Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

19. September 2012

"Das ist ja eine heiße Partie"

Der 1. Schachtag in Ebringen diente der Nachwuchsförderung / Einer von 20 Spielern schlug Matthias Deutschmann.

  1. Gegen 20 Schachspieler kämpfte Matthias Deutschmann beim Simultanschach. Foto: Frowalt Janzer/dpa

  2. Foto: dpa

EBRINGEN. Der Ebringer Schachclub feierte 50. Geburtstag und tat an diesem Tag etwas für die Nachwuchsförderung. Sie stand im Mittelpunkt des 1. Schach-tages. 19 Jugendliche aus dem Ort und den benachbarten Schachclubs nahmen am Jugendturnier teil. 10 Schachspieler am "Trimultan-Blitzturnier" und Matthias Deutschmann stellte sich beim Simultanschach 20, meist jugendlichen Gegnern. Abends wurden beim Festakt Gründungsmitglieder geehrt.

Höhepunkt des Schachtages war das Simultanschach mit Spielertrainer und Kabarettist Matthias Deutschmann. Er trat gegen 20 hoch motivierte Schachgegner an, der jüngste Kolja Kleinschmidt, 6 Jahre alt, aus Freiburg, der älteste Karl Schagg, 88 Jahre, aus Ebringen. Für ihn sei Schach Gehirnjogging. Florian Kandra, SC Horben, spielt seit vier Jahren Schach, beim Jugendturnier am Morgen Zweiter geworden, rechnete er sich keine große Chancen aus, auch die Siegerin Sarah Hund glaubte nicht an eine große Chance. Zu Beginn teilte Deutschmann Schokomarienkäfer aus und versprach für jeden besonderen Zug einen weiteren, 60 hatte er dabei.

Werbung


Dann geht es los: Die Gegner spielen ihre Eröffnung, Deutschmann reagiert. Er muss weite Wege gehen, er innen, die Spieler außen. In der vierten Runde kommt er ins Schwitzen, bittet um ein Glas Wasser. Mancher Zug der jugendlichen Mitspieler zwingt Deutschmann zum Nachdenken, gerade die Sieger des Jugendturnieres verlangen besondere Aufmerksamkeit. Meist geht es schnell, Zug folgt auf Zug. Deutschmann vermittelt den Mitspielern Anerkennung, freundlich lächelnd reagiert er auf die Spielzüge, weist ab und zu auf die Gefahren dieses Zuges hin und lässt neu überlegen. Er muss sich vor jedem der 20 Bretter neu einstellen, die Mitspieler haben eine Runde Zeit, sich den nächsten Zug zu überlegen. Im Saal herrscht Totenstille, Eltern und Mitspieler sind mucksmäuschenstill, einzig die Kommentare Deutschmanns sind zu hören: "Den greif ich an!", "Jetzt bin ich mal frech!" oder zu Florian: "Das ist ja eine heiße Partie. Hast du dir das alles selbst ausgedacht?", "Richtig, das ist gut", zu Kolja, 6 Jahre alt, "So läuft der Hase", nach einem guten Zug von Emilia. Beginn ist um 14 Uhr, um 16.35 Uhr bietet er Sarah Hund ein Remis an, Sarah lächelt, kein Sieg, aber ein großer Erfolg gegen den Meister. Benno Staub, 7 Jahre, aus Freiburg-Zähringen veranlasst Deutschmann zu: "Du bist frech. Wie kann man mit einem alten Mann so umgehen?" 17.10 Uhr: Julian Boes aus Heitersheim, 12 Jahre alt, hat seine Partie gewonnen. Nico Scheffler, 13 Jahre, Freiburg-West, holt um 17.25 Uhr das nächste Remis. Um 17.30 Uhr sind noch 7 Partien im Spiel. Kolja hält bis 17.37 Uhr durch, sichtlich erschöpft sind der Sechsjährige und sein Vater zufrieden mit einem Remis, ebenso Isabella Antusch, Freiburg-Zähringen. Bis 17.42 Uhr sind noch drei Mädchen die letzten Gegnerinnen, doch dann verlieren auch sie ihr Spiel.

Die Spieler bekommen ihre Preise, Harald Obloh ist hochzufrieden über diese Werbung für den Schachsport. Gerade sensationell sei es, wie sich die jüngsten Spieler geschlagen hätten. Matthias Deutschmann ist nach dem Simultanturnier geschafft, er sei voll gefordert worden, sagt er, einige hätten geradezu hartnäckig gespielt.

Neben dem Simultanschach mit Mathias Deutschmann hatten sich der Vorsitzende Harald Obloh, Turnierleiter Udo Bösch und sein Team viel einfallen lassen, um am Schach interessierte Kinder, Jugendliche und Eltern über "Das königliche Spiel" zu informieren. Im Eingangsbereich der Schönberghalle lief ein Film über Schach und Schachgeschichte, Computer- und Internetschach.

Auf drei Computern lud das Lehrprogramm: "Fritz & Fertig", Schach für Siegertypen, zum Experimentieren ein. Pädagogisch geschickt erklärt das Programm die Aufgaben der Schachfiguren und die möglichen Spielzüge. Die Anwendung: Bei richtigem Klicken mit der Maus auf den Feldern kommt der Spieler ins nächste Level.

Beim Jugendturnier spielten 19 Kinder und Jugendliche nach dem Schweizer System um Preise. Nach sieben Runden hatte Sarah Hund, SK Freiburg Zähringen mit sechs Siegen und einem Remis ( 6,5 Punkte) die Nase vorne. Zweiter wurde Florian Kandra, SC Horben, vor Johann Niethammer, Nico Scheffler und Stefan Grothe (alle 5 Punkte, alle SK Freiburg-West).

Über Mittag wurde ein Trimultan-Blitzturnier ausgespielt. Maximal 10 Teilnehmer spielten in drei Runden gleichzeitig gegen drei Gegner. Miterfinder Götz Heckert aus Freiburg begleitete das Turnier. Nach drei Runden à 15 Minuten habe jeder gegen jeden gespielt, so Heckert. Die Spieler müssten Blitzschach beherrschen und mit der Schachuhr umgehen können. Trimultanschach sei dynamischer und spannender als normales Simultan, es entstehe positiver Stress. Christoph Bung aus Freiburg spielte zum ersten Mal ein solches Turnier hatte viel Spaß. Drei Partien gleichzeitig zu spielen, sei eine Herausforderung: Weil man die Züge der Gegner nicht direkt sehe, gehe es vor allem darum, Veränderungen blitzschnell zu sehen, zu erkennen, welche Figur gezogen wurde und darauf zu reagieren. Da die Uhr laufe, entstehe Druck, aber auch Spaß, da es um nichts gehe. Aus dem Turnier nahm er die Erfahrung mit, dass es wichtig ist, sich eine Strategie zurechtzulegen. Vielleicht sei es besser, sich eher auf die beiden besseren Partien zu konzentrieren und die schlechtere aufzugeben. Jens-Uwe Schmidt (Lahr) und Chris Davis (Ebringen) gewannen das Blitzturnier vor Holger Kaspereit (Ebringen) und Johannes Neuner, Freiburg- Zähringen.

Autor: Frowalt Janzer