mittels Aneinanderreihung ökonomischer Elementarweisheiten zu unser aller Glück doch immer sooooooo schööööööööön logisch und simpel erklärt...

Fehlt eigentlich nur noch ein Beitrag des mindestens genau so großen "Experten" Obertreis, und die rosarote Euro-Show wäre vollends perfekt...

Im Vergleich zu diesen beiden "ökonomischen Hochkarätern" der Badischen Zeitung nimmt sich ein Hans-Werner Sinn doch geradezu zwangsläufig wie ein dilettierender Anfänger aus... obwohl - wie war das gleich noch? Das mit dem Licht und dem Schatten... hmmmm.

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Martin Blum

Registriert seit: 04.12.2009

Kommentare: 114

15. August 2012 - 14:53 Uhr

die realität sieht doch so aus, dass der deutsche michel inzwischen durchaus schon längst erkannt hat, was seinem erspartem und seiner av kurz oder lang blüht. deshalb wird das ersparte weitgehend investiert. dies treibt künstlich konsum und bauwirtschaft an. stichwort crack up boom.

die deutsche finanzwirtschaft als gutes beispiel hervorzuheben kann nur als lächerlich bezeichnet werden. wieviel mrd. neuverschuldung sattelt der deutsche staat dieses jahr noch mal drauf ? aber dieses permanente wirtschaften auf pump gehört ja auch zum inbegriff dieser überholten wirtschaftsidelogie, zu deren anhängerschaft man den autor dieses "kommentars", in jedem fall aber den chefredakteuer dieses blattes, zählen darf.

im klartext: wir befinden uns in einer idelogischen sackgasse.
und ich habe jetzt echt keine lust mehr, mir diesen aufgewärmten brei der bz chef- und wirtschaftsredaktion hier noch länger zuzumuten.



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Ronny Gert Bürckholdt  

Ronny Gert Bürckholdt

Registriert seit: 28.07.2010

Kommentare: 16

15. August 2012 - 15:08 Uhr

Sehr geehrte Frau Spitz,

danke für Ihren Kommentar. Es würde mich jedoch interessieren, was Sie in der Sache zum Thema beizutragen haben.

bester Gruß,

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Michael Berner

Registriert seit: 10.01.2011

Kommentare: 904

15. August 2012 - 15:32 Uhr

Nicht wirklich auf den Artikel bezogen, aber das Bild auf der Startseite hierzu erinnert doch stark an Langoliers... ;)

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Frank Reiger

Registriert seit: 03.07.2012

Kommentare: 766

15. August 2012 - 15:46 Uhr

"Kaum einer muss mit weniger Lohn leben wegen ihr, ist arbeitslos geworden wegen ihr, muss sich wegen ihr sorgen um die ökonomische Existenz." Es sind wahrscheinlich Sätze wie dieser, die Frau Spitz auf die Palme bringen. Millionenfache prekäre Arbeitsverhältnisse, Reallohnverlust, Abdrängen in Scheinselbständigkeit und Zeitarbeit. Die solchermassen von rot-grün "reformierte" Wirtschaft musste dann in der Tat keine Arbeitnehmer zusätzlich entlassen. Im Gegenteil - man kann jetzt Milliarden Steuergelder von Arbeitnehmern nach Griechenland schicken, die natürlich nicht an faule Rentner ausbezahlt werden, sondern stande pede an deutsche Rüstungskonzerne und Banken zurückfliessen. Kurzum weder war der Umbau der Wirtschaft ausgewogen, noch werden jetzt die Profite daraus halbwegs angemessen verteilt.

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Harald Meierhofer  

Harald Meierhofer

Registriert seit: 12.09.2011

Kommentare: 2115

15. August 2012 - 15:50 Uhr

Der Binnenmarkt hat an Bedeutung gewonnen? Ach ja?
Grade eben erst erschien die Nachricht, dass Deutschland wieder den größten Aussenhandelsüberschuss aller Staaten erzielt hat, inklusive China.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/deutsche-import-export-bilanz-weltrekord-im-handelsueberschuss-a-849680.html

Aber man kann sich ja alles schönreden, wenn man die Fakten beiseite lässt.

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Jürgen Steinke

Registriert seit: 22.02.2010

Kommentare: 196

15. August 2012 - 15:58 Uhr

Das Grundproblem bleibt meines Erachtens, dass unser Wirtschaftssystem auf immer währendes Wachstum aufgebaut ist. Und das ist schlicht nicht möglich. Schon alleine deshalb nicht, weil wir dabei einen Raubbau an der Ressourcen der Erde betreiben.

Rezessionen in anderen Mitgliedsstaaten, die ihr Wachstum ausschließlich auf Pump finanziert haben, sind doch zwangsläufig. Diese Rezessionen weiterhin wie in der Vergangenheit mit kreditfinanzierten Staatsprogrammen ausbügeln zu wollen, macht das Loch, in das man fällt, langfristig doch nur noch größer.

Die Verschuldung aller Staaten der westlichen Welt ist ein Skandal. Wie konnte es nur passieren, dass so viele Verantwortliche weggeschaut haben? Dass Schulden verharmlost wurden? Als ob sie einen gar nichts angingen? Nie zum Problem werden?

