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19. Juni 2009

Schrittmacher-Variationen

Neue Ausstellung des "badischen kunstforums" in Ebringen zeigt Werke von neun Künstlern

  1. Die Läufer des Malers und Bildhauers Gerhard Völkle. Foto: Anne Freyer

EBRINGEN. "Schrittmacher" heißt die Ausstellung, die der Künstler Hans Benesch in Haus und Garten seines Anwesens in der Ebringer Schönbergstraße zurzeit zeigt. Die "badisches kunstforum" benannte Galerie macht ihrem Namen alle Ehre: Nicht weniger als neun Künstler werden diesmal präsentiert, die das vorgegebene Thema in verblüffender Vielfalt visualisieren.

Der Freiburger Matthias Dämpfle setzte eine vorwiegend technisch orientierte Idee um, die aber auch nicht eines hintergründigen Witzes entbehrt. In seinem "Kreislauf mit externem Antrieb" hat er in einem sogenannten C-Print, also einer am Computer entstandenen Collage, Geräte und Organe zu einer Art Herzschrittmacher verbunden, der allerdings umgekehrt funktioniert: Das Herz ist der Schrittmacher, der das kunstvolle Gestänge in Gang hält.

Eher um den sozialen Aspekt, um Schritte in und für die Gemeinschaft in einer technologisierten Welt, geht es Stephan Groß aus Braunschweig in seinen detailreichen Fotocollagen – der Mensch gleichzeitig als Urheber und Opfer des "Fortschritts". Der Berliner Christian Hasucha läuft in seinem Endlos-Video "Herr Individual geht" stundenlang auf einer erhöhten Fläche mittels eines Laufbands irgendwo am Straßenrand, ohne recht von der Stelle zu kommen, zum Erstaunen der Passanten, aber auch des Betrachters des Videos, das eine bereits 1987 in Berlin und anderen Städten aufgeführte Performance festhält. Ingrid Jäger hingegen hat die Bewegung eingefroren in etwa 30 Zentimeter hohen, fast nur aus Beinen bestehenden Tonplastiken, die das Schreiten und den Entschluss dazu versinnbildlichen. Assoziationen an finstere Zeiten wecken die sieben kleinformatigen Schwarzweißfotos, die Rosemarie Kraus aus Pforzheim mitgebracht hat. Breeches und andere Uniformhosen über Langschäftern und Knobelbechern signalisieren: Hier kommt der Sieger, hier wird marschiert, und zwar im Gleichschritt. Die Beschränkung auf die menschliche Gestalt von der Taille abwärts betont das unmenschliche Geschehen des Krieges und erhöht die Wirkung. Ganz anders Bettina Mauel, Köln, mit ihren beiden Arbeiten: In Rot und einfach schön bewegt sich da eine feurige Tänzerin, mal ganz zu sehen, mal nur der üppig schwingende Rock mit einem zierlichen Fuß: Da hat das Tanztheater Pate gestanden. Sanfter Spott oder Hommage an eine Trendsportart?

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Thomas Neumaiers Arbeit mit dem Titel "Nordic Painting" jedenfalls macht schmunzeln, denn an den Stöcken, die da an der Wand hängen, sind unten Pinsel zu entdecken, ein Verweis auf die Idee der Landschaftsmalerei und der Bewegung durch die Landschaft gleichermaßen. Des Videos als Vehikel zur Vermittlung von Kunst bedient sich auch Maria Vedder, Berlin, mit ihrer Installation "Schwelle", in der von unten durch eine Milchglasscheibe die Füße eilender Menschen zu sehen sind, scharf und genau nur im Augenblick des Auftretens.

Seit Gerhard Völkle den Rost entdeckt hat, kann er gar nicht mehr davon lassen, immer wieder fasziniert und selbst überrascht von der Veränderung, die mit der jeweiligen Arbeit vor sich geht, nachdem sie längst fertiggestellt ist. Denn die mit der Farbe vermischten Eisenpartikel oxidieren erst mit der Zeit; das Objekt entwickelt ein Eigenleben. Das erklärt wenigstens zum Teil die Wirkung, die auch von den jetzt in Ebringen zu sehenden Plastiken ausgeht: Läufer und Schreiter, Schrittmacher eben, ein Thema, das den Künstler schon lange vor der Anfrage durch das sechsköpfige Kuratorium des "badischen kunstforums" beschäftigt hat.

Die Ausstellung ist bis 26. Juli zu sehen donnerstags, 16 bis 19 Uhr, sonntags, 15 bis 19 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung: Tel. 07664/600466.

Autor: Anne Freyer