"Da erlebt man die tollsten Sachen"

Kathrin Blum

Von Kathrin Blum

Do, 06. Dezember 2018

Ebringen

BZ-INTERVIEW: Heiko Bronner aus Ebringen verrät, warum er zum Nikolaus wurde und was für ihn das Spannende daran ist.

EBRINGEN. Heiko Bronner ist ehrfürchtige Blicke gewohnt. Kein Wunder: Auch ohne Kopfbedeckung ist der stattliche 40-Jährige fast zwei Meter groß. Mit Mitra misst er sagenhafte 2,20 Meter. Diese Kopfbedeckung trägt er in diesen Tagen immer dann, wenn er als Nikolaus unterwegs ist. Kathrin Blum hat sich mit ihm über Kinder, Kirche und Coca-Cola unterhalten.

BZ: Wie wird man Nikolaus?
Bronner: Bei mir kam das so: Ich war Mitglied im Sportverein Pfaffenweiler, als für die aktive Mannschaft ein Nikolaus gesucht wurde. Dafür wurde ich ausgewählt. Ungefragt. Vermutlich hat das mit meiner Statur zu tun. So hat es sich ergeben, dass ich einige Jahre später Nikolaus für verschiedene Veranstaltungen wurde und mehr und mehr auch Familien besucht habe. Inzwischen bin ich seit 16 Jahren Nikolaus – und übrigens nie alleine unterwegs.

BZ: Oh, braucht der Nikolaus einen Leibwächter?
Bronner: Ich habe immer den Knecht Ruprecht dabei. Wenn, dann bin wohl eher ich der Beschützer – schließlich ist mein Begleiter einen guten Kopf kleiner als ich.

BZ: Hat Ruprecht eine Rute dabei?
Bronner: Natürlich.

BZ: Benutzt er diese auch?
Bronner: Bei sehr neugierigen Journalisten könnte das schon passieren.

BZ: Und bei Kindern?
Bronner: Ist das nicht nötig.

BZ: Wieso, sind alle Kinder so brav?
Bronner: Wenn wir auftauchen schon. Auch Kinder, die sonst vielleicht frech sind, werden ganz kleinlaut, wenn der Nikolaus vor ihnen steht. Selbst Acht- oder Neunjährige, die längst wissen, dass es den Nikolaus so nicht gibt, trauen sich nicht, mir das ins Gesicht zu sagen.

BZ: Haben Sie auch ein Goldenes Buch?
Bronner: Selbstverständlich.

BZ: Darin steht, was Kinder gut gemacht haben und was besser werden muss?
Bronner: So ist es.

BZ: Gibt es Dinge, die auf so gut wie alle Kinder zutreffen?
Bronner: Es gibt zwei Dinge, die sehr häufig dabei sind: das Kinderzimmer aufräumen und Gemüse essen. Wenn Geschwister da sind, geht es auch häufig um Streit. Genauso ist das aber auch ein Punkt, den Eltern häufig loben: dass Geschwister schön zusammen spielen oder ältere toll auf jüngere aufpassen. Lob gibt es auch für das Helfen im Haushalt oder bei kleineren Kindern dafür, dass es mit dem Töpfchen gut klappt.

BZ: Sie mimen einen Heiligen – haben Sie einen Bezug zur Kirche?
Bronner: Ich bin katholisch und war als Kind Ministrant in Pfaffenweiler. Das hat mich geprägt – deshalb komme ich auch nicht als rotgewandeter und zipfelmützentragender Weihnachtsmann, wie man ihn aus der Coca-Cola-Werbung kennt, sondern als Bischof mit Mitra und Stab.

BZ: Spielt Glaube eine Rolle in den Familien, die Sie besuchen?
Bronner: In manchen durchaus. Gerade wenn ältere Generationen mit dabei sind, pflegen wir das, etwa in dem ich zur Begrüßung sage: Gelobt sei Jesus Christus – und die Versammelten antworten: in Ewigkeit, Amen.

BZ: Was bekommen die Kinder in der Region zu Nikolaus geschenkt – Süßigkeiten oder eher Spielsachen?
Bronner: Das ist komplett unterschiedlich. Manche bekommen tatsächlich nur das kleine Säckchen mit Mandarinen und Nüssen drin. Bei anderen Familien schleppen wir pro Kind einen ganzen Sack voller Päckchen und Pakete an. Meine Erfahrung zeigt: Wenn Paten oder Großeltern mit dabei sind, dann wird es üppig. Da habe ich manchmal das Gefühl, man will sich gegenseitig übertrumpfen.

BZ: In der Masse auf dem Weihnachtsmarkt oder im heimeligen Wohnzimmer – wo fühlen Sie sich als Nikolaus wohler?
Bronner: Ich finde es spannender, in die Familien zu gehen. Auch wenn ich bei den ersten Familien immer etwas nervös bin. Ich gebe zu: Ich bin manchmal sogar nervöser als die Kinder. Auf den Weihnachtsmärkten sind die Kinder mutiger, da sind sie ja auch nicht alleine, sondern kommen in Gruppen. Wenn man sie zu Hause einzeln vor sich hat, ist das etwas ganz anderes. Da erlebt man die tollsten Sachen.

BZ: Was denn?
Bronner: Es ist unbeschreiblich, wenn beispielsweise ein kleines Kind seinen ganzen Mut zusammennimmt und mir seinen Schnuller überreicht, weil die Eltern wollen, dass es diesen jetzt abgibt. Oder wenn die Kinder mir voller Stolz ein Gedicht vortragen oder selbstgemalte Bilder schenken. Es macht unglaublich Spaß, die Kinder strahlen zu sehen.

BZ: Passiert es, dass Kinder nicht "mitspielen"?
Bronner: Das kommt tatsächlich sehr selten vor. Ich erinnere mich an ein Kind, das sich unter dem Tisch versteckt hat und partout nicht rauskommen wollte. Ich hab dann die guten und schlechten Sachen in den leeren Raum erzählt. Das Kind kam erst aus seinem Versteck, als ich weg war. Die meisten sind aber tatsächlich mutig und und hören tapfer die Kritik an, die ich äußere.

BZ: Haben Kinder Sie schonmal enttarnt?
Bronner: Einmal bin ich als Nikolaus zu meinen Neffen gegangen. Die wussten allerdings schon, dass ich es bin. Sonst hat noch nie ein Kind gesagt: He, du bist doch der Heiko, oder: Ich kenn dich irgendwo her. Vermutlich liegt das aber schlicht daran, dass sie sich das nicht getrauen, wenn sie vor einem kostümierten Zwei-Meter-Mann mit Rauschebart stehen.