Es ist ein schwieriger Prozess zu begreifen, dass Staaten wie Privathaushalte von dem leben müssen, was erwirtschaftet wird. Klar ist das Geschrei groß und es gibt auch Not, wenn Gehälter und Renten gekürzt werden müssen. Aber wo ist die Alternative? Es gibt keine. Es gibt keinen Zauberlehrling, der aus Blei Gold macht, wie manche im Mittelalter versuchten.

Die Marktwirtschaft mit arbeitsteiligen Märkten ist an sich keine schlechte Sache, auch wenn das immer mehr Kritiker behaupten. Die Exzesse, das Verlassen einer seriösen Basis, sind das Problem. Und von diesen Beispielen gibt es jede Menge. Auch in Deutschland. Es ist seit Jahrzehnten klar, dass das klassische umlagenfinanzierte Rentenmodell in einer alternden Bevölkerung mit immer mehr Rentenbeziehern und immer weniger Einzahlern nicht funktionieren kann. Was ist passiert? Der Staatszuschuss zur Rente wurde erhöht. Als ob Staatsgeld ohne Ende zur Verfügung stünde. Auch die Rente mit 67 löst das Problem nur auf Zeit, nicht dauerhaft.

Weil die Politik in beinah keinem westlichen Land wirklich ehrlich ist, aus Angst vor den Wählern, wird kein Problem nachhaltig gelöst. Jede Lösung muss ja auch nur 4 Jahre halten. Bis zur nächsten Wahl. Wir Wähler sind aber oft selbst Schuld wenn wir nur danach handeln, von notwendigen Reformen möglichst wenig betroffen zu sein. Dann bekommen wir nicht den Großen Wurf, sondern den kleinsten gemeinsamen Nenner. Der natürlich Zeit bringt, aber keine wirkliche Lösung.

Wer interessiert ist, wie unverantwortlich Politik oft agiert, dem sei dieses Video empfohlen:

http://dokumonster.de/sehen/5440-der-grosse-euro-schwindel-wenn-jeder-jeden-taeuscht-ard-doku/

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Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2508

15. August 2012 - 16:12 Uhr

Die Strategie ist doch klar. Bis zur nächsten Bundestagswahl im Herbst 2013 geht es uns Deutschen "so gut wie nie"(sic!), danach müssen wir uns dann der harten Realität stellen und es wird wieder um längst überfällige Reformen gehen, die von jedem Einzelnen, zum Wohle Deutschlands, auch harte Einschnitte fordern werden. Diese Maßnahmen sind dann natürlich (mal wieder) alternativlos, so werden es uns Bundesregierung und die neoliberalen Schreiberlinge in den Zeitungen darstellen.

Zur Sache:

Anlass für diesen Artikel ist die vorläufige Schätzung(!) des Statistischen Bundesamtes zur Entwicklung des realen BIP in Q2/2012 (+0,3% zum Vorquartal). Hier kann man bereits kritisieren, dass uns eine erste Schätzung bereits als Tatsache verkauft wird. Die detaillierten Daten zur volskwirtschaftlichen Gesamtrechnung werden nämlich erst am 23.08. veröffentlicht. Aber wer interessiert sich schon für die Details? Es geht hier schlicht um Stimmungsmache und ein positves Delta beim BIP wird uns als Indiz dafür verkauft, dass Deutschland auf dem richtigen Weg ist und unsere Bundesregierung, sprich Angela Merkel, die richtige (Wirtschafts-)Politik betreibt.

Weitere Kritikpunkte dazu lieferte uns bereits Jens Berger auf den Nachdenkseiten:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=14152

Abschließend noch ein Hinweis auf den Baltic Dry Index. Was ist das? Das ist ein Preisindex für Massenfrachtgüter. Vereinfacht ausgedrückt dafür, was es kostet, z.B. Kohle von Australien nach Rotterdamm zu schippern. Dieser Index hat sich die letzten Jahre als einer der verlässlichsten konjunkturellen Frühindikatoren erwiesen. Steigt dieser Index, geht es der Weltwirtschaft gut, was sich insb. positv auf die Exportnation Deutschland auswirkt. Fällt er, nicht gut. Wie schaut es aktuell aus?

http://www.bloomberg.com/quote/BDIY:IND

Im letzten Jahr hat der Index über die Hälfte seiner Punkte eingebüßt. Bei den aktuellen Tagespreisen können die Frächter nicht einmal ihre Betriebskosten decken. Das scheint aber in Deutschland kaum wen zu interessieren. Die Chinesen haben stattdessen bereits reagiert und rechtzeitig die Binnennachfrage gestärkt, primär über Lohnsteigerungen. Und weil die Chinesen wieder mehr importieren, als sie exportieren, darf sich Deutschland aktuell auch Exportweltmeister (richtig: Außenhandelsüberschussweltmeister) nennen.

Doch noch ein Hinweis auf diesen Handelsblatt-Artikel:

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ba-chef-weise-bundesagentur-hat-kein-geld-fuer-eine-jobkrise/6962028.html

Warum macht sich BA-Chef Weise (und das Handelsblatt) aktuell Gedanken über Kurzarbeit?

