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31. März 2016

Stöbern in Archiven, entziffern von Urkunden

Bei den Rückblicken auf Geschichte und Kultur der Gemeinde Ebringen ging es diesmal um Ereignisse im Mittelalter.

  1. Heinz Krieg Foto: Janzer

EBRINGEN. Der Arbeitskreis Kultur und Natur in Ebringen gibt mit seiner Vortragsreihe "Rückblicke auf die Geschichte und Kultur der Gemeinde Ebringen anlässlich der 1300-Jahrfeier" Einblicke in die früheren Verhältnisse im Ort. Vor zahlreichen Zuhörern sprach nun Heinz Krieg über "Die Herrschaft in Ebringen im Mittelalter". Es ging um Adelsfamilien auf der Burg oder im Schloss mit Besitz, um deren Macht und Verantwortung. Sie gaben den Bauern Boden zur Bewirtschaftung gegen Fron und Abgaben.

Heinz Krieg studierte Geschichte und Philosophie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. 1999 promovierte er zum Thema "Herrscherdarstellung in der Stauferzeit: Friedrich Barbarossa im Spiegel seiner Urkunden." Seit 1994 forscht der Historiker am landesgeschichtlichen Institut der Uni Freiburg vor allem zu Adelsgeschlechtern und Fürstenhäuser im Südwesten.

Als Historiker bezieht sich auch Heinz Krieg auf Quellen wie die Ebringer Ortsgeschichte, das Breisgauer Burgenbuch und Die Herrschaften am Schönberg. Er durchstöberte die Archive, entzifferte alte Urkunden, um so an Wissenswertes über Ebringen und seine Herrschaften zu kommen.

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Jedes Jubiläum braucht ein Datum. Im Stiftsarchiv St. Gallen ist die Abschrift einer Urkunde erhalten, in welcher zur Zeit des Merowingerkönigs Chilperich (715 bis 721) ein Erfoin mit seinen Söhnen Teotar und Rotar dem damaligen Kloster einen Jauchert Reben "am Ebaringer ban gelegen" schenkte. Demnach hat der Ort Ebringen offenbar schon früher existiert und auf seiner Gemarkung wurde bereits damals Weinbau betrieben.

Solche frommen Werke, so berichtete Krieg den Zuhörern, waren üblich, um sich die Gebetshilfe der Mönche zu sichern, denn der Besitz blieb als Lehen erhalten. Eine genaue Jahreszahl ist in der Urkunde nicht erwähnt.

Die ersten Ebringer gehörten zu den Unfreien. Sie lebten in Siedlungen, waren abhängig vom Herrn und leisteten Frondienste. Die adligen Grundherren zahlten jährlichen Zins und Realabgaben ans Kloster. St Gallen war der größte Grundbesitzer rund um den Schönberg, hatte die Ortsherrschaft. Die Pröbste von St. Gallen waren die Verwalter und erbauten die Ortskirche (Patron. Hl. Gallus).

Wechsel von Herrschaften wurden in Urkunden festgehalten. Daher weiß man, dass die Schneeburg 1342 im Besitz von Friedrich von Hornberg war, Epitaphe an der Ebringer Kirche erinnern an die Herrschaft der Adelsfamilie von Falkenstein.

Die Dorfgesellschaft veränderte sich, aus Herrenhöfen mit Leibeigenen, dem Grundherrn verpflichtet, entwickelten sich durch die Siedlungsverdichtung Höfe mit selbstbewussten Bauern, die die Parzellen zum eigenen Vorteil nutzten, jedoch zu Abgaben verpflichtete waren.

1430 wurden die Grenzen der Bauerngemeinde festgelegt, 1445 sind kommunale Strukturen durch die "Stuben-Ordnung" belegt. Die fruchtbaren Böden und der Weinbau waren attraktiv für Zuzüge und bescherten der Herrschaft in Ebringen reiche Einkünfte.

Autor: Frowalt Janzer