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15. Januar 2014

Die Zeit tickt nicht im Himmel

Kunstpädagogische Ansichten von Albi Maier im Scholz-Haus.

  1. Albi Maier stellt ab Sonntag im Georg-Scholz-Haus aus. Foto: Ernst H. Bilke

WALDKIRCH. Der Winter ist seit einigen Wochen in Urlaub und so mancher, der schneeerwartungsfroh einen Aufenthalt im Schwarzwald gebucht hat, fragt sich, was machen? Da kommt die erste Ausstellung des Kunstforums Waldkirch in diesem Jahr zur rechten Zeit. Zu sehen sind Ölgemälde im spätherbstlichen Farbakkord, die bisweilen düster wirken, aber in Kontrast gesetzt zu teerschwarzen Flächen freundlicher wirken, als der Eindruck, welchen der aktuelle Blick aus Fenstern beim Betrachter hinterlässt.

"Hommage an der Schwarzwald" ist der passende Titel der Ausstellung mit Werken von "Albi" (Albert) Maier, bei dem sich Landschaften, besonders wo sie schwermütig stimmend grau und trübe erscheinen, in Ansichten von Geborgenheit und Zufluchtsorten verwandeln und den Himmel so nah erscheinen lassen.

Albi hat ein Atelier auf dem Feldberg, der Wetterküche des Schwarzwaldes, und ist in vierter Generation Uhrenschildermaler. Diese Nähe zum Himmel, das auf einem Gipfel intensivere Erleben von Wetter und seine kunsthandwerkliche Erfahrung prägen seine Motive. In der Umgebung des Feldbergs und des Herzogenhorns gibt es noch zusammenhängende Schwarzwaldhöfe, Gebäude mit typischen Walmdächern. Albi beschreibt sie mit den Mitteln eines Künstlers.

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Er ist kein Freilichtmaler, sondern sammelt Eindrücke mit Skizzen und fotografierend, unabhängig vom gesehenen Licht, malt er im Atelier Häuser mit minimalistisch detaillierten Landschaften, auf denen selten eine Tanne zu sehen ist, sie wäre schon ein Detail zu viel. Im Georg-Scholz-Haus werden unter anderem 5,5 mal 5,5 Zentimeter-formatige Minibilder gezeigt, die der Fläche einer Uhrenschilderecke entsprechen. Auf so einer kleinen Fläche bestimmen wenige Linien den Gesamteindruck.

Ins größere Format übertragen, entstehen zeitlos wirkende Wetterstudien, die sich auf das Wesentliche beschränken, in denen von der Schwere des Lebens unbelastete Häuser stehen, weil über sie und ihre Bewohner hinweg Stürme gehen können.

Wie Schildkröten strahlen Albis Häuser eine bestimmte Ruhe und Rückzugsmöglichkeit aus und sind das gemalte Pendant zur "Entdeckung der Langsamkeit" des Schriftstellers Sten Nadolny. Sie seien, so Albi, "Ausgleich zu dem, was der Gesellschaft fehlt" – eine Huldigung an den Schwarzwald, wie er war, noch be- und gesucht wird. Apropos Tourismus, Albi ist in jüngster Zeit als skurriler Initiator der Aktion "Hello Yellow" bekannt geworden. 1952 in Lenzkirch geboren, ist er heimatverbunden. So hat ihn nicht kalt gelassen, dass Neustadt dem Namen nach mit dem Titisee verbunden ist, aber mit dem Tourismusmagnet wenig gemeinsam hat. Als Stadt der gelben Häuser soll Neustadt-Stadt bekannt werden, so der Schwarzwälder Rübezahl. Licht und Schatten interessieren ihn eben nicht in impressionistischer Manier, vielmehr bringt er gern Licht ins Dunkel, ein fahler Lichtschein wirkt im Kontrast zum absoluten Dunkel, dem Schwarz, noch hell.

In vierter Generation

Uhrenschildermaler

Als malender Waldschrat, der sich mal zeigt, mal verbirgt, übermalt er manchmal Uhrenschilder und Landschaftsszenen mit schwarzer Farbe, signiert seine Bilder mit dem Pinselende ritzend in einem frühen Stadium und übermalt die Signatur. Er restauriert auch Uhrenschilder, ist mit den bildgebenden Verfahren der Restauratoren vertraut. Das hat ihn inspiriert, Werke zu schaffen, die tiefere Schichten verbergen. Freistehend versus eingerahmt wirkt ein Minibild anders, kombiniert mit einer schwarzen Fläche, arrangiert wie eine Stele, anders als solo. Die Ausstellung hat insofern einen kunstpädagogischen Ansatz und kommt dem neuen Konzept des Hauses in Kooperation mit Musikschülern entgegen.



Die Ausstellung beginnt am 19. Januar (Vernissage ist um 11 Uhr) und endet am 23. Februar. Öffnungszeiten sind donnerstags 17-20 Uhr, freitags und samstags jeweils von 15 bis 18 Uhr, sonn- und feiertags 10-13 Uhr.

Begleitprogramm: 24. Januar, 20 Uhr, Kunst im Dialog – Gespräch mit Albi Maier; 25. Januar, 20 Uhr, Schreibnacht; 2. Februar, 11 Uhr, Lesung mit Kathrin Pläcking; 6. Februar, 20 Uhr, Sagen, Lieder und Märchen aus dem Schwarzwald mit Elisabeth Schneider und Buki und in Kooperation mit der Musikschule; 15. Februar, 16 Uhr, Figurentheater für Kinder; 23. Februar, 10 Uhr Schreibnachtlesung und 11 Uhr Finissage mit Goschehobel.

Autor: ehb