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Caroline Weber  

Caroline Weber

Registriert seit: 18.07.2011

Kommentare: 120

15. August 2012 - 16:19 Uhr

Zitat:
„Kaum einer muss mit weniger Lohn leben wegen ihr, ist arbeitslos geworden wegen ihr, muss sich wegen ihr sorgen um die ökonomische Existenz.“

Wenn man die fast ein Viertel Arbeitnehmer des deutschen Arbeitsmarktes im Niedriglohnsektor plus die Arbeitslosen (und auch die, welche von keiner Statistik erfasst werden) konsequent ausblendet und ignoriert, kann man mit Hilfe einer neoliberalen Brille durchaus auf derartige Schlüsse kommen.

Zitat:
„ … aber die Deutschen haben auch noch viel zu sparen – oder auszugeben.“

Mehr als die Hälfte der Deutschen verfügt über gar kein Vermögen und lebt vom Einkommen. Fast ein Fünftel der Bevölkerung fällt aber selbst das immer schwerer, Tendenz steigend. Es gab in den letzten Jahren nur einen Teil der deutschen Gesellschaft die es geschafft hat ihr Vermögen, und somit auch ihre Kaufkraft, zu vermehren. Und das ist die Gruppe der reichsten 10% der Deutschen. Bei den restlichen 90% der Gesellschaft verläuft die Entwicklung negativ.

Zitat:
„Die Risiken für die deutsche Wirtschaft sind heute breiter gestreut. Die Exporteure schicken ihre Maschinen und Autos vermehrt nach China, Indien, Brasilien. […] Die Eurozone bleibt wichtiger Absatzmarkt, aber Deutschland hat sich ein Stück emanzipiert von ihr. Wäre das anders, wäre die Krise schon hier.“

Nach China hat die deutsche Wirtschaft im letzten Jahr gerade einmal Waren im Wert von ca. 65 Mrd. Euro exportiert (nicht viel mehr als nach Österreich: ca. 58 Mrd.). Brasilien (ca. 11 Mrd., Rang 20) und Indien (ca. 10,5 Mrd., Rang 21) tauchen unter den Top15 der deutschen Exportländer nicht einmal auf. Nach Österreich exportieren wir fast 3 mal mehr als nach Brasilien und Indien zusammen genommen.
Und dass sich Deutschland von der Eurozone emanzipiert hätte kann man getrost als Ammenmärchen bezeichnen. Ca. 60% aller deutschen Exporte gehen in den europäischen Binnenmarkt (EU), und mehr als 40% gehen in Euro-Länder.
Und warum die Krise noch nicht spürbar in Deutschland angekommen ist, liegt an mehreren Faktoren. Zum einem liegt es an der Struktur der deutschen Exportwaren. Dabei handelt es sich nicht um Konsumartikel, wie das z. Bsp. vorrangig noch in China der Fall ist, sondern primär um Waren, die für die Infrastruktur und den Aufbau von Industrien benötigt werden (Analgenbau, Maschinenbau, Chemische Industrie, etc.). Zum andern ist es der Tatsache geschuldet, dass die heutigen Profite sowie die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands auf dem Rücken der Millionen von Arbeitnehmern im Niedriglohnsektor zustande kommen.
Die Krise wird in absehbarer Zeit auch Deutschland erreichen, und die Folgen werden dramatisch sein, weil die Fallhöhe in Deutschland eine andere ist wie z. Bsp. in Griechenland oder Portugal.

Zitat:
„Deutschland hat schon vor Jahren seinen Arbeitsmarkt reformiert, sich bei den Löhnen zurückgehalten.“

Das ist richtig. Was daran allerdings für den Großteil der Gesellschaft positiv sein soll, wird wohl das Geheimnis des Autors bleiben. Diese Reformen haben nur einer sehr kleinen Gruppe unserer Gesellschaft genützt, worauf ich ja weiter oben schon eingegangen bin. Man kann auch sagen; die Profite von heute schaffen die Arbeitslosen von morgen!

Zitat:
„Vor einem Jahrzehnt noch als kranker Mann Europas verspottet, ist Deutschland ein gutes Beispiel dafür, dass es lohnen kann, hartnäckig zu reformieren und dabei auch Konflikte nicht zu scheuen.“

Sicher, wenn man zu den oberen 10% der Gesellschaft gehört und die restlichen 90% ausblendet, mag das richtig sein. Aber von einem „guten Beispiel“ für ganz Deutschland zu sprechen, ist nichts als neoliberale Propaganda oder spiegelt das Unvermögen des Autors wider.

Dieser Artikel ist dermaßen dilettantisch und ignorant, dass man fast schon auf die Idee kommen könnte dieses Geschreibsel wäre eine Auftragsarbeit. Ich bin immer davon ausgegangen, dass die Fähigkeit zur Differenzierung eine Grundlage jedes Journalisten sein sollte. Bei der BZ scheinen offensichtlich andere Maßstäbe zu gelten – oder man hält seine Leser alle für intellektuell minderbemittelt.

