Jäger der Nacht

Dieser Uhu soll sieben Störche in Reute getötet haben

Annika Sindlinger

Von Annika Sindlinger

Fr, 29. Juni 2018 um 15:29 Uhr

Reute

Der Verein Weißstörche Breisgau musste in den vergangenen Wochen den Verlust von vier Altstörchen und drei Jungstörchen verzeichnen. Wie es zum Tod der Tiere kam, war lange unklar. Am Freitagmorgen zeigte sich der mutmaßliche Übeltäter – es war ein Uhu.

"Gestern Abend war noch alles in Ordnung. Es muss heute Nacht passiert sein", erklärt Martin Kury von der Storchenpflegestation in Reute. Er war am Morgen vom Nachtdienst heimgekehrt und hatte einen getöteten Jungstorch und den schlafenden Uhu daneben entdeckt. "Der Uhu ist einer der seltensten Raubvögel in Deutschland, deshalb ist das schon außergewöhnlich. Ein Milan oder ein Habicht könnte einem Storch nichts anhaben", sagt Kury.

In einem Rekordjahr wie diesem leben in Reute bis zu elf Storchenpaare mit 22 Jungen. Dass sich etwas in der Natur verändert hatte, war laut Kury bereits zuvor erkennbar gewesen. "Wir hatten weniger Krähen als sonst. Und unser Nachbar hatte ein Schleiereulenpaar, bei dem das Gelege verlassen war. Es ist anzunehmen, dass der Uhu auch die Schleiereulen geholt hat", erklärt er. "Die Altstörche greifen inzwischen auch alle Raubvögel in der Umgebung an. Das machen sie sonst auch nicht – das ist ein Zeichen dafür, dass hier ein Raubvogel tätig ist", sagt Kury.

Durch den Uhu lassen sich die Verluste erklären

Kury und die Vereinsmitglieder hatten zunächst einen Marder verdächtigt, die Spuren an den gefundenen Überresten der getöteten Vögel passten jedoch nicht. Ob der Uhu alleine sei oder eventuell selbst Junge habe, sei ungewiss. Auch eine Beringung des Uhus sei nicht zu erkennen gewesen. "Der Uhu ist ein exzellenter Jäger, der nachtaktiv ist", erklärte Vereinsmitglied Hermann Birkle. "Dass der Uhu heute Morgen noch da war, ist auch eher ungewöhnlich", sagt er.

Die Störche könne man auch nicht vor Gefahren wie Raubvögeln schützen, erklärt Birkle. "Die sind hier ja seltener wie die Störche. Das gleicht auch die Population wieder aus", sagt er. "Daran sieht man wieder, wie die Natur funktioniert. Der Uhu ist hier irgendwann vorbeigekommen und hat festgestellt, dass es hier ein gutes Nahrungsangebot gibt – denn eigentlich gibt es hier keine Uhus." Immerhin: Die ganz jungen Vögel in der Voliere seien erst einmal sicher.

Der Uhu, die größte Eule der Erde, ist mittlerweile ein seltener Anblick. Wegen menschlicher Einflüsse war sein Lebensraum lange auf Mittelgebirge und Alpen begrenzt, die Vögel sind zunehmend aber auch in anderen Regionen zu finden. Sie mögen abwechslungsreiche Jagdgebiete mit Hecken, Flüssen und Feldern. Sie jagen nachts. Den Tag verbringen sie in Bäumen, Nischen oder Sträuchern.