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Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2508

15. August 2012 - 16:24 Uhr

Fr. Weber,

kleiner Hinweis zum Thema "Auftragsarbeit":

http://www.heise.de/tp/artikel/36/36575/1.html

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Caroline Weber  

Caroline Weber

Registriert seit: 18.07.2011

Kommentare: 120

15. August 2012 - 16:40 Uhr

@Thomas Bender
Ich kenne zwar nicht diese Dissertation, aber dieser Trend ist nicht nur im Journalismus festzustellen. Aber Danke für den Link.
Unsere Gesellschaft bewegt sich immer mehr in Richtung einer Oligarchie, und es gibt leider weit und breit keine ernstzunehmende politische Kraft die sich dieses Themas annimmt.

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Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2508

15. August 2012 - 16:46 Uhr

"Unsere Gesellschaft bewegt sich immer mehr in Richtung einer Oligarchie, und es gibt leider weit und breit keine ernstzunehmende politische Kraft die sich dieses Themas annimmt."

Die Finanzoligarchie bestimmt bereits heute unser aller Leben:

http://www.sprengsatz.de/?p=3884

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Jürgen Steinke

Registriert seit: 22.02.2010

Kommentare: 196

15. August 2012 - 17:05 Uhr

O.k. Frau Weber,

bitte sagen Sie uns allen, wie der Weg aus der Krise aussieht.

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Martin Diehr

Registriert seit: 16.01.2012

Kommentare: 275

15. August 2012 - 17:12 Uhr

@Herr Steinke....Wenn sie Ehrlich wären, würden sie auch dieses nicht Verschweigen

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/konjunkturbarometer-stuerzt-ab-warum-der-baltic-dry-index-diesmal-luegt/6135760.html

ihren Baltic Dry Index können sie grade mal in die Tonne Klopfen.

Die Kriese wird durch die Medien schon wieder herbei geschrieben obwohl die Realität eine andere Sprache Spricht. Jüngst gab es in der BZ eine Umfrage unter regionalen Mittelständlern welche ein komplett anderes Ergebnis zeichnete als das was man täglich in den Medien vernimmt.....

ja Griechenland ist immer noch Pleite...wieviele Jahre sind es denn schon und juckt es die Realwirtschaft??? Nein....

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Bert Pavel

Registriert seit: 19.07.2012

Kommentare: 328

15. August 2012 - 17:45 Uhr

Uns deutschen könnte es noch viel besser gehen wenn die Löhne auf
das Niveau der Chinesen gesenkt würde. Auf solch einen Vorschlag
von Politikern, Managern und Konzernchefs warte ich geradezu.
Rentner müssen bei Rot über den Fussgängerüberweg!
Mehr IRONIE fällt mir im Augenblick nicht ein.

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Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2508

15. August 2012 - 17:46 Uhr

Sie meinten wohl mich, Hr. Diehr, oder?

Das Problem ist folgendes. Sie werden zu jeder Meinung immer wen finden, der genau das Gegenteil behauptet. Hinzu kommt auch, dass es kaum noch wirklich unabhängige Experten gibt. Natürlich kann auch der BDI die Zukunft nicht voraussagen. Rückblickend hat er bis jetzt aber immer recht gut die konjunkturelle Entwicklung der Weltwirtschaft beschrieben. Das können sie auch dem 15-Jahres-Chart im Handelsblatt oder hier noch etwas genauer mit Jahreszahlen entnehmen:

http://www.querschuesse.de/baltic-dry-index-sinkt-auf-750-indexpunkte/

In der Ökonomie ist es sehr beliebt, die Empirie einfach auszublenden. Nennen sie mir einen plausiblen Grund, warum man die aktuelle Entwicklung des BDI nicht als Warnsignal deuten sollte? Wo doch bisher jede langfristige Prognosse immer richtig lag?

Ein ähnliches Spiel konnte man vor Jahren z.B. auch bei der Taylor-Regel beobachten:

http://de.wikipedia.org/wiki/Taylor-Regel

Als die US-Notenbank den Leitzins unter die Vorgaben der Taylor-Regel senkte und erste Ökonomen auf diesen Umstand "hinwiesen", wurde auch das sofort als Panikmache verschrien. Einige stellten sogar die Gültigkeit der Taylor-Regel infrage, obwohl sie sich jahrzehntelang bewährt hatte. Heute weiß man, dass die expansive Geldpolitik (niedriger Leitzins) mitursächlich für die Krise war.

Und mit Verlaub, die Aussagen von ein paar mittelständischen Unternehmern aus der strukturschwachen Region Südbaden sagt sehr wenig über die gesamtkonjunkturelle Lage aus:

http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:schwaechelnde-industrieproduktion-und-exporte-deutscher-wirtschaft-geht-die-puste-aus/70073855.html

In ihrem Handelsblatt-Artikel werden ja noch weitere Konjunkturindizes (z.B. ZWE, ifo) genannt. Alle stehen sie z.Zt. auf negativ.

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Caroline Weber  

Caroline Weber

Registriert seit: 18.07.2011

Kommentare: 120

15. August 2012 - 17:56 Uhr

@Jürgen Steinke
„O.k. Frau Weber, bitte sagen Sie uns allen, wie der Weg aus der Krise aussieht.“

Ganz einfach; Sie wählen mich zur Kandesbunzlerin … 8-)

Okay, ernsthaft weiter. Leider kann ich Ihnen diese Frage auch nicht beantworten, weil die Ursachen und die gemachten Fehler eine derart komplexe und gefährliche Situation haben entstehen lassen, dass es heute im Prinzip fast schon egal ist was man tun wird. Man könnte auch sagen; wir haben die Wahl zwischen Pest und Cholera.
Allerdings sollte man endlich aufhören den Leuten irgendwelche Sachen vorzumachen, wie z. Bsp. in dem Artikel hier.
Da ich davon ausgehe, dass Sie mich mit Ihrer Frage nicht nur provozieren wollten sondern wirkliches Interesse an der Thematik haben, würde ich Ihnen zunächst die folgende kanadische Dokumentation (in Deutsch synchronisiert) ans Herz legen. Es handelt sich dabei um eine wissenschaftliche Doku des kanadischen Autors Mathieu Roy, die den Titel „Endstation Fortschriit?“ trägt, und frei von jeglicher ideologischer Bevormundung ist. Das, was Sie da sehen und erfahren werden sind keine verschwörerischen Theorien, sondern wissenschaftliche Tatsachen die von einigen der führenden Wissenschaftler dieses Planeten vorgetragen und belegt werden. Das ganze wird in einer sehr nüchternen, sachlichen und vor allem verständlichen Art und Weise dargelegt.
Der Film lief auch vor einigen Monaten auf arte, hier der Link dazu:
http://www.youtube.com/watch?v=9Fd8P9l2ZI4

Ich hoffe Sie nehmen sich die Zeit den Film komplett anzuschauen. Sie werden zwar danach auch keine umfassende Antwort auf Ihre Frage erhalten, aber einige der komplexen Zusammenhänge besser verstehen, und zumindest erkennen, in welche Richtung wir uns ganz bestimmt nicht weiter bewegen sollten, wenn wir nicht wollen, dass unsere Gesellschaften komplett im Chaos versinken sollen.
Über ein kurzes Feedback Ihrerseits würde ich mich freuen. Wir können uns dann gern noch über das eine oder andere Detail austauschen.

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Martin Diehr

Registriert seit: 16.01.2012

Kommentare: 275

15. August 2012 - 17:57 Uhr

Ups, ja Herr Bender....

Eben genau daß ist das Problem. Jeder zieht sich das Herraus was für seine Argumentation nützlich ist und die Wahrheit liegt am Ende meistens irgendwo dazwischen....deswegen beteilige ich mich ungern an diesen Gemahlden Horrorszenarien der Medien genau so wenig wie alles eitel Sonnenschein ist. Ich binn auch davon überzeugt das uns der Euro noch länger erhalten bleibt als viele hier glauben wollen.

Das Buchgeld in irgendwelchen Banken (Zahlen auf einem Blatt PApier paar nullen hin oder her) hat den Schrecken längst Verloren. Wenn man sich erinnert welches Szenario eine Pleitebank in den USA ausgelöst hat und heute werden Mrd. neuer Schulden scheinbar Regungslos hingenommen. Drucken wir halt "frisches".

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Jürgen Steinke

Registriert seit: 22.02.2010

Kommentare: 196

15. August 2012 - 18:23 Uhr

Frau Weber,

ich werde mir den Film ansehen, weiß aber nicht, wann ich dazu komme.

2 Bemerkungen:

1. Mich stört an der Art Ihrer Argumentation das Absolute. Es gibt für jeden Wissenschaftler einen zweiten, der das glatte Gegenteil behauptet. Wer hat nun Recht? Man kann beispielsweise eine linke Position genauso mit Fakten unterfüttern, wie eine rechte. Sie selbst sagen, Sie wüssten den Ausweg auch nicht. Sie treten aber so auf, als wüssten Sie mehr als andere.

2. Die Welt ist, wie sie ist. Die Menschen sind, wie sie sind. In der Regel Egoisten und auf ihren jeweiligen Vorteil bedacht. Die Ausnahmen bestätigen die Regel. In demokratischen Gesellschaften muss ich das berücksichtigen und Mehrheiten organisieren. Das funktioniert nur, wenn ich Menschen mitnehme. Es wird keine Veränderung geben, ohne dass Menschen Sinn in einem Vorhaben erkennen. Es braucht die Fähigkeit, komplexe Sachzusammenhänge in leicht verständliche und für viele nachvollziehbare Formeln zu packen.

Feindbilder helfen nicht weiter.

Danke für den Link zum Film!

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Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2508

15. August 2012 - 18:42 Uhr

Noch etwas mehr Seefahrergarn. Der englische Telegraph hat aktuell einen spannenden Artikel zur Krise in der Containerschifffahrt, die es laut dem Experten aus dem Handelsblatt ja gar nicht gibt:

http://www.telegraph.co.uk/finance/newsbysector/transport/9473476/World-shipping-crisis-threatens-German-dominance-as-Greeks-win-long-game.html

Pikantes Detail am Rande: die deutsche Hypovereinsbank gewährt griechischen Redern 100%-Finanzierungen, den deutschen aber nicht.

"German shipping experts say that two-thirds of the country’s marine fleet is in financial distress. If the crisis drags on much longer, the Greeks may leapfrog ahead to become world leaders in container shipping. The irony of prudent Greeks cleaning up after a reckless debt spree by the Germans is lost on nobody."

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Caroline Weber  

Caroline Weber

Registriert seit: 18.07.2011

Kommentare: 120

15. August 2012 - 18:53 Uhr

@Jürgen Steinke
Nun ja, das was Sie das „Absolute“ in meiner Argumentationsweise nennen, sind in der Regel die Nennung von objektiven Daten. Wenn ich z. Bsp. verschiedene Zahlen und Entwicklungen benenne, dann sind das keine persönlichen Einschätzungen oder Meinungen, sondern objektive Tatsachen die nicht von mir erhoben wurden – die im übrigen auch jeder Hobby-Ökonom ohne viel Aufwand im Netz finden kann. Und glauben Sie mir, mir gefallen diese Daten auch nicht, aber ich muss sie akzeptieren.
Und was meine Schreibweise betrifft, das könnte daran liegen, dass meine Muttersprache nicht Deutsch ist. In meiner Kultur und deren Sprache wird etwas direkter und härter kommuniziert als das im Deutschen wohl üblich ist, ohne dass sich dabei jemand persönlich betroffen fühlt. Wahrscheinlich übertrage ich das auch ins Deutsche ein wenig, was Sie mir hoffentlich nicht nachtragen. Konzentrieren Sie sich bitte einfach auf den Inhalt und die objektiven Daten, und nehmen Sie meine etwas direkte Art bitte nicht persönlich.

„Es braucht die Fähigkeit, komplexe Sachzusammenhänge in leicht verständliche und für viele nachvollziehbare Formeln zu packen.“
Genau das werden Sie in dem Film finden, und es wird Sie wahrscheinlich nicht glücklich machen.

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Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2508

15. August 2012 - 18:56 Uhr

Und noch eine aktuelle Mitteilung des Statistischen Bundesamtes hinterher. In 2011 waren insg. 7,4 Millionen Menschen in Deutschland unterbeschäftigt (würden gerne mehr arbeiten, dürfen aber nicht):

http://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2012/08/PD12_279_132.html

So sieht Vollbeschäftigung in Deutschland aus.

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Peter Grieshaber

Registriert seit: 20.05.2012

Kommentare: 140

15. August 2012 - 18:56 Uhr

Einen griechischen Reeder zu 100% finanzieren ist kein Problem. Der schwimmt im Geld. Auch in dem, das eigentlich dem Staat gehören würde. Der deutsche Reeder erstickt in Abgaben, Umlagen, Auflagen und finanziert über die BG auch noch die Förderung der deutschen Schwimmnieten.

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Martin Diehr

Registriert seit: 16.01.2012

Kommentare: 275

15. August 2012 - 19:03 Uhr

@Herr Bender...dann finden sie sicher auch eine Statistik über die Überstunden welche in diesem Land jährlich abgeleistet werden....

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Caroline Weber  

Caroline Weber

Registriert seit: 18.07.2011

Kommentare: 120

15. August 2012 - 19:07 Uhr

@Peter Grieshaber
„Einen griechischen Reeder zu 100% finanzieren ist kein Problem. Der schwimmt im Geld.“

Wissen Sie auch warum? Weil griechische Reeder per Verfassung bis heute von der Steuer befreit sind. Verrückt, oder? Das interessiert aber in der EU keine Maus!

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Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2508

15. August 2012 - 19:23 Uhr

Das gibt es alles ganz offiziell direkt vom "Amt", Hr. Dier:

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/76945/umfrage/ueberstunden-der-arbeitnehmer-in-deutschland-seit-2000/

Und noch viel mehr:

http://www.destatis.de/DE/Publikationen/StatistischesJahrbuch/StatistischesJahrbuch.html

Dazu gibt es unzählige Studien darüber, dass viele Arbeitnehmer, die 40 oder mehr Wochenstunden arbeiten, ihr Arbeitspensum gerne reduzieren möchten (auch mit Lohnverzicht). Sie versprechen sich dadurch u.a. mehr Lebensqualität. Eventl. würden dadurch auch wieder mehr Kinder in Deutschland geboren? Stattdessen wird bei uns aber genau in die andere Richtung debattiert, sie z.B.:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article108631062/Clement-will-fitte-Deutsche-bis-80-arbeiten-lassen.html

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Peter Pellin  

Peter Pellin

Registriert seit: 15.04.2011

Kommentare: 229

15. August 2012 - 20:09 Uhr

@Ronny Gert Bürckholdt

Die polemische Antwort, den polemischen Kommentar von Frau Spitz vermag ich nicht zu beantworten. Vermutlich will sie uns folgendes sagen/schreiben: Der Bericht von Herrn Bürckholdt ist etwas, naja, problematisch, um es vorsichtig zu sagen. Er appelliert im Prinzip an unser schlechtes Gewissen, da unsere Waren/Knowhow im In- und Ausland gefragt sind, was können wir den dafür, dass ein deutsches Auto "besser" ist als eines aus Frankreich oder Spanien (Seat mit dt. Hilfe) als kleines Beispiel. Unsere Wirtschaft ist seit 1949 gut und führend in Europa, davor haben andere Länder leider Angst. Ich bin davon überzeugt, dass wir in Europa die Krise für alle Länder "überleben" werden, andere Länder müssen umdenken und Europa muss und wird flexibler werden. Lassen wir dem jungen Europa (nach WK II rechne ich, also ca 70 Jahre) eine Chance und unsere Nachfolger werden die Ernte einfahren. Gruß Pepe

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Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2508

15. August 2012 - 23:38 Uhr

Es besteht noch Hoffnung:

http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-08/umfrage-deutschland-wirtschaftsordnung

In einer Rangfolge der persönlich wichtigen Dinge stehen für die Befragten zunehmend postmaterielle Ziele oben: "Gesundheit" liegt auf dem Spitzenplatz, gefolgt von "Zufriedenheit mit der persönlichen Lebenssituation" und dem "Schutz der Umwelt". Erst als Letztes wünschen sich die Deutschen "Geld und Besitz zu sichern und zu mehren".

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Peter Matulla

Registriert seit: 18.09.2010

Kommentare: 540

16. August 2012 - 01:14 Uhr

„Die Eurokrise - eine … Bestie“

Was will uns der Autor sagen? Dass das wilde, gefährliche Krisentier gut getarnt unter uns weilt und eines Tages seine grausamen Talente, wie in Spanien oder Griechenland, auch hier ungebremst entfalten kann?

Aber nein, die Bestie ist für den Autor eine Fiktion, ein Hirngespinst von Analysten und Bedenkenträgern. Er hat unter uns, wohlgemerkt noch unsichtbar, eine Wunderfee, die bereits die Basis für den nächsten Aufschwung legt, ausgemacht. Für die spielt es selbstverständlich keine Rolle, dass Rentenkapital inflatorisch vernichtet wird. Wichtig ist nur, dass deutsche Autos und Maschinen im Ausland preiswert sind und deren Absatz weiter angekurbelt wird, so dass die Targetsalden nur so strotzen.

Was solls? Einblicke in unbequeme Kollateralschäden geben auch alle Märchenexperten nicht gerne.

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Sandra Maier

Registriert seit: 20.08.2011

Kommentare: 92

16. August 2012 - 09:39 Uhr

Das ganze Konstrukt Europäische Union inklusive dem EURO ist unter den jetzigen Umständen definitiv zum Scheitern verurteilt. Wir müssen unbedingt aufpassen, daß unsere Politiker (Herrscher-Elite) nicht noch weitere gravierende Fehler machen und Europa die Diktatur wird, die NIEMAND haben will!

Gemeinsam sind wir stark ist doch das Motto dieser Union. Woran sind wir stark? Darin, daß alle Staaten dieser Währungsgemeinschaft hoffnungslos überschuldet sind und es mit den EURO-Rettungsschirmen keinen vernünftigen Weg aus dieser Krise geben kann und daher stark im Aufbau weiterer Schulden sind, die kein Volk der Welt zurück zahlen kann? Wir steuern auf die Mega-Inflation inklusive Zwangsenteignung privaten Vermögens hin (z.B. Sparguthaben, Immobilienbesitz) zu. Das passiert gerade in Spanien:

http://www.alles-schallundrauch.blogspot.de/2012/08/spanische-sparer-sollen-vorubergehend.html

Heißt es nicht so schön: "Alle Macht geht vom Volke aus"?
Momentan erleben wir, wie die Mehrheit der europäischen Politiker Entscheidungen nicht für das Volk, sondern gegen uns treffen. Oft genug haben sie uns noch dazu bewiesen, daß sie überhaupt keine Ahnung haben, worüber sie abstimmen. Die EU tägt bereits die verräterischen Züge einer Diktatur (Zwangsreglementierung wie z.B. wie gebogen darf eine Banane sein oder wie gerade eine Salatgurke - das sind noch die harmlosesten Beispiele). Wollen wir uns das noch lange gefallen lassen?
Wenn nein, vielleicht formieren wir - das Volk - uns und treten in Mahatma Ghandis Fußstapfen der friedlichen Revolution. Irgendwie muß doch dieser Wahnsinn auf eine vernünftige und friedliche Art gestoppt werden können um eine Chance zu haben, die Wirtschaft in jedem Land aufzubauen und somit eine stabile Währung zu erreichen. Ob wir dann tatsächlich den EURO oder die Europäische Union brauchen wird sich noch zeigen.

Herr Prof. Karl Albrecht Schachtschneider nimmt sich dieses Themas auf eine vernünftige Art und Weise an und es ist sehr einleuchtend, was er zu sagen hat. Insbesondere darüber, wie Deutschland zum zweifelhaften Ruf des Exportweltmeisters kam.

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=HIw26h4xGDY

http://www.kaschachtschneider.de/

Eine interessante Entwicklung kündigt sich hier an:

http://www.n-tv.de/politik/Anarchisten-Nichts-zurueckzahlen-article6924376.html

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Caroline Weber  

Caroline Weber

Registriert seit: 18.07.2011

Kommentare: 120

16. August 2012 - 19:11 Uhr

@Sandra Maier
„Eine interessante Entwicklung kündigt sich hier an:“

In diese Richtung wird es früher oder später auch laufen. Ob das alles gewaltfrei bleiben wird, darf bezweifelt werden.

@Jürgen Steinke
Da Sie meine Daten und Ausführungen ja meistens anzweifeln (nicht nur in dieser Diskussion), habe ich mir mal die Mühe gemacht, die Problematik mit den Worten des Sozialphilosophen Prof. Oskar Negt darzustellen. Hier ein paar Auszüge aus einem Gespräch von vor 2 Jahren:

„Wir befinden uns in einer Phase des Umbruchs und vor allen Dingen auch in einer Zwischenwelt der Ratlosigkeit. Die Probleme unserer Arbeitsgesellschaft spitzen sich derart krisenhaft zu, dass der innere Zusammenhalt des demokratischen Gemeinwesens nicht mehr gesichert scheint. In dieser brisanten Lage zwischen einem Nicht-Mehr und einem Noch-Nicht müsste die gesellschaftliche Phantasie eigentlich alle Kräfte darauf konzentrieren, Auswege zu suchen und zu finden. (...)
Das bestimmende Merkmal der Krisenbewältigung ist heute die gleichsam betriebswirtschaftliche Rationalisierung der gesellschaftlichen Einzelbereiche. Die Realität, mit der wir konfrontiert sind, hat eine gespensterhafte Qualität. (…)

Die Form der kapitalistischen Warengesellschaft ist überholt, denn die Produktionsprozesse unterliegen einem Rationalisierungsgesetz. (…) Nur ein Bruchteil unseres Reichtums fließt in die Gesellschaft, in die Schaffung von Arbeitsplätzen zurück. Die Krisen werden zurzeit von denen bezahlt, die am ehesten aus der Gesellschaft ausgegliedert werden. (…)
Eine vergleichbare Entwicklung hat zum Untergang der Weimarer Republik geführt. (…) Am Ende steht eine gebrochene Gesellschaftsordnung, in der das offizielle Institutionengefüge völlig intakt und funktionsfähig erscheint ... (…) Aber im Inneren dieser Gesellschaft brodelt es, mit Ausbrüchen ist zu rechnen, in der Abwendung vom System entstehen politische Schwarzmarktphantasien – das Einfallstor für Populisten jeder Art. (…)

Der Rückzug ins Private – die alten Griechen nannten das übrigens Idiotie, im Doppelsinn von Privatheit und Torheit, der unpolitische Mensch war der Idiot – verstellt den Blick auf Verschiebungen im Herrschafts- und Gesellschaftsgefüge. Die Bürger stumpfen ab, die Kräfte des Widerstands erlahmen, die Politik erodiert und entleert sich ihres Sinns. (…)

Krisenzeiten sind nur dann Erkenntniszeiten, wenn sich kollektive Alternativen zum Bestehenden abzeichnen, ob die nun von Gewerkschaften, Parteien oder anderen Gruppierungen der Gesellschaft, etwa außerparlamentarischen Bewegungen, formuliert werden. Aber nichts dergleichen ist im Augenblick in Sicht.“
Quelle → http://www.spiegel.de/spiegel/a-710880.html

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Thomas Bender

Registriert seit: 04.02.2010

Kommentare: 2508

16. August 2012 - 19:32 Uhr

Spanien ist aktuell ein sehr schöner Test Case, wohin die Reise gehen wird. Als gäbe es sonst nichts wichtigeres zutun, hat die konservative Regierung erst einmal neue "Sicherheitsdoktrin" erstellt. Die Wirtschaftskrise wird darin als ernsthafte Bedrohung für die innere Sicherheit angesehen:

http://www.heise.de/tp/blogs/8/152513

Laut Ansicht der spanischen Regierung kommt z.B. ein Aufruf zu Protesten gegen die aktuelle Krisenpolitik der Gründung einer kriminellen Vereinigung gleich:

http://www.heise.de/tp/artikel/36/36751/1.html

Aber auch in Deutschland wird ja seit Jahren eifrigst der Überwachungsstaat ausgebaut.

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Tina Spitz

Registriert seit: 25.07.2011

Kommentare: 705

16. August 2012 - 23:21 Uhr

Sehr geehrter Herr Ronny G. Bürckholdt,

die mir freundlicherweise Ihrerseits gestellte Frage wurde zwischenzeitlich von diversen Kommentatorinnen und Kommentatoren zu meiner vollsten Zufriedenheit beantwortet.

Dafür aufrichtigen Dank an Caroline Weber, Sandra Maier, Martin Blum, Frank Reiger, Harald Meierhofer, Jürgen Steinke, Thomas Bender, Bert Pavel und - last but not least - Peter Matulla.

Mindestens 90 % der Kommentare widersprechen Ihrer Ansicht... also MIR gibt das schon etwas zu denken